Wer folgt auf Melchior Buchs?

Reinach wird sich in einem Jahr ein neues Gemeindepräsidium geben. Alle im Gemeinderat vertretenen Parteien zeigen Interesse.

Es war keine Überraschung mehr, was die FDP Reinach am Wochenende mitteilte: Der Gemeindepräsident Melchior Buchs tritt zu den Gesamterneuerungswahlen im kommenden März nicht mehr an. Er hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass nach sechs Jahren Schluss sein würde.

Naheliegendste Nachfolgerin wäre Béatrix von Sury d’Aspremont (Mitte). Sie ist seit 17 Jahren im Reinacher Gemeinderat. Denn nach dem plötzlichen Rücktritt von Urs Hintermann (SP) im Jahr 2017 übernahm sie als Vizepräsidentin inte­rimistisch für einige Monate das Gemeindepräsidium, hat also Erfahrung in ­diesem Spitzenamt. In der Ersatzwahl unterlag sie 2018 allerdings Buchs, mit 110 Stimmen Unterschied.

Auf Anfrage versteckt sie ihr Interesse nicht. «Es würde in mein Leben passen, nächstes Jahr Gemeindepräsidentin zu werden. Aber das muss letztlich meine Partei entscheiden.» Und eine Kandidatur würde auch davon abhängen, welche Parteien sie neben der eigenen unterstützen würden.

FDP will den Sitz ­verteidigen

Die Konkurrenz könnte gross sein. «Die FDP möchte das Präsidium behalten, das ist naheliegend», sagt FDP-Gemeinderat Ferdinand Pulver, der auch Präsident der Baselbieter Freisinnigen ist. Die Partei will den frei werdenden Sitz verteidigen, und zwar mit Birgit Kron. Doch fürs Präsidium kommt realistischerweise für die FDP nur der bisherige Pulver infrage.

Dieser meint allerdings, man müsse die ordentlichen Gesamterneuerungswahlen im März abwarten, denn: «Ich würde mich nicht wohlfühlen, jetzt schon das Präsidium anzustreben.» Aber: «Wenn ich spüre, dass meine Kandidatur Sinn macht, kann ich mir gut vorstellen, anzutreten.»

Er macht aber auch klar, dass es die Unterstützung anderer politischer Kräfte bräuchte. Die Mitte würde eine FDP-Kandidatur logischerweise nur unterstützen, falls von Sury verzichtet. Womöglich wird im März wieder ein Vertreter der SVP in den Gemeinderat gewählt, unabhängig davon wird die Partei fürs Präsidium wohl einen FDP-Kandidaten unterstützen.

Auf linker Seite kommt nur Christine Dollinger in Frage, denn Markus Huber, wie sie SP, verzichtet, und die Grünen sind nicht im Gemeinderat vertreten. Sie habe Interesse, sagt Dollinger auf Anfrage, müsse aber noch Abklärungen treffen. «Eine Frau als Gemeindepräsidentin wäre gut», sagt Huber. In sozialdemokratischer Hand war das Reinacher Gemeindepräsidium allerdings vor Buchs über ein Vierteljahrhundert lang, erst mit Eva Rüetschi (1990 bis 2004) und danach mit Urs Hintermann, der 2017 im Zuge der Asylaffäre zurücktrat.

Wenn zwei sich streiten

Wenn sich Bürgerliche und Linke streiten, könnte die lächelnde Dritte Doris Vögeli heissen. Sie wurde 2018 in den Gemeinderat gewählt, erst für die BDP, inzwischen ist sie grünliberal. «Ich lasse es mir offen, ob ich kandidiere», sagt sie. «Ich muss das noch mit meiner Partei besprechen. Aber wir können uns ja sehr viel Zeit lassen», betont sie angesichts der Tatsache, dass die Wahl der Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten erst am 9. Juni 2024 vorgesehen ist (erster Wahlgang).

Bis dahin können die Parteien und potenziell Kandidierenden noch viele Gespräche führen, wer überhaupt will, wer wem genehm ist und wen man deshalb unterstützen könnte. Vielleicht sind die Gespräche sogar so fruchtbar, dass man sich auf eine Person einigt, die alle fürs Präsidium für geeignet halten. Dann käme es anstatt zu einer Urnenwahl zu einer stillen Wahl. Dieses Szenario können sich alle Papabili vorstellen – wohl mit sich selber auf dem Thron des oder der Auserkorenen.

Weitere Artikel zu «Reinach», die sie interessieren könnten

Gemeinsam: Soziale Aktivitäten zeichnen den Ski-Club Reinach aus. An der letzten Flohmarkt-Ausgabe posieren die beiden OK-Mitglieder Ulrich Greub (hintere Reihe, 4. v. links) und rechts daneben Marc Freisowie alle Helferinnen und Helfer.  Foto: Casp
Reinach23.09.2026

Es hat sich ausgetrödelt: Abschied nach 32 Jahren

Am Samstag hat der Ski-Club Reinach zum letzten Mal zu seinem traditionellen Flohmarkt eingeladen. Damit geht ein Stück Flohmarkt-Geschichte zu Ende.
Das Warten hat ein Ende: OK-Präsidentin Daniela Vorpe und Einwohnerratspräsident Christoph Stähli schneiden das Band durch – die AGIR ist eröffnet. Foto: Fabia Maieroni
Reinach16.09.2026

Der persönliche Austausch bleibt zentral

Die Ausstellung Gewerbe und Industrie Reinach (AGIR) zog am Wochenende Zehntausende Menschen auf das Fiechtengelände.
Die Hauptattraktion: Für Schwindelfreie war das Riesenrad ein Riesenspass. Fotos: Seraina Oppliger
Reinach16.09.2026

Impressionen der AGIR: hoch hinaus, persönlich vernetzt