Es hat sich ausgetrödelt: Abschied nach 32 Jahren

Am Samstag hat der Ski-Club Reinach zum letzten Mal zu seinem traditionellen Flohmarkt eingeladen. Damit geht ein Stück Flohmarkt-Geschichte zu Ende.

Gemeinsam: Soziale Aktivitäten zeichnen den Ski-Club Reinach aus. An der letzten Flohmarkt-Ausgabe posieren die beiden OK-Mitglieder Ulrich Greub (hintere Reihe, 4. v. links) und rechts daneben Marc Freisowie alle Helferinnen und Helfer.  Foto: Casp
Gemeinsam: Soziale Aktivitäten zeichnen den Ski-Club Reinach aus. An der letzten Flohmarkt-Ausgabe posieren die beiden OK-Mitglieder Ulrich Greub (hintere Reihe, 4. v. links) und rechts daneben Marc Freisowie alle Helferinnen und Helfer. Foto: Caspar Reimer

«Weine nicht, wenn etwas zu Ende geht. Sondern sei dankbar, dass du es erleben durftest!» Mit diesem rührenden Spruch, der übrigens verschiedenen Schriftstellern zugeschrieben wird, verabschiedet der Ski-Club Reinach seinen seit 1994 stattfindenden Flohmarkt: Am letzten Samstag fand auf dem Schulhausplatz Fiechten die letzte Ausgabe statt. «Einerseits ist die Konkurrenz im Flohmarktwesen gross geworden, andererseits bedeutet die seit 2025 geltende Parkplatzbewirtschaftung zusätzliche Kosten, was viele Aussteller abschreckt», sagt Ulrich Greub. Er ist Mitbegründer sowie Ehrenpräsident des Ski-Clubs Reinach und bildet mit Vorstandsmitglied Marc Frei das OK des Flohmarkts, der während 32 Jahren jeweils einmal im Frühling und einmal im Herbst zum Trödeln und Schmökern einlud.

Auch an dieser letzten Ausgabe gab es wieder viel zu entdecken: So etwa die Igelfiguren Micki und Mecki der Firma Steiff aus den 1950er-Jahren, Bausätze aus dem Star-Wars-Universum sowie allerlei Kuriositäten, welche Anlass boten, die Vergangenheit aufleben zu lassen. «Früher war es hier um die Mittagszeit gerammelt voll», sagt Greub, während er mit einer ausladenden Geste über den Platz fährt. Zwar sind am vergangenen Samstag durchaus Flohmarktfreunde zum Schulhaus Fiechten gepilgert, doch von Dichtestress kann keine Rede sein. «Irgendwann rechnet es sich für uns als Verein einfach nicht mehr, einen solchen Anlass durchzuführen.» In seinen mehr als drei Jahrzehnten habe der Flohmarkt viele Menschen geprägt und begleitet, wie Frei ausführt: «Es ist wie eine Familie. Viele, die heute gekommen sind, bedauern es natürlich sehr, dass wir aufhören.» Mit der Aufgabe des Flohmarktes breche in Reinach «wieder etwas Soziales weg».

Gegründet als Ski-Club der Postwagenführer

Mit über 200 Mitgliedern gehört der Ski-Club Reinach noch heute zu den bedeutenden seiner Art in der Nordwestschweiz. Seinen Ursprung hat der Verein aber als 1979 gegründeter Skiclub der Post-Wagenführer und hiess so entsprechend einfach: Ski-Club Wagenführer. «Es waren Postangestellte aus der Region, die damals beim gemeinsamen Bier auf die Idee kamen, einen Skiklub zu gründen», erzählt Greub, der nicht nur als Mitbegründer, sondern auch als langjähriger Präsident sowie Vizepräsident den Verein geprägt hat. Das Vorhaben zeitigte einen bombastischen Erfolg: Mit mehr als 800 Mitgliedern war der Ski-Club Wagenführer einer der grössten Skiklubs der Schweiz. «Anfangs waren wir einfach ein Klub für die Post-LKW-Chauffeure. Als wir uns aber für andere öffneten, stellte sich die Frage nach der Finanzierung eines so grossen Vereins. So kamen wir auf die Idee, einen Flohmarkt ins Leben zu rufen», erinnert sich Greub. Die Zeiten änderten sich, Poststellen wurden geschlossen und mit ihnen verlor der klassische Wagenführer an Bedeutung. «Weil die meisten Leute sich heute unter Wagenführer nichts mehr vorstellen können, änderten wir den Namen 2015 in Ski-Club Reinach», erzählt Frei.

«Wir werden weiterhin Traditionen pflegen und sie weitergeben»

Die ersten Jahre fand der Markt bei der damaligen Poststelle Surbaum, wo der Club sein Lager hatte, statt. «Dort gab es aber Schwierigkeiten, weil Nachbarn sich etwa an den Autos der Aussteller störten, welche Parkplätze beim Coop besetzten», erinnert sich Greub. So zügelte der Flohmarkt zum Schulhaus Weiermatten, wo man viele Jahre blieb. «Einmal gab es einen Sturm, der das ganze Zelte wegriss», erzählt der Ehrenpräsident. Als aber der Parkplatz den Containern der Schulraumprovisorien weichen musste, zog man zum Schulhaus Fiechten. Auch wenn mit dem Flohmarkt eine Geschichte endet: «Als Verein werden wir weiterhin Traditionen pflegen und sie weitergeben», sagt Frei.

Weitere Artikel zu «Reinach», die sie interessieren könnten

Die Hauptattraktion: Für Schwindelfreie war das Riesenrad ein Riesenspass. Fotos: Seraina Oppliger
Reinach16.09.2026

Impressionen der AGIR: hoch hinaus, persönlich vernetzt

Das Warten hat ein Ende: OK-Präsidentin Daniela Vorpe und Einwohnerratspräsident Christoph Stähli schneiden das Band durch – die AGIR ist eröffnet. Foto: Fabia Maieroni
Reinach16.09.2026

Der persönliche Austausch bleibt zentral

Die Ausstellung Gewerbe und Industrie Reinach (AGIR) zog am Wochenende Zehntausende Menschen auf das Fiechtengelände.
Freiwillige im Einsatz: Der Hopfen wird von Hand geerntet. Fotos: ZVG
Reinach09.09.2026

Reinacher Hopfengarten: Hier wächst das, was dem Bier seinen Geschmack gibt

In Reinach wächst Hopfen, der von der Brauerei Unser Bier verarbeitet wird. Doch der Ertrag fällt heuer kleiner aus: Der extreme Hitzesommer hat den…