Der Troubadour, der das Leben reflektiert

Mit nachdenklichen Mund-artliedern erzählt Bruno Blunschi aus dem Leben, das allen bekannt vorkom-men dürfte.

«Die Musik kann helfen, mit dem klarzukommen, was auf der Welt abgeht»: Musiker Bruno Blunschi. Foto: zvg
«Die Musik kann helfen, mit dem klarzukommen, was auf der Welt abgeht»: Musiker Bruno Blunschi. Foto: zvg

Die Menschen sollen den Umgang untereinander verbessern. «Sie sollen einander zuhören, sich akzeptieren», sagt Bruno Blunschi über seine Dialektlieder, die er selber komponiert und textet. Der pensionierte Lehrer arbeitet im Kleinen an einer besseren Welt, aber ohne belehrend zu wirken. Als «Brubadour» singt er Lieder, die Themen aufnehmen, die in sein Leben getreten sind, so der Tod eines Kollegen oder die Trennung eines ihm bekannten Paares. «Es sind Gefühle, wie ich die Welt sehe. Ich reflektiere über Dinge, die ich sehe», erklärt er seinen Antrieb. Es sind auch Geschichten, die er erlebt hat.

Er greift zu seinem Mobiltelefon und lässt seine neuste Komposition abspielen. Im Haus voller Bücher und Musik ertönt es sofort aus allen Lautsprechern. Es geht um ein Foto von Blunschi, das ihn als Bub zeigt, der noch mitten in der Primarschule steckt. «Vo däm Bueb, won ich ämol bi gsy. Är luegt mi aa und gseet ä gsetzte Maa. Bisch dä worde, won ich ha welle sy?», singt er unter anderem in den ersten Zeilen auf Mundart. Es sind die Fragen, die sich alle von uns einmal stellen, wenn sie zurückdenken, was sie als Kinder für Träume und Pläne hatten. Aber der Refrain reflektiert: «Doch ich bi nonig fertig, i ha no Füür im Buuch. Und i füül mi nöd so alt, wie ich söt sy.»

Die Erfahrung als Lehrer drückt durch

Sind die Lieder melancholisch? Versinkt der Brubadour nicht in der Rückblende? Keineswegs, obwohl Blunschi einen Moment mit der Antwort zögert: «Melancholie ist nichts Schlechtes», sagt er, der sich selbst nicht als melancholisch bezeichnet. Im Vordergrund steht die Reflexion, das Verarbeiten und Etwas-Neues-Entstehenlassen. «Die Musik kann helfen, mit dem klarzukommen, was auf der Welt abgeht.» Dabei werde er nicht sentimental. «Die Dinge nehmen, wie sie sind», mahnt er, denn das «Früher war alles besser» bringe nichts. Hier drückt seine Erfahrung als Lehrer doch etwas durch: «Ich kann den Leuten nur zuhören, die Lösung müssen sie selbst finden.» Blunschi liebt es, an seinen kleinen Konzerten mit dem Publikum zu reden.

Blunschi hadert nicht

Eine weitere Zeile lautet: «Ich stehe zu dem, was aus mir geworden ist!» Das kann er auch, denn Blunschi hat seine Chancen im Leben gepackt. Er ist aus dem Studium ins Schulegeben gelangt und unterrichtete zuerst an einer Oberstufe, später an Sekundarschulen und in der Lehrerausbildung. «Schule ist für mich Beziehungsarbeit», erklärt er. Mit Menschen zu arbeiten, gefällt ihm. Mit jüngeren Menschen tauscht er sich heute noch gerne aus. Womit wir bei seiner zweiten grossen Leidenschaft wären, dem Basketball. In Jugend + Sport-Kursen hat er über Jahrzehnte die Trainerausbildung im Spiel mit dem grossen Ball geprägt. Blunschi amtete sogar als Assistenztrainer der Schweizer Nationalmannschaft. «Es ist spannend, was man mit durchschnittlichen Leuten erreichen kann, wenn die Gruppe funktioniert!», resümiert er aus seinen Erfahrungen.

Gitarre und Ukulele hängen griffbereit an einer Wand, das Klavier steht daneben, und im Keller hat er sich ein komplettes kleines Studio eingerichtet. Ein ehemaliger Schüler ist mittlerweile Profimusiker und unterstützt ihn mit Tipps und Tricks – nicht nur technisch, sondern auch beim Gitarrespielen. Mittlerweile musizieren sie regelmässig einmal die Woche. Musik ist auch auf Platten, CDs und Kassetten zu finden. «Ich höre nicht nur digital», schmunzelt er. Blunschi lebt nach mehreren Jahren in England und über 30 Jahren in Basel nun wieder in seiner Heimat Reinach, in seinem Elternhaus, das er übernommen und nach seinen Bedürfnissen umgebaut hat. Sein Grossvater war Gemeinderatspräsident und sein Vater Einwohnerratspräsident. Er selbst interessiere sich zwar für Politik, sei aber nie aktiv eingestiegen.

Mit Leidenschaft verfolgt Blunschi nun seine Musik und führt einen digitalen Notizblock, den er mit Gedanken und Stichworten füllt. Lieder hat er in wenigen Tagen oder einer Woche komponiert. Nach kleineren Konzerten im Freundes- und Bekanntenkreis sollen nun grössere folgen wie an Dorffesten. Auf seiner Website kann ein Ohr voll genommen werden:

brubadour.com

«Es sind Gefühle, wie ich die Welt sehe. Ich reflektiere über Dinge, die ich sehe.»

Weitere Artikel zu «Reinach», die sie interessieren könnten

«Die Massnahmen waren eine Zumutung»: Gemeindepräsident Ferdinand Pulver erklärt, weshalb sie dennoch nötig waren. Foto: Archiv / Tobias Gfeller
Reinach22.04.2026

Positive Aussichten trotz Millionendefizit

Die Rechnung 2025 der Gemeinde Reinach schliesst besser ab als budgetiert. Der Verlust beträgt 3,6 Millionen Franken. Budgetiert wurde ein Defizit von 7…
Engagiert für Reinach: Leiterin Kursgruppe Sibylle Menassé und Präsident Lukas Schreiervom Verein AGLR Lebendiges Reinach. Foto: Florin Bürgler
Reinach15.04.2026

AGLR-Jubiläum: Seit 50 Jahren engagiertgegen Reinach als Schlafstadt

Der Verein AGLR Lebendiges Reinach feiert sein 50‑Jahr-Jubiläum. Beim Tag der offenen Tür im Leimgruberhaus konnte ein Blick hinter dieKulissen des heutigen…
Kümmert sich um Dachs, Reh und Co.: Jagdaufseher Marc Weber. Foto: Fabia Maieroni
Reinach08.04.2026

Er ist da, wo sich Fuchs und Dachs gute Nacht sagen

Marc Weber ist Jagdaufseher von Reinach. Das Wochenblatt hat ihn auf den Spuren der Wildtiere im Siedlungsgebiet begleitet.