Sehnsucht nach dem Zentrum
Am sechsten «Zämme rede» der CVP Reinach wurde aus verschiedenen Sichtweisen über das fehlende Dorfzentrum Reinachs diskutiert.

Tobias Gfeller
Das Podium am Montagabend war bunt gemischt. Urs Welten, Präsident der Vereinigung «Pro Innerstadt Basel», Astrid Loquai, Leiterin der Stadtentwicklung Lörrach und die evangelisch-reformierte Pfarrerin von Reinach, Florence Develey, diskutierten über das fehlende Dorfzentrum von Reinach. Ist dieses überhaupt realisierbar und wenn ja, was muss dafür unternommen werden?
Alle drei konnten zu Beginn in einem Referat ihre Arbeit vorstellen und ihre Sicht aus ihrer Position auf das Thema darlegen.
Welten liess sich die Möglichkeit nicht nehmen, das Produkt «Pro Innerstadt» zu loben. Die einzelnen Geschäfte stehen in enger Konkurrenz zueinander und buhlen um die Gunst der Kundschaft.
Um den Detailhandel zu stärken, brauche es sowohl den Langsamverkehr aus Fussgängern und Velofahrern wie auch die Autofahrer, die nahe an die Fussgängerzonen heran parkieren können. Seiner Wohngemeinde Reinach riet er deshalb, den Detailhandel zu fördern und ihn keinesfalls aus der Gemeinde zu verbannen. «Sonst könnte man Reinach gleich schliessen. Die Leute müssen nicht nur hier wohnen, sondern auch im Dorf verweilen und einkaufen.»
«Nicht 1:1 umwälzbar»
Astrid Loquai zeigte anhand der Innenstadt Lörrachs auf, was mit grösseren Investitionen und Bestrebungen alles möglich ist. Lörrach hat seine Innenstadt revitalisiert und so beleben können. Im Zentrum stehen dabei die Plätze entlang der Nord-Süd-Achse, die «aufgepeppt» wurden.
Alt Regierungsrätin Elsbeth Schneider, die als Zuhörerin im Publikum sass, mahnte aber zugleich, dass das Beispiel Lörrach nicht 1:1 auf Reinach umgewälzt werden kann. «Die politischen Entscheidungswege in Deutschland sind viel kürzer als in der Schweiz. Dort entscheidet ein Gremium, was gemacht wird und was nicht.» Schneider sprach damit die langjährigen Planungen Reinachs für eine Aufwertung der Hauptstrasse an. Immer wieder wurden diese Unterfangen durch Einsprachen und Widerstände gebodigt.
Gemeinde stellt Hardware
In einem lebhaften Statement äusserte sich Pfarrerin Florence Develey zu ihren Wünschen und Vorstellungen, damit Reinach lebendiger wird. «Ein Zentrum ist mehr als Geschäfte, Parkplätze und Verkehr.» Es brauche Flair in der Gemeinde. «Doch Flair macht nicht nur die Architektur aus, sondern die Leute, die da sind.» Mit verschiedenen, teils sehr persönlichen Ideen und Vorschlägen zeigte sie als Reinacher Einwohnerin auf, wo vielleicht bei vielen anderen auch der Schuh drückt.
Das Publikum diskutierte lebhaft mit. Gemeinderat Stefan Brugger, zuständig für die Mobilität in der Gemeinde, warb für den Plan des Gemeinderates, über den im ersten Halbjahr 2012 an der Urne entschieden wird. «Es ist die Aufgabe der Gemeinde, die Hardware zur Verfügung zu stellen. Doch es liegt dann an der Bevölkerung und dem Detailhandel, was daraus gemacht wird.»


