Tagesfamilien vor dem Aus

Die Vermittlung von Tagesfamilien steht vor dem Aus, wie der Verein für familienergänzende Kinderbetreuung Reinach (FeB) bekannt gibt. Eine kleine Hoffnung bleibt.

Fast wie Mama: In einer Tagesfamilie kommen die Kinder in den Genuss einer umfassenden und sehr persönlichen Betreuung. Foto: pixabay.com

«Die rückläufigen Betreuungsstunden bereiten uns Kopfzerbrechen», sagte Monika Wenger, Präsidentin des Vereins für familienergänzende Kinderbetreuung Reinach (FeB), im Sommer 2023 anlässlich der stetig sinkenden Nachfrage im Bereich Tagesfamilien. Diese Entwicklung hat sich bis heute weiter fortgesetzt, und zwar auch auf der Seite des Angebotes: Waren damals noch zwölf Betreuungspersonen für den FeB tätig, sind heute noch sieben im aktiven Dienst. Zum Vergleich: Anfang der 1980er-Jahre lag die Anzahl Betreuungspersonen noch bei rund 40. Im Oktober hat der Verein seine Mitglieder darüber informiert, dass das Angebot Tagesfamilien voraussichtlich per Ende Juni 2025 eingestellt wird. «Einerseits lassen Eltern ihre Kinder heute vermehrt in Kindertagesstätten oder schulergänzenden Angeboten betreuen. Andererseits wird es immer schwieriger, betreuende Familien zu finden», so Wenger. Dies sei bedauerlich, weil die Tagesfamilien gegenüber Betreuungsinstitutionen wesentliche Vorteile hätten: «Eine Tagesmutter ist zeitlich flexibler, kann abends vielleicht länger betreuen, während die Kita ihre Tore schliesst.» Zudem sei die Betreuung in einer Tagesfamilie persönlicher, dem einzelnen Kind werde mehr Aufmerksamkeit zuteil. «Das ist gerade für Kinder, die in grossen Betreuungseinrichtungen überfordert sind, ein grosser Vorteil.»

Zu hohe Fixkosten

Neben veränderten Arbeits- und Freizeitgewohnheiten haben die finanziellen Schwierigkeiten des Vereins auch handfeste politische Gründe: Seit der Umstellung von Objekt- auf Subjektfinanzierung im Jahr 2017 – statt dass der Verein von der Gemeinde Sockelbeiträge erhält, erhalten Eltern Betreuungsgutscheine – schreibe der FeB rote Zahlen, wie Monika Wenger erklärt. Administrative Fixkosten oder die Büromiete muss der Verein den Eltern in Rechnung stellen – 14 Franken sind es pro Betreuungsstunde. So würden sich Eltern nach günstigeren Angeboten umsehen. «Wir haben uns in den vergangenen Jahren nach Möglichkeiten umgeschaut, wie die Tagesfamilien weiter bestehen können», sagt sie.

Eine Idee sei gewesen, die Tagesfamilien Reinach einer anderen Institution, etwa in einer anderen Gemeinde, anzugliedern. Dies ist aber gescheitert, weil niemand das Angebot ohne Sockelbetrag übernehmen wollte. «Die Institution, welche unser Angebot übernommen hätte, hätte also alle administrativen Kosten selbst bezahlen müssen.»

Tagesheim bleibt

Im Herbst vergangenen Jahres haben die Einwohnerräte Benedikt Husi (GLP) und Ladislas von Sury (Mitte) beim Gemeinderat ein Postulat mit der Frage eingereicht, ob und mit welchen Mitteln der FeB erhalten werden könne. Eine finanzielle Unterstützung des Vereins kommt für den Gemeinderat aber nicht infrage, weil diese dem Prinzip der Subjektfinanzierung widerspreche. Dies bekräftigte er an der Einwohnerratssitzung vom vergangenen Montag. An der Sitzung wurde aber eine Motion eingereicht, in welcher der Gemeinderat beauftragt wird, die Rechtsgrundlage so zu ändern, dass durch einen Sockelbeitrag der Betrieb von Tagesfamilien in Reinach weiter erhalten werden kann. Ob der Einwohnerrat darauf eintritt, wird sich voraussichtlich an der nächsten Einwohnerratssitzung zeigen. «Es besteht also noch eine kleine Chance, dass wir das Angebot nicht einstellen müssen», sagt Wenger. Der FeB betreibt neben der Vermittlung von Tagesfamilien noch das Tagesheim Kakadu – dieses soll auch nach der Einstellung von Tagesfamilien weiterbetrieben werden.

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