Parkraumbewirtschaftung zeigt Wirkung
Gemeinderat Markus Huber (SP) zieht knapp zwei Jahre nach Einführung ein erstes positives Zwischenfazit zur Parkraumbewirtschaftung. Details werden Anfang 2027 bekannt gegeben.

Seit dem 1. Januar 2025 muss man in Reinach für das Parkieren auf öffentlichen Parkplätzen bezahlen. Das vom Einwohnerrat nach mehreren engagiert geführt Debatten abgesegnete Reglement sieht unter anderem eine Einwohnerparkkarte für 180 Franken und ein Gratisparkieren von nur noch zwei Stunden vor. Mit dem kommunalen Parkierreglement soll das Langzeitparkieren von Auswärtigen – darunter vor allem Pendlerinnen und Pendler – entlang der ÖV-Linien, in Quartieren und in Gewerbezonen gestoppt werden. Die Parkplätze sollen primär den Reinacherinnen und Reinachern, Besuchern und Konsumentinnen zur Verfügung stehen. Nach 21 Monaten in Betrieb zieht der verantwortliche Gemeinderat Markus Huber ein positives Zwischenfazit: «Schon bald nach der Einführung haben wir festgestellt, dass mehr Parkplätze frei bleiben, da mehr Wechsel auf den Parkfeldern stattfinden. Es hat definitiv weniger Pendlerinnen und Pendler, die in Reinach auf Allmend parkieren.»
Ärger übers digitale Bezahlen
Das oberste Ziel der Parkraumbewirtschaftung sei damit erreicht worden, bilanziert Huber zufrieden. Die Bewirtschaftung der Parkplätze soll das Parkieren lenken, nicht die Gemeindekasse sanieren, versicherte der Gemeinderat in den Debatten im Einwohnerrat. Ziel sei nach wie vor «eine schwarze oder rote Null», wie es Huber formuliert. Ob dies gelingt, ist offen. Zu genauen Zahlen und Ergebnissen wird der Gemeinderat Anfang 2027 gegenüber dem Einwohnerrat offiziell in einer Vorlage Stellung nehmen.
In den ersten Monaten nach Einführung der Parkraumbewirtschaftung hagelte es aus der Bevölkerung Kritik an der Digitalisierung des Parkierens. Die Parkkarten sowie das kurzfristige Parkieren können an den meisten Standorten nur noch per Handy bezahlt werden. Dafür braucht man Twint oder spezielle Parkierapps. Mit Münz kann man nur noch auf grösseren Parkplätzen bezahlen. Huber kann den Ärger über das für einige Personen herausfordernde Prozedere nachvollziehen. «Wir haben in den ersten drei Monaten Beratungen auf der Gemeindeverwaltung angeboten. Das wurde sehr gut angenommen.» Mit dem digitalen Prozedere wird das Parkieren auf die Minute genau abgerechnet. Es komme nicht mehr vor, dass man zu viel oder zu wenig bezahle, erklärt Huber. Auch Fragen zum Datenschutz kamen auf. «Die implementierte Lösung wurde aber sowohl betreffend Datenschutz als auch betreffend Datensicherheit und Löschung der Daten extern überprüft und für gut befunden», betont Huber.
Betrüger überkleben QR-Codes
Der Ärger über das digitale Bezahlen habe sich in der Zwischenzeit mehrheitlich gelegt. Grund für den Verzicht auf klassische Parkuhren seien die Kosten gewesen. «Solche Münzautomaten müssen sicher sein und sind entsprechend teuer. Wir wollten die Parkraumbewirtschaftung möglichst schlank aufgleisen», erklärt Huber.
Das digitale Bezahlen lockte in Reinach wie in anderen Gemeinden Betrüger an. Sie überklebten beispielsweise die QR-Codes bei den Parkplätzen, die einen auf dem Handy zu den Bezahlwebsites leiten sollten, mit «falschen» Codes zu gefälschten Websites. Diese gleichen den echten Parkierapps und den Websites, wodurch Nutzerinnen und Nutzer das Gefühl bekommen, sie seien auf der richtigen Seite, und ihre Kreditkartendaten eingeben. Die Gemeinde informierte in den amtlichen Nachrichten über das betrügerische Vorgehen. Personen, die parkiert haben, erhalten betrügerische E-Mails, in denen sie aufgefordert werden, ihre angeblich noch nicht beglichenen Rechnungen zu bezahlen. Huber rät, bei den QR-Codes immer gut hinzuschauen, ob sie überklebt worden sind. «Es ist wie überall im Internet: aufmerksam und vorsichtig sein, gerade wenn man zu einer Zahlung aufgefordert wird.»
Die Gemeindepolizei kontrolliere die QR-Codes bei den Parkfeldern auf ihren Routinerundgängen. Huber ist nach wie vor von der digitalen Umsetzung überzeugt. «Das wird die Zukunft des Parkierens sein. Wir werden schon jetzt von anderen Gemeinden angefragt, wie wir dies umgesetzt haben.»
Mit der Einführung der Parkraumbewirtschaftung war die Polizei zu Beginn auch mit Kontrollen stark beschäftigt. Gemäss Huber wurden in den bisherigen 21 Monaten deutlich mehr Parkbussen ausgestellt als vor der Einführung gedacht. Auch wurden bisher weniger Einwohnerparkkarten gelöst, als die Gemeinde geschätzt hatte. «Es scheint, als hätten es ein paar Parkierende darauf ankommen lassen, ob wirklich kontrolliert wird.» Festgestellt hat die Gemeinde aber auch, dass Private auf ihren Parzellen mehr Parkmöglichkeiten mit Carports oder leer geräumten Garagen erstellt haben, um das Auto nicht mehr auf Allmend abstellen zu müssen.


