Ruedi Mäder: «Für politisches Geplänkel hat es in diesem Amt keinen Platz»

Nach elf Jahren im Einwohnerrat übernimmt Ruedi Mäder für das neue Amtsjahr das Präsidium der obersten Reinacher Behörde, die sich mit der Umsetzung der Reinacher Reform neu ausrichten muss.

Das Schul- und Bildungswesen wird Reinach in Zukunft stark beschäftigen: Der neu gewählte Einwohnerratspräsident Ruedi Mäder vor dem Sekundarschulhaus Bachmatten.  Foto: Lukas Hausendorf
Das Schul- und Bildungswesen wird Reinach in Zukunft stark beschäftigen: Der neu gewählte Einwohnerratspräsident Ruedi Mäder vor dem Sekundarschulhaus Bachmatten. Foto: Lukas Hausendorf

Lukas Hausendorf

Er habe nie ein höheres Amt angestrebt, sagt Ruedi Mäder. Der 60-jährige Sozialdemokrat ist seit dem 1. Juli als Einwohnerratspräsident der höchste Reinacher. Seine politische Laufbahn begann 1994, als er in den Schulrat nachrückte, in den Einwohnerrat wurde der Reinacher mit Berner Wurzeln dann im Jahr 2000 gewählt. Dass er politisch Karriere gemacht hat, möchte Mäder aber nicht hören. «Eine Karriere ist wunderbar, aber nichts, woran man sich in einer kalten Nacht wärmen kann», zitiert er Marilyn Monroe. Trotzdem sei das Amt eine Ehre, ganz unbestritten. «Jede Ehre ist aber mit Pflichten verbunden», betont er. Für diese Pflicht ist er nun auch beruflich kürzergetreten. Seine leitende Position bei der SBB hat er abgegeben, seine Seniorität ist weiterhin gefragt, die er für Spezialaufgaben und Beratung dem Unternehmen zur Verfügung stellt. Für das Einwohnerratspräsidium brauche es Zeit, die wolle er sich auch geben, erklärt er. Die wird er vor allem benötigen, um die Geschäfte der 40-köpfigen Behörde vorzubereiten. An den Debatten und Diskussionen selbst wird Mäder hingegen als «Zeremoniemeister» eine passive Rolle spielen. Einmischen darf er sich dann nicht mehr. Zusammen mit der Vizepräsidentin Ruth Schaller, die er als offene und ehrliche, aber auch bestimmte Persönlichkeit beschreibt, muss er sich auf die Leitung der Geschäfte des Rats konzentrieren.

Der Rat muss anders denken
Mäder übernimmt das Präsidium des Einwohnerrats in einer Zeit, in der sich die Behörde neu ausrichtet und in neuen Schemen zu denken beginnen muss. Die Reinacher Reform, die unter seiner Vorgängerin Desirée Lang formell abgeschlossen wurde, muss nun gelebt werden. Der Einwohnerrat muss sich in Zukunft mehr um die strategische Planung als das operative Geschäft kümmern. Die strategischen Sachpläne, die er verabschieden wird, werden eine mehrjährige Laufzeit haben und dem Gemeinderat und der Verwaltung mehr Spielräume öffnen. «Das gibt mehr Verbindlichkeit und eine bessere Planungs-
sicherheit», ist er überzeugt. Jetzt müsse man wirkungsorientiert funktionieren und nicht mehr finanzgesteuert. Das sei sowieso ein «Chabis» gewesen, diese kurzfristige Planung auf ein Jahr hinaus, sagt Mäder, der sich von der Reform auch mehr Kontinuität erhofft. Strategische Planung ist etwa bei der Bevölkerungsentwicklung gefragt. Reinach hat nur noch wenige Landreserven und muss sich überlegen, wie die Bevölkerung wachsen oder stabil gehalten werden kann. Zurzeit steht die Entwicklung des Brühl zur Debatte, wo ein Quartier für bis zu 1000 Menschen realisiert werden könnte. «Wohnen wäre dort sinnvoll», meint Mäder, der selbst in der Nähe zu Hause ist.

Grossbaustelle Bildungswesen
Einer der grössten Brocken – mindestens finanzieller Art –, die Reinach in naher Zukunft beschäftigen werden, ist das Schulwesen. Die Übernahmen der Sekundarschulbauten durch den Kanton stehen an, die Einführung von Harmos. Eine Zentralisierung der Musikschule wird im Dorf auch vom Einwohnerrat gewünscht und Mittagstische fehlen. Für die Sekundarschulbauten werde man nicht mehr viel Geld lösen können, glaubt Mäder. Die ganze Geschichte mit der Kantonsübernahme ist in seinen Augen ein Trauerspiel, das sich nun mehr als zehn Jahre hinweggezogen hat. Die Gemeinde müsse sich nun aber Gedanken machen über die Infrastruktur. Das ist auch der Bereich, der den Einwohnerrat in Zusammenhang mit Harmos tangiert. Zum Beispiel wie Platz geschaffen werden kann für das zusätzliche Primarschuljahr. Für den Herbst hat der Gemeinderat dazu eine Gesamtbetrachtung versprochen. Aber eben: In die Debatte kann sich Mäder dann nicht mehr einmischen. Er muss sich mit seiner Vizepräsidentin Ruth Schaller im Einwohnerratsbüro um die Vorbereitung der Geschäfte kümmern. «Da geht es um die Sache, für politisches Geplänkel hat es da keinen Platz.»

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