Amphibien unter Druck: «Der Lebensraumverlust ist ein grosses Problem»
Allen Maier, Amphibienverantwortlicher des Vereins für Natur- und Vogelschutz Reinach, teilt bei einem Rundgang durch drei Naturschutzgebiete sein Wissen über die wechselwarmen Tiere.
Amphibien sind faszinierende Tiere. Die meiste Zeit des Jahres nehmen wir sie kaum wahr – sie sind unauffällig, nachtaktiv und lautlos. Doch dann werden die Tage wärmer und die Abende lauter: Plötzlich quakt es überall.
Im Februar und März beginnt ein veritables Schauspiel zu später Stunde: Sobald die Nachttemperaturen über fünf Grad klettern und feuchte Bedingungen herrschen, begeben sich viele Amphibienarten von ihren Winterquartieren auf die Wanderung zu ihren Laichgebieten.
Der Verein für Natur- und Vogelschutz Reinach begleitet dieses Schauspiel morgen Freitagabend mit einer Führung. Allen Maier, Amphibienverantwortlicher des Vereins, nimmt Interessierte mit auf einen Spaziergang durch drei Naturschutzgebiete von nationaler Bedeutung, die alle auf dem Bruderholz liegen: Hohle Gasse, Seiglermatten und Bammertsgraben.
Der 22-jährige Student der Geowissenschaften hat sich das Wissen, das er auf der rund zweistündigen Führung weitergibt, selbst angeeignet. «Ich habe meine Maturarbeit über die Amphibien auf dem Bruderholz geschrieben. Das Thema war neu für mich, hat mich aber rasch fasziniert und es wurde zu einem neuen Hobby», erklärt er.
In seiner Arbeit konnte Maier aufzeigen, dass der Bestand der Geburtshelferkröte auf dem Bruderholz eine positive Trendentwicklung zeigt, sich fünf Arten auf konstantem Niveau befinden (Grasfrosch, Wasserfrosch-Komplex, Europäischer Laubfrosch, Bergmolch und Fadenmolch) und dass die Erdkröte sowie der Nördliche Kammmolch rückläufig sind. Die Gelbbauchunke konnte Maier gar nicht mehr nachweisen. Maiers Maturarbeit wurde 2023 denn auch von «Schweizer Jugend forscht» ausgezeichnet.
Ausgesetzte Fische sind eine Bedrohung
Sein Wissen über Amphibien will Maier weitergeben: Das Ziel sei es, die Bevölkerung über Amphibien zu informieren. «Nicht nur Reinacherinnen und Reinacher sind willkommen, sondern auch andere Interessierte und Vereinsmitglieder», so Maier.
Start der Führung ist beim Naturschutzgebiet Hohle Gasse, dieses liegt zwischen Pony- und Predigerhof direkt am Waldrand. Das Biotop wurde 1997 errichtet und schloss die letzte Lücke im Biotopverbundsystem Bruderholz. Die Vernetzung von verschiedenen Weihern sorge für den Austausch unter Amphibien, Reptilien, Kleinsäugern und vielen Insektenarten, schreibt Maier auf der Vereinswebsite.
Im Naturschutzgebiet Hohle Gasse kämen sieben Arten, etwa der in der Schweiz seltene Laubfrosch und der stark gefährdete Kammmolch, vor. Vier der sieben Arten stehen auf der Roten Liste der national gefährdeten Arten. «Jede Art hat spezifische Ansprüche an ihren Lebensraum», weiss Maier. Gewisse Tiere bevorzugten strukturreichere Teiche, andere hingegen fühlten sich in temporären Gewässern wohl, die teilweise austrocknen.
Naturfreundlicher Garten hilft den Amphibien
Ideale Lebensräume seien selten noch vorhanden, sagt Maier. «Der Lebensraumverlust ist ein grosses Problem, ebenfalls die fehlende Vernetzung von unterschiedlichen Lebensräumen. So kommt es etwa zu Inzucht.» Grosse Strassen, die kaum zu überqueren sind, würden weitere Bedrohungen darstellen. In Reinach bestünde diese Gefahr weniger, sagt Maier und appelliert dennoch an Autofahrende: «Wer in Amphibien-signalisierten Gebieten Tempo 30 einhält, kann Leben retten.» Eine weitere Bedrohung seien Pestizide: «Gelangen diese in die Gewässer, töten sie die Amphibien, weil diese eine sehr durchlässige Haut haben», so Maier.
Aber auch Haustiere können den Amphibien den Garaus machen – wer nun nur an Katzen denkt, liegt daneben: «Es gibt immer wieder Menschen, die Fische im Naturschutzgebiet aussetzen. Diese rotten die Amphibien praktisch vollständig aus, da sie den Laich und die Larven fressen», weiss Maier. In einem Weiher am Rainenweg etwa seien Goldfische ausgesetzt worden – vor zwei Jahren wurden sie wieder entnommen. In diesem Weiher habe es nur noch Erdkröten, denn der Laich und die Larven dieser Amphibien seien für Fische ungeniessbar.
Es lauern also an vielen Orten Gefahren für Amphibien. Doch man könne sie auch unterstützen: «Einen naturfreundlichen Garten anlegen oder sich im lokalen Naturschutzverein engagieren», rät Maier. Der 22-Jährige macht es vor. Bei seiner Führung am Freitag wird Maier den nachtaktiven Amphibien nachspüren, Wissen vermitteln und Fragen beantworten. Der Rundgang ist auch für Kinder geeignet. Maiers Ziel für diesen Abend: «Möglichst viele Amphibien sehen», sagt er und lacht.
Nachtspaziergang, Amphibien auf dem Bruderholz, 20. März, 18–20 Uhr, Leitung Allen Maier. Taschen- oder Stirnlampe mitnehmen.






