Neue Eisvogel-Brutstätten entlang der Birs
Der Vogelschutzverband Bird Life Baselland und der Kanton Basel-Landschaft suchen nachBrutstätten für denEisvogel. Der Reinacher Ornithologe FabioDi Pietro weiss: Gerade entlang der Birs steht der Eisvogel unter Druck.
Zwischen Februar und März streift der Eisvogel, mit seinem blau-orangen Gefieder einer der schönsten hiesigen Vögel, laut rufend den Flüssen entlang – die Paarungszeit und damit die Suche nach einem geeigneten Brutplatz beginnt. Dafür braucht der Eisvogel steile Abhänge in Flussnähe, in die er eine knapp einen Meter lange Röhre mit einer Kammer gräbt, wo er seine Eier ausbrütet. Der Eisvogel besiedelt weite Teile Europas, Asiens sowie das westliche Nordafrika und lebt an mässig schnell fliessenden oder stehenden kleinen Gewässern. Die Anwesenheit des Eisvogels gilt als Indiz für klare Flüsse und intakte Natur, doch Verbauungen, Verschmutzungen und menschliche Freizeitaktivitäten setzen dem Eisvogel zu. Förderprojekte in verschiedenen Ländern haben in den vergangenen Jahrzehnten wohl dazu beigetragen, dass die Vogelart zwar als dezimiert, aber insgesamt als «wenig bedroht» eingestuft wird.
In der Schweiz ist der Vogel auf der roten Liste als «verletzlich» klassiert. Nun wurde der Eisvogel zum Vogel des Jahres 2026 erklärt – eine Auszeichnung, die hierzulande seit 2001 von verschiedenen Vogelschutzorganisationen vergeben wird. Der Eisvogel soll also auch in der Schweiz gefördert werden: Ein Projekt von Bird Life Baselland, jener Organisation, die bis Ende 2025 Basellandschaftlicher Natur- und Vogelschutzverband hiess, dessen kommunalen Ablegern sowie dem Kanton Basel-Landschaft soll dazu beitragen, «das schillernde Juwel im Kanton Basel-Landschaft zu unterstützen», so Bird Life in einer Medienmitteilung. Der Verband hatte unter anderem Kontakt zu Vogelschutzvereinen vor Ort aufgenommen. «Der Kanton und Bird Life haben das Projekt gemeinsam aufgebaut und etappiert. In einer ersten Etappe kartieren Freiwillige nun die geeigneten Brutwände entlang grosser Baselbieter Flüsse», sagt Simon Hohl, Co-Präsident von Bird Life Baselland.
Geheime Brutstätten
Einer dieser Freiwilligen ist der Ornithologe Fabio Di Pietro, der in Reinach lebt und dort zudem den Verein für Natur- und Vogelschutz Reinach (VNVR) präsidiert. An der Birs sei der «Freizeitdruck», also etwa das Verlassen von Wegen durch Erholungssuchende, gross. «Auf diese Weise verscheucht man den Eisvogel sofort», so Di Pietro. Wie die anderen Freiwilligen bekam auch er einen Abschnitt zugeteilt, den es zu untersuchen und entsprechend zu kartografieren galt.
«Mein erster Abschnitt verläuft von Dornachbrugg zum Heidebrüggli und der zweite von da bis zur Grenze Münchensteins. Ich bin bereits beide Abschnitte abgelaufen und habe eingezeichnet, wo ich potenzielle Brutstätten für den Eisvogel erkenne.» Dabei habe er jeweils beide Uferseiten begutachtet, obwohl auf der gegenüberliegenden Seite Arlesheim liegt. «Bei uns Natur- und Vogelschutzvereinen geht es um die Sache, nicht um Gemeindegrenzen. Wir haben ja alle dasselbe Interesse.» Im kantonalen Kartensystem Geoview machte er sich schlau, wo es im Uferbereich steile Kanten gibt. «Von blossem Auge sieht man die Kanten oft gar nicht, da sie mit Gebüsch oder Bäumen zugedeckt sind.» Anhand von Kurven, welche den Steigungsgrad des Uferbereichs angeben, hatte sich Di Pietro vorbereitet.
Bei seinen Recherchen entdeckte er Abschnitte, die sich sehr wohl als Zuhause für den Eisvogel eignen würden: «An einigen Stellen liesse sich mit ein paar Eingriffen etwas machen, also etwa den Uferbereich neu modellieren oder nur freilegen.» In seinem Erkundungsgebiet hat der Ornithologe drei potenzielle Brutstätten entdeckt. Der genaue Ort soll aber nicht bekannt gegeben werden, denn: «Der Eisvogel reagiert empfindlich auf Störungen», sagt Di Pietro.
Entwicklung des Förderkonzepts
Zum weiteren Fortgang des Projekts sagt Hohl von Bird Life Baselland: «In einer zweiten Etappe wird basierend auf den Ergebnissen der Kartierung ein Förderkonzept erarbeitet. Dies mit dem Ziel, an den wichtigsten Fliessgewässern im Kanton in regelmässigen Abständen geeignete Brutwände aufrechterhalten zu können. Es gilt beispielsweise zu definieren, wo in einer dritten Etappe welche Massnahmen realistisch und sinnvoll umgesetzt werden können.»






