Neuer Richtplan: Auch Kinder und Jugendliche werden angehört
Mit dem erarbeiteten Raumkonzept nimmt der Richtplan für Reinach Form an. An der zweiten öffentlichen Veranstaltung konnte die Bevölke-rung erneut ihre Be-dürfnisse einbringen.

Wie wird Reinach in den kommenden 20 Jahren räumlich gestaltet? Wo wird gewohnt, wo gearbeitet, wo erholt man sich und wo wird gespielt? Darüber entscheidet der kommunale Richtplan, an dem sich unter anderem der Zonenplan orientiert, der konkrete Antworten zu den einzelnen Parzellen liefert. Der bestehende Richtplan datiert aus dem Jahr 2005. Beim 2024 lancierten Prozess zur Revision des Richtplans bezieht die Gemeinde die Bevölkerung aktiv mit ein. Zur öffentlichen Startveranstaltung im März 2025 kamen rund 40 Interessierte, um ihre Anliegen und Bedürfnisse einzubringen. Bei der zweiten Durchführung am vergangenen Samstag im Gemeindesaal waren es noch knapp 30 Personen, die sich zu den The-men städtische Mobilität, Zentrenentwicklung, Siedlungsentwicklung und Wohnen, Wirtschaft und Arbeit und Freiraum, Stadtnatur und Klima austauschten.
Kinder sind zufriedener als Jugendliche
Nach dem informellen Teil am Vormittag trafen sich die Teilnehmenden mit den zuständigen Fachpersonen aus der Verwaltung und dem Raumplanungsbüro EPB, das den Prozess zur Revision des Richtplans begleitet, in kleinen Gruppen, um in Workshops die Themengebiete zu konkretisieren. Es ging unter anderem um Fragen, wie der öffentliche Verkehr in die Stadt beschleunigt oder in die Quartiere ergänzt werden könne, wie Reinach trotz Wachstum grün bleibe und die Biodiversität gestärkt werde und wie es gelinge, dass es in den Quartieren mehr Begegnungsorte geben könne. Denn aus den bisherigen Gesprächen wurde deutlich, dass dies gerade für ältere Menschen fehlt.
Die zusätzlich zu den öffentlichen Workshopveranstaltungen durchgeführte Umfrage bei 190 Reinacher Kindern und Jugendlichen ergab, dass Kinder mit dem Angebot in Reinach zufriedener sind als Jugendliche und Buben zufriedener sind als Mädchen, erklärte Projektleiterin Nicole Wehrli Sarmiento. Gemäss Befragung fühlen sich Kinder und Jugendliche grundsätzlich wohl in Reinach. Als Bedürfnisse und positive Aspekte wurden die Möglichkeit, selbstständig unterwegs sein zu können, Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten in den Quartieren und die Naturnähe genannt. Beim Thema «Natur und Erholungsraum» fiel auf, dass die Kinder und Jugendlichen den Wald als Erholungsraum gut, die Birs aber nur bedingt kennen.
Streitpunkt Fussball am Sonntag
Als störend wurden der Verkehr mit seinen negativen Auswirkungen, die teilweise beschränkte Beleuchtung und Nutzungskonflikte und Regeln genannt. Als Beispiel dient hierbei der bekannte Konflikt ums Fussballspielen an Sonntagen. Bei der Infrastruktur stellten sich das Gartenbad und die Schulanlage Surbaum als besonders beliebt heraus. Seit der Startveranstaltung im März 2025 haben der Gemeinderat, die Verwaltung und das Begleitbüro in mehreren Sitzungen die bisherigen Erkenntnisse zu einem Raumkonzept zusammengefasst. Dieses bildet einen wichtigen Zwischenschritt hin zum finalen Richtplan. Dafür wurden zu allen Themengebieten Stossrichtungen formuliert.
Gemeinsam mit den Erkenntnissen aus der Befragung der Kinder und der Jugendlichen fliessen die Ergebnisse der zweiten öffentlichen Veranstaltung vom Samstag in den Entwurf zum neuen kommunalen Richtplan mit ein. Im Rahmen der öffentlichen Mitwirkung hat die Bevölkerung Anfang 2027 nochmals die Gelegenheit, sich einzubringen. Anschliessend folgt die Beschlussfassung durch den Gemeinderat und den Einwohnerrat.
Thema zu abstrakt?
Am Samstag kam die Frage auf, weshalb das Interesse an der Partizipation für den neuen Richtplan derart gering sei. Für Gemeindepräsident Ferdinand Pulver (FDP) hat dies auch mit der Komplexität der Thematik zu tun. «Es ist schwierig, zu verstehen, was wir hier machen. Es ist vorwiegend abstrakt und wenig konkret.» Ein Richtplan gibt auf hoher Flughöhe Antworten auf zentrale Fragen. Den Alltag der Menschen tangieren sie (noch) nicht.
«Die Leute fühlen sich nicht direkt betroffen», meint Pulver. Für den Gemeindepräsidenten ist der Einbezug der Bevölkerung trotzdem essenziell und eine grosse Chance für alle Beteiligten.
«Es geht darum, zusammen zu verstehen, wie Reinach ist und sich entwickeln wird.» Für Ferdinand Pulver ist das «Zusammen» besonders wichtig. «Es geht darum, zu verstehen und mitzubekommen, dass nicht alle gleich denken wie ich.»


