Reinach pflanzt und sät – für mehr Biodiversität

Ein Vortrag über die aktuelle Notlage der Schweizer Biodiversität lockte am Montagabend rund 60 Interessierte in die Aula des Fiechten-Schulhauses. Eingeladen hatte der Verein für Natur- und Vogelschutz Reinach.

Engagiert: Der Vorstand des Vereins für Natur- und Vogelschutz Reinach mit Rednerin Dr. Franziska Wloka (4. v. l.). Foto: Florin Bürgler
Engagiert: Der Vorstand des Vereins für Natur- und Vogelschutz Reinach mit Rednerin Dr. Franziska Wloka (4. v. l.). Foto: Florin Bürgler

Die Tonaufnahme eines rufenden Vogels eröffnet den Abend. Nach wenigen Sekunden wird der Name vom offensichtlich fachkundigen Publikum bereits erraten: ein Steinkauz. Rednerin Dr. Franziska Wloka führt aus: «Wer diesen Vogel heutzutage hört, kann sich glücklich schätzen.» Galt der Steinkauz mit seinen mysteriösen nächtlichen Rufen früher als «Totenvogel», kann man sich heute wohl eher freuen, wenn man ihn zu hören bekommt. «1950 gab es über 800 Steinkäuze, während es im Jahr 2000 noch knapp 60 Tiere waren», erklärt Wloka, die als Projektleiterin für Ökologische Infrastruktur bei BirdLife tätig ist.

Der Steinkauz sei aber keine Ausnahmeerscheinung, womit wir auch schon beim Kernthema des Vortrages sind. Mehr als ein Drittel der Arten und rund die Hälfte aller Lebensräume seien in der Schweiz bedroht oder gefährdet, erklärt Wloka und fragt in die Runde: «Wie viel Prozent der Schweizer Landesfläche sind Schutzgebiete?» Auch hier hat das gut informierte Publikum die richtige Antwort parat: «Knapp unter 10 Prozent.» Die Schweiz ist damit europaweites Schlusslicht – führend ist Luxemburg mit über 50 Prozent geschützter Fläche.

Lob für das Engagement des Reinacher Vereins

Auch in Bundesbern erkannte man das Problem und lancierte dazu im Jahr 2012 die «Strategie Biodiversität». Diese sei grundsätzlich sehr gut, komme aber nur schleppend voran, meint Wloka. So wurde das Ziel, eine «ökologische Infrastruktur» aufzubauen, von ursprünglich 2020 auf das Jahr 2040 nach hinten verschoben. Deswegen sei es umso wichtiger, dass man sich im Kleinen auf Gemeindeebene einsetze. Die Reinacher Heide steche dabei als grosses Positivbeispiel hervor. Doch es bestehe weiterhin grosses Potenzial und es würde sich beispielsweise lohnen, regelmässig den Zonenplan mit der Realität zu vergleichen, meint Wloka: «Nur weil irgendwo vor acht Jahren mal Bäume angedacht waren, heisst das noch lange nicht, dass diese mittlerweile auch gepflanzt worden sind.» Es brauche auch den Druck aus der Bevölkerung.

Hier setzt der Reinacher Verein für Natur- und Vogelschutz an. Federführend ist Präsident und passionierter Feld-Ornithologe Fabio Di Pietro. «Wir vertrauen nicht auf den Bund oder den Kanton, sondern gehen die Dinge im Kleinen an, fast schon guerillamässig», meint der 57-Jährige schmunzelnd. Der Verein zählt rund 200 Mitglieder und existiert schon seit über 80 Jahren. Immer wieder konnten kleine Erfolge erzielt werden. Di Pietro erzählt von einem aktuellen Projekt: «Wir engagieren uns im Gebiet Rüttenen, zwischen dem Leywald und dem Schlattfeld. Dort konnten wir bereits über 120  Obstbäume setzen.» Dafür heimste man auch während des Vortrages ein Lob von Rednerin Wloka ein: «Es ist toll, was hier im Verein geleistet wird. Auch gemeindeübergreifend, denn Biodiversität macht an Grenzen nicht halt.»

In zwei Punkten scheinen sich alle ­einig: Auch im Kleinen kann etwas bewirkt werden, und das Ganze muss sofort passieren. Dazu sei vor allem wichtig, das Bewusstsein für das Problem rund um die abnehmende Biodiversität zu erhöhen. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, doch der gut besuchte Vortrag vom vergangenen Montag scheint ein Anfang zu sein.

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