Wissenschaftlich bestätigt: Wer Gutes tut, wird Gutes ernten

Der deutsche Neuro­wissenschaftler Joachim Bauer referierte am ­Wirtschaftsforum Birseck über neuste Erkenntnisse in der Genforschung. Und er sagte, warum es sich lohnt, ein guter Mensch zu sein.

Prominenter Gast: Joachim Bauer (links) vermochte das Publikum zu fesseln. Auch Klaus Endress zeigte sich sehr interessiert am Gast aus Deutschland. Foto: Caspar REimer

«Warum es sich lohnt, sich für das Wohl des grösseren Ganzen einzusetzen» – in Erwartung einleuchtender Erkenntnisse waren Interessierte der Einladung der FDP Reinach gefolgt, die am vergangenen Donnerstag unter eben diesem Titel zur sechsten Ausgabe des Wirtschaftsforums Birseck zu Endress und Hauser eingeladen hatte. «Alle, die politisch tätig sind, denken dabei, etwas für das grosse Ganze zu tun. Der Fokus der FDP liegt hier weniger darauf, Geld zu verteilen, als mehr bei der Frage, wie Wertschöpfung generiert werden kann», sagte Parteipräsident Philipp Hammel während seiner Begrüssung und rührte damit ein wenig die Werbetrommel für die Position der Freisinnigen.

Gastgeber Klaus Endress zog zum Auftakt eine eher düstere Gesamtbilanz über die vergangenen Jahre, die von einer Wirtschaftskrise, Kriegen und ­einer Pandemie geprägt gewesen seien. «Wir sind zu fest in Richtung Egoismus und Respektlosigkeit gedriftet», so Endress über das allgemeine gesellschaftliche Bild, das auch Kritik an ökonomischen Verwerfungen erkennen liess.

Mit der Aussage, dass Loyalität nur durch Respekt zu gewinnen sei, leitete er zum Hauptthema des Abends über. Als Referent hatte die FDP Reinach den deutschen Arzt, Neurowissenschaftler, Psychotherapeuten und Bestsellerautor Joachim Bauer eingeladen. Er lehrt an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau und hat die Bücher «Das empathische Gen» und «Prinzip Menschlichkeit» herausgegeben. «Es geht mir nicht darum, das Bild des guten Menschen zu vermitteln», so Bauer eingangs. «Allerdings müssen wir uns fragen, welche Konsequenzen es hat, wenn wir andere Menschen niedermachen.»

Gene im Austausch mit der Umwelt

Mit seinem Buch «Das empathische Gen» setzt er einen Gegenpol zum 1976 durch den britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins erschienenen Werk «Das egoistische Gen», welches den Menschen genetisch vorbestimmt als eine reine Konkurrenzmaschine zeigt. Die Fixierung auf genetische Vorbestimmtheit und Selektion habe im letzten Jahrhundert zu zwei grossen Kriegen geführt, so Bauer. «Die Ansicht, dass Gene alles im Voraus festlegen, ist aber überholt.» Mit seinem Buch wolle er zeigen, dass «Gene im Austausch mit der Umwelt stehen». Seine Forschung hat ergeben, dass die Genregulation von Menschen, die Gutes tun, besser funktioniert, was wiederum vor Krankheiten schütze. Wolle ein Arbeitgeber – und damit richtete er sich direkt an einen Grossteil des anwesenden Publikums – die Loyalität seines Mitarbeiters gewinnen, sei ein respektvoller Umgang entscheidend. «Das heisst nicht, dass ich von meinem Mitarbeiter nichts erwarte – im Gegenteil. Aber der Mensch möchte – in einem tieferen Sinn – gesehen werden.» Damit kritisierte er auch eine bestimmte Form des Unternehmertums, die nur kurzlebig für den eigenen Profit wirtschaftet. «Solche Unternehmen wollen gar nicht, dass Mitarbeiter länger bleiben.» Ganz anders seien da mittelständische Firmen wie etwa Endress + Hauser. «Als Arbeitgeber ist es schon wichtig, welches Menschenbild ich habe.»

Stress aktiviert Bad Cops

Warum es sich auch für sich selbst lohne, Gutes zu tun? «Chronischer Stress aktiviert gewisse Gene. Ich nenne sie die Bad Cops, weil sie dann zum Einsatz kommen, wenn der Körper eine Infektion abwehren muss.» Bei Menschen, die unter chronischem Stress leben – dazu gehörten auch Personen, die etwa andere betrügen oder Schlechtes tun –, blieben diese Gene immerwährend aktiviert, was zu chronischen Entzündungen führe. Krankheiten seien die Folge. Im Gegenzug verhindere etwa eine ehrenamtliche Tätigkeit chronische Entzündungen. Nach dem Vortrag und einer angeregten Fragerunde begab sich das Publikum in das Foyer, um sich bei einem Apéro selbst etwas Gutes zu tun.

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