Ungewisse Zukunft für Ferienhaus

Die Gemeinden Reinach und Binningen besitzen im Berner Oberland ein Ferienhaus, das unter anderem Schulklassen für Lager nutzen. Das Haus ist defizitär und in einem schlechten Zustand.

Gemeinschaftsprojekt: das Ferienhaus in Adelboden. Foto: Tobias Gfeller
Gemeinschaftsprojekt: das Ferienhaus in Adelboden. Foto: Tobias Gfeller

Fürs Skifahren oder ein Lager ausserhalb des belebten Ortskerns ist das Ferienhaus inmitten des Skigebiets im Gebiet Geils/Hahnenmoos in Adelboden optimal gelegen. Genutzt wird es von Schulklassen aus Reinach und Binningen und anderen Gemeinden und Kantonen. Auch Private schätzen die optimale Lage während der Skisaison. Das Haus werde auch von Reinacher Vereinen genutzt, die gerne vom günstigen Angebot profitierten, erklärte Gemeinderätin Christine Dollinger (SP) im Rahmen der Beantwortung einer Interpellation von Katrin Joos (Grüne) in der Einwohnerratssitzung am 9. Februar. Doch die mehrheitlichen Buchungen werden von Drittpersonen oder Vereinen ohne direkten Bezug zur Gemeinde vorgenommen. Das Haus bietet in unterschiedlich grossen Zimmern Platz für 106 Personen, verfügt über einen Freizeitraum mit Tischtennistisch und Döggelikasten und einen grosszügigen Aufenthalts- und Verpflegungsraum.

Jährliche Defizite um 20000 Franken

Das Haus ist betrieblich defizitär und in die Jahre gekommen. Gerade die Zentralheizung bereitet seit Jahren Sorgen und sollte erneuert werden. Die Gemeinde Binningen sistierte 2019 die Übernahme ihres Kostenanteils von 60000 Franken. Auch die Nasszellen sind nicht mehr zeitgemäss.

Gemäss Interpellationsantwort des Gemeinderats betrug der Verlust für die Gemeinde Reinach 2022, 2023 und 2024 zwischen 17600 und 22600 Franken pro Jahr. Das Ferienhaus werde jährlich für eine Woche durch die Sekundarschule Reinach und jedes zweite Jahr für eine Woche durch mehrere sechste Primarklassen genutzt. Die Nachfrage bei der Primarschule ist gemäss Gemeinderätin Dollinger abnehmend, bei der Sekundarschule bleibe sie konstant. «Wir müssen uns überlegen, ob wir uns das leisten können und wollen», meinte Dollinger.

Die Gemeinden Reinach und Binningen sind seit Jahren auf der Suche nach einem alternativen Betriebsmodell. Der Versuch, mit der Hotelfachschule Thun ein neues Konzept zu erarbeiten, scheiterte. Auch Gespräche mit den lokalen Bergbahnen und Tourismusverbänden brachten keine Fortschritte, da diese gemäss Dollinger andere Interessen und Vorhaben priorisieren würden.

Die Gespräche mit der Gemeinde Binningen, wie es mit dem Ferienhaus weitergehen soll, werden in diesen Tagen wieder aufgenommen. Zwischen den Zeilen war bei Dollinger zu spüren, dass die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Binningen betreffend Ferienhaus nicht frei von Schwierigkeiten war und ist. Im Vordergrund der Gespräche stünden die Klärung der Investitionstätigkeit, der künftigen Ausrichtung des Hauses sowie das grundsätzliche weitere Vorgehen.

«Verscherbeln wollen wir das Haus nicht»

Auch ein Verkauf oder eine Verpachtung des Ferienhauses ist laut Dollinger eine Option, da der Betrieb eines Ferienheims keine Kernaufgabe der Gemeinde darstelle und erhebliche Investitionen anständen. Da sich die Liegenschaft in der Landwirtschafts- und nicht in der Bauzone befindet und der Betrieb defizitär ist, sei ein Verkauf schwierig und der Kreis an möglichen Interessenten wohl klein. Entsprechend finanziell wenig lukrativ scheint ein Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt zu sein. «Verscherbeln wollen wir das Haus nicht», stellte Dollinger klar.

Für Interpellantin Katrin Joos ist es nicht Aufgabe der Gemeinde Reinach, auswärtige Schülerinnen und Schüler zu subventionieren. Um das Defizit in den Griff zu bekommen, könnten die Preise für das Ferienhaus erhöht werden, schlägt Joos vor.

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