Von der Urmutter zur Zukunftsfamilie

Die Ausstellung «Von der Liebe, dem Leben und der Welt» im Leimgruber- und Gemeindehaus zeigt Werke von zwei seelenverwandten Künstlerinnen: Margit Maria Menne und Sandra Kreis.

Vielfältige Bildwelten: (v. l.) Sandra Kreis vor einer ihrer Bronzeskulpturen und Margit Maria Menne vor dem Werk «Freiheit und andere Schrecklichkeiten». Foto: Thomas Brunnschweiler
Vielfältige Bildwelten: (v. l.) Sandra Kreis vor einer ihrer Bronzeskulpturen und Margit Maria Menne vor dem Werk «Freiheit und andere Schrecklichkeiten». Foto: Thomas Brunnschweiler

Das Wichtigste vorweg: Der ausführliche Besuch dieser Ausstellung im Rahmen von Kultur in Reinach lohnt sich. Bereits das scheinbar monochrome schwarze, grosse Bild «Zeitenwende» gibt Anlass, intensiv nachzudenken. Wenn man es von den Seiten betrachtet, werden nämlich Farben sichtbar, die man bei fron­talem Anblick nicht sieht. Die Zukunft ist in der Schwebe. Ob sie sich verdunkelt oder zu neuer Hoffnung Anlass gibt, bleibt den Betrachtenden überlassen. Margit Maria Mennes vielfältige Bildwelten sind manchmal verspielt und bunt, manchmal meditativ-konzentriert und reduziert. Die Künstlerin lässt sich von der Natur, Menschen und Beziehungen und auch Umweltfragen inspirieren. Nie zieht sie eine programmatische Masche, ein leicht wiedererkennbares künstlerisches Label durch, wie es etwa Warhol tat. Wie Gerhard Richter malt sie, wozu sie gerade Lust hat. «Aufbruch» ist ein vertikal geschichtetes Gemälde, das Ruhe und Assoziationen an eine Landschaft vermittelt.

Neben Aktmalerei finden sich auch subtile Zeichnungen mit Grafitstaub, blaue Impressionen, Bilder in Pastell­tönen wie «Der süsse Duft» und in kräftigen Farben gestaltete Tableaus wie «Urei». Die im 19. Jahrhundert diskutierte Frage, ob die Farbe oder die Zeichnung wichtiger sei, beantwortet sie auf ihre Weise. Im Gemälde «Vernetzt», das auf globale Verhältnisse anspielt, durchdringen sich starke Farbflächen, Pastelltöne und zeichnerische Elemente auf bemerkenswerte Art und Weise. In «Fête de l’amour» ist die rote Farbe Zeichen der Erotik, deren Konkretisierung man erst auf den zweiten Blick wahrnimmt.

Verehrungswürdige Fülle

Sandra Kreis’ ausladenden Frauenfiguren stehen in der Tradition von Aristide Maillol und Fernando Botero. Doch unterscheiden sie sich von diesen beiden Künstlern in einem wesentlichen Punkt: Für Kreis steht der weibliche Körper an sich im Zentrum, nicht dessen Individualität. Die Skulpturen haben keine Gesichter. Die Frauen sind Urmütter, erinnern an die grosse Göttermutter Kybele. Damit stehen sie in augenfälligem Widerspruch zum heutigen Schönheitsideal dünner, schmalbrüstiger Models. Alle diese Frauengestalten besitzen eine auffallende Ästhetik, eine Körperbalance bis hin zur tänzerischen Leichtigkeit. Sie geben vor allem Frauen mit Übergewicht Kraft und Selbstbewusstsein. Sie erinnern Frauen an eine Zeit, in welcher der weibliche Körper noch – wie bei der Venus von Willendorf vor knapp 30000 Jahren – verehrungswürdig war und nicht wie heute bloss Kleiderständer der neusten Mode.

Die Kombination der Bilder und der Skulpturen ist der Kuratorin Carmen Küpfer vorzüglich gelungen. Obgleich im Auge des Betrachters nicht alle Werke gleich gelungen sind, bleibt für alle Kunstaffinen eine Auswahl, aus der ein Ankauf sich lohnt. Die Preise sind moderat, da die Ausstellung nicht den ökonomischen Sachzwängen eines Galerieverkaufs unterliegt. So ist abseits der Art Basel gute Kunst zu erschwinglichen Preisen möglich.

«Von der Liebe, dem Leben und der Welt», Galerie Werkstatt, Leimgruberhaus, und Gemeindehaus Reinach.

Öffnungszeiten: Sa und So, 14 bis 17 Uhr. Finissage: So, 10. Juli, 17 bis 20 Uhr.

www.kulturinreinach.ch

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