Umsetzung der Tempo-30-Zone erhitzt die Gemüter
Woche für Woche erhält die «Wochenblatt»-Redaktion Briefe, in denen die Reinacher ihren Unmut über die Umsetzung der Tempo-30-Zonen äussern. Gemeinderat Stefan Brugger nimmt Stellung.

Guido Herklotz
Die Art und Weise, wie die Einführung der Tempo-30 Zonen in Reinach umgesetzt wurde, sorgt für Gesprächsstoff. Während der letzten Wochen flatterten zahlreiche Leserbriefe in den «Wochenblatt»-Briefkasten. Neben dem Ärger ist auch Verunsicherung spürbar. Ruedi Bührer schreibt beispielsweise: «Ganz arg sind auch die Strassenstriche. Sollen wohl die Landebahn für Ausserirdische darstellen. Alle diese Malereien machen die korrekte Strassenbenützung fast zur Tortur».
Walter B. Egger kritisiert: «Die an Kurven angebrachten, überflüssigen Trennstriche sind viel zu eng, um beispielsweise Feuerwehrfahrzeugen und Ambulanzen die sichere Durchfahrt zu gewähren. Sie gehören allesamt abgeschafft und insbesondere soll das Parkieren im Kurvenbereich wieder gesetzeskonform geahndet werden». Und weiter: «Das Zugeben von Fehlern ist ein Zeichen von Grösse. Dementsprechend soll die Politik zugeben, dass hier Fehler begangen wurden und die Verwaltung zurückpfeifen».
Schutzengel oder Verkehrskindergarten
Das «Wochenblatt» legte Auszüge der Leserbriefe dem zuständigen Gemeinderat Stefan Brugger (36) vor und bat ihn um eine schriftliche Stellungnahme. Dabei räumt dieser ein, dass es bei der Umsetzung auch Fehler gegeben habe, meint aber auch: «In den allermeisten Fällen ist es aber eine Frage der persönlichen Optik, was denn nun korrekt, und was ein Fehler ist. Bei den grösseren Kreuzungen, bei denen neu der Rechtsvortritt gilt, wurden Führungslinien (Trennlinien) angezeichnet, um den Automobilisten auf die neue Situation aufmerksam zu machen. Für die einen ist das jetzt ein ‹lebensrettender Schutzengel›, für die anderen lapidar ein ‹Verkehrskindergarten›. Da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, bin ich persönlich davon überzeugt, dass wir mit dieser Massnahme schon mehrere schwere Unfälle verhindern konnten, und die Verkehrssicherheit erhöht haben».
Beste Lösung für Quatierbevölkerung
Brugger ist sich bewusst, «dass sich der Gemeinderat nicht für den einfachsten, sondern für den mühsameren Weg entschieden hat, welcher aber dann zur besten Lösung für die Quartierbevölkerung führen wird». Auch er selbst muss sich an die gestalterische Umsetzung zuerst gewöhnen: «Eine Temporeduktion von 40% (von 50 auf 30km/h) ist aber auch ein massiver Einschnitt und lässt sich nicht einfach so realisieren. Wie verwirrend es ist, hängt wahrscheinlich stark davon ab, wie sicher sich jemand im täglichen Verkehr fühlt, oder auch wie lange es her ist, dass er seine Fahrprüfung gemacht hat», erklärt Brugger in seiner Stellungnahme weiter.
Nicht gelten lassen kann er den Vorwurf, dass durch die Umsetzung der Tempo-30-Zone die Rettungskräfte behindert würden, da diese Massnahmen mit den Sicherheitsverantwortlichen abgestimmt worden seien. Und zu der Parkplatz-Kritik schreibt Brugger: «Anstatt versetzte Parkplätze, welche den Verkehr bewusst bremsen, kann Tempo 30 natürlich auch mit anderen Mitteln erreicht werden. Ich glaube aber nicht, dass die Mehrheit der Bevölkerung Freude an teuren baulichen Massnahmen (Höpperli) oder dem massiven Ausbau von Radarkontrollen hätte. Entsprechend respektiere ich den Entscheid des Einwohnerrates».
Stefan Brugger schreibt weiter, dass der Gemeinderat die kritischen Äusserungen ernst nehme und froh über alle Rückmeldungen sei.


