Positive Aussichten trotz Millionendefizit
Die Rechnung 2025 der Gemeinde Reinach schliesst besser ab als budgetiert. Der Verlust beträgt 3,6 Millionen Franken. Budgetiert wurde ein Defizit von 7 Millionen Franken.

«Durch die Sparmassnahmen haben wir Zeit gewonnen.» So fasst Gemeindepräsident Ferdinand Pulver (FDP) die Jahresrechnung 2025 kurz und knapp zusammen. Die im Frühjahr 2025 durch den Gemeinderat ergriffenen Sparmassnahmen hätten ihr Ziel erreicht. Die verspätete Öffnung des Gartenbads, die Streichung des Ferienpasses und der 1.-August-Feier haben vielen Reinacherinnen und Reinachern aufs Gemüt geschlagen. Pulver ist dies auch gut ein Jahr danach bewusst. «Die Massnahmen waren eine Zumutung, aber sie waren notwendig und haben gewirkt», resümiert er. «Wir haben dadurch viel Spielraum für die Finanzstrategie 2027 gewonnen.»
Durch die ergriffenen Sofortmassnahmen und die sistierten oder aufgeschobenen Investitionen konnten insgesamt knapp 5,6 Millionen Franken eingespart werden. Auch dadurch resultierte für das vergangene Jahr «nur» ein Defizit von 3,6 Millionen Franken. Budgetiert war ein Minus von 7 Millionen Franken.
Mehrkosten bei der Spitex
Da Reinach in Sachen Steuerkraft innerhalb des Kantons Baselland zurückgefallen ist, fiel die Abgabe in den horizontalen Finanzausgleich mit 3,95 Millionen Franken deutlich tiefer aus als angenommen, was im Bereich Finanzierung zu einer Verbesserung um gut 2 Millionen Franken führte. Positiv zu Buche schlugen die Steuereinnahmen durch Privatpersonen. Diese fielen um fast 1,5 Millionen Franken höher aus als budgetiert.
Von 18 bewilligten Globalbudgets wurden 13 eingehalten. Bei fünf Bereichen kam es zum Teil zu deutlichen Überschreitungen von insgesamt gut 2,1 Millionen Franken. Die grösste Überschreitung betraf den Bereich Gesundheit mit einem Mehrbedarf von über 1,2 Millionen Franken. Den grössten Anteil an den Mehrkosten machte der ambulante Bereich mit mehr Spitexleistungen aus. Auch im Kindes- und Erwachsenenschutz sowie bei der familienergänzenden Betreuung gab es Budgetüberschreitungen. Besonders schmerzhaft sind die Steuermindereinnahmen bei den juristischen Personen. Diese fielen gleich um vier Millionen Franken geringer aus als budgetiert. Als Grund nennt die Gemeinde die früher angefallenen Auswirkungen der Steuerreform (STAF) auf eidgenössischer Ebene. Diese von der Schweizer Stimmbevölkerung 2019 gutgeheissenen Steuersenkungen für Unternehmen treffen Reinach zu einem Zeitpunkt, in der die lokale Wirtschaft gemessen an den Steuereinnahmen bereits in einer schwierigen Situation steckt. «Das ist eine Baustelle und reicht für Reinach nicht», sagt Gemeindepräsident Pulver. Trotz der negativen Zahlen sieht Pulver noch ungenutztes Potenzial beim Wirtschaftsstandort Reinach. «Da müssen wir irgendwie eine Dynamik hinbekommen.» Gerade im Kägenquartier müsse eine infrastrukturelle Erneuerung stattfinden. Bis sich Verbesserungen bei den Steuereinnahmen durch juristische Personen der Gemeinde Reinach zeigen, dauere es aber Jahre, mahnt Pulver.
«Der Plan geht auf»
Nach Bekanntgabe der Jahresrechnung blickt der Reinacher Gemeindepräsident zuversichtlich in die Zukunft. «Die grösste Chance von Reinach ist das Bevölkerungswachstum.» Alleine im vergangenen Jahr zogen netto 300 Personen zusätzlich nach Reinach. Das bringe langfristig Steuermehreinnahmen.
Nach den ergriffenen Sofortmassnahmen im Frühjahr 2025, der vom Einwohnerrat abgesegneten Steuererhöhung im Dezember und der aufgelegten Finanzstrategie 27 sieht Pulver die Gemeinde auf gutem Weg. «Der Plan geht auf. Der Gemeinderat hat Verantwortung übernommen.» Die Botschaft von Pulver ist klar: Nun obliege es dem Einwohnerrat, ebenfalls Verantwortung zu übernehmen und die für die Umsetzung der Finanzstrategie 27 notwendigen Einsparungen vorzunehmen.


