Nachfolge fürs Milchhüsli gesucht

Die regionalen Produkte sind beliebt, die Stammkundschaft ist da – und der Inhaber des Milchhüsli ist ein richtiges «Original». Doch dieser möchte seinen Laden nun verkaufen.

An der Käsetheke: Ali Özsönmez ist immer für ein Spässchen zu haben. Foto: Fabia Maieroni
An der Käsetheke: Ali Özsönmez ist immer für ein Spässchen zu haben. Foto: Fabia Maieroni

Ali Özsönmez steht am Eingang und begrüsst eine ältere Dame mit Rollator. Jeden Tag komme sie hierher: «Heute kaufe ich zwei Orangen», sagt sie und lächelt dem Inhaber des Ladens zu. Dieser umarmt sie und drückt ihr einen Kuss auf die Wange – «das ist Ali», sagt die Frau schmunzelnd und läuft weiter zur Waage.

«Das ist Ali» höre ich an diesem Freitagmorgen öfters. Der Laden ist gut besucht, viele Reinacherinnen und Reinacher kennen den Inhaber, sind per Du mit ihm. «Wir haben viele Stammkunden», sagt Özsönmez zufrieden, während er an der Kasse ein Schwätzchen hält und gleichzeitig ein paar Eier und Käse tippt. Besonders für Letzteren ist das Milchhüsli bekannt. Die Fonduemischung wird in Reinach laufend neu zubereitet und verkauft sich gut: «Davon gehen mehrere Tonnen pro Jahr über den Ladentisch», sagt Özsönmez. Unterstützung kriegt der Inhaber von Martina Meury, die bereits seit 21 Jahren im Milchhüsli arbeitet – schon bei den Vorgängern Maria und Josef Leu. «Sie ist das bekannte Gesicht, die gute Seele hinter der Käsetheke», sagt Özsönmez. Meury lacht und freut sich über das Lob. Die Zusammenarbeit im Laden sei sehr gut, betont sie.

Währenddessen betritt ein älterer Mann den Laden, begrüsst Ali und lässt sich einen Kaffee aus der Maschine raus. Die steht gleich neben der Kasse, zwei Stühle laden zum Verweilen ein. «Das Milchhüsli ist eben auch ein Treffpunkt. Die Kunden kennen mich, ich mache gerne einen Spass und plaudere mit ihnen», sagt Özsönmez und ergänzt, die Kundschaft sei für ihn wie eine zweite Familie geworden. Dann zieht er zum Beweis sein Handy hervor und zeigt Fotos von Kundinnen und Kunden, von deren Kindern und ihm.

Özsönmez bietet auch Hauslieferungen an, sofern es seine Auslastung zulässt: «Extrawünsche sind erwünscht» sei sein Motto. Das sei schon in seinem Restaurant so gewesen, erklärt er. Özsönmez betrieb vor der Übernahme des Milchhüsli das Restaurant Münch in Münchenstein. «Ich habe meinen Köchen immer gesagt, der Kunde ist König. Wenn jemand Saltimbocca mit Pommes möchte, dann kriegt er das, auch wenn es auf der Karte mit Risotto steht.» Davor war er fünfzehn Jahre lang Türsteher im Sommercasino Basel und in der Kaserne: «Da habe ich einiges erlebt», sagt er und zeigt Bilder von sich mit den Rappern von Brandhärd. Sogar in einem ihrer Musikvideos kommt er vor.

Eine neue Ära soll beginnen

Die «Formel» für das Milchhüsli scheint passend: ein humorvoller Inhaber, regionale Produkte und aussergewöhnliche Käsesorten. Der Laden scheint beliebt, zumindest an jenem Freitag. Dennoch gibt es einen Haken: denn Özsönmez möchte das Milchhüsli verkaufen. Trotz vieler Stammkunden sei es für den kleinen Laden an der Hauptstrasse zunehmend schwierig, gegen die grossen Detailhändler mit den orangen Schriftzügen anzukommen, erklärt er. Noch mehr aber ist es die Selbstständigkeit, die dem Inhaber zusetzt. «Ich möchte die Verantwortung nicht mehr tragen, sondern wieder als Angestellter arbeiten», erklärt er.

Dass ihm dieser Schritt nicht leichtfallen wird, ist ihm anzusehen. So hat Özsönmez denn auch Ansprüche an seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin: «Er oder sie muss das Inventar kaufen und weiterhin regionale hochwertige Produkte verkaufen», sagt er. «Das Konzept sollte übernommen werden. Ich möchte nicht, dass das Milchhüsli zu einem klassischen Türkenladen wird», sagt er lachend – er, der selbst türkische Wurzeln hat.

Özsönmez ist eben «anders», wie er selbst betont. Die Kundschaft, die an diesem Freitag im Laden ist, würde sich wohl wünschen, «ihr Ali» würde seinen Entscheid nochmals überdenken.

Weitere Artikel zu «Reinach», die sie interessieren könnten

Enormer Ehrgeiz: Mirjam Caviezel hat chronische Schmerzen und dennoch den ersten Platz geholt. Hier posiert sie nach ihrem Sieg in Polen mit einem Physiotherapeuten, der ihr geholfen hat, ihre Verspannungen zu lösen.Foto: ZVG / Polish Table Football
Reinach07.10.2026

Trotz ständiger Schmerzen an die Spitze

Mirjam Caviezel aus Reinach ist die aktuelle Nummer 1 der Weltrangliste im Tischfussball (ITSF) der Seniorinnen-Kategorie (+50). Im Gespräch mit dem Wochenblatt…
Mosten für Reinach: Die Buurezunft verarbeitet Äpfel aus Aesch.  Fotos: Fabia Maieroni
Reinach30.09.2026

Frisch ab Presse: So entsteht der Reinacher Most

Am Monatsmarkt in Reinach erlebten die Besuchenden, wie aus einer Tonne Äpfel Hunderte Liter feiner Most wird. Die Buurezunft veranstaltet das Schaumosten seit…
Gemeinsam: Soziale Aktivitäten zeichnen den Ski-Club Reinach aus. An der letzten Flohmarkt-Ausgabe posieren die beiden OK-Mitglieder Ulrich Greub (hintere Reihe, 4. v. links) und rechts daneben Marc Freisowie alle Helferinnen und Helfer.  Foto: Casp
Reinach23.09.2026

Es hat sich ausgetrödelt: Abschied nach 32 Jahren

Am Samstag hat der Ski-Club Reinach zum letzten Mal zu seinem traditionellen Flohmarkt eingeladen. Damit geht ein Stück Flohmarkt-Geschichte zu Ende.