Frisch ab Presse: So entsteht der Reinacher Most
Am Monatsmarkt in Reinach erlebten die Besuchenden, wie aus einer Tonne Äpfel Hunderte Liter feiner Most wird. Die Buurezunft veranstaltet das Schaumosten seit Jahrzehnten.
Eine Tonne Äpfel liegt am Dienstag auf dem Ernst-Feigenwinter-Platz in Reinach in Kisten bereit. Das auserlesene Obst aus Aesch wird heute zu frischem Most verarbeitet. Bereits um halb 8 Uhr morgens hat die Buurezunft Reinach mit den Arbeiten begonnen. Im Einsatz stehen an diesem Tag 15 Mitglieder der Buurezunft. Einige von ihnen schneiden angeschlagene Stellen an den Äpfeln weg, der brauchbare Rest landet zur Weiterverarbeitung in einem Kessel. Die guten Äpfel wandern weiter zur Ballonpresse. Diese presst mittels Druckluft den Saft aus dem Obst. «Übrig bleibt der Apfeltrester, der früher zu Schnaps verarbeitet wurde. Jetzt wird er an Kühe verfüttert», weiss Zunftmeister Alex Stalder. Wir dürfen den frisch gepressten Saft probieren. Er schmeckt äusserst süss. «Die Ernte war gut dieses Jahr», so Stalder.
Nachdem der Saft gesiebt worden ist, wird er abgefüllt – entweder direkt als Frischsaft oder pasteurisiert. Das Verfahren sorgt dafür, dass der Most länger haltbar ist. Zwischen 500 und 700 Litern Most werden aus der einen Tonne Äpfel gewonnen. Die Besucherinnen und Besucher des Monatsmarktes können dabei zusehen, wie der frische Saft aus den Äpfeln gewonnen wird.
Wer will, kann auch selbst Hand anlegen: Die Mostpresse der Museumskommission steht dafür extra zur Verfügung. «Besonders Kinder freuen sich, wenn sie selbst mosten dürfen», sagt Stalder, während er vorführt, wie die Presse funktioniert.
«Wer Zeit hat, hilft beim Mosten»
Die Maschinen, mit denen die Buurezunft mostet, gehören ihren Mitgliedern. «Getreu unserem Motto ‹mir wei zämme ha› tragen wir alle etwas bei», erklärt Stalder. Rund 50 Mitglieder hat die Zunft derzeit. «Wer Zeit hat, hilft beim Mosten.»
Während wir beim Mosten zuschauen, streikt plötzlich die Ballonpresse. Mit etwas Gefühl und Know-how kommt sie bald wieder in Schwung. Ein leichtes Aufatmen ist zu hören – der Most fliesst wieder. Die erfahrenen Helfer sind schnell und füllen Eimer um Eimer. Ob sie schon lange dabei seien, wollen wir wissen. «Eigentlich nicht, erst seit etwa zehn Jahren», sagt einer der beiden Moster schmunzelnd.
In der Tat ist das Schaumosten eine deutlich ältere Tradition. Wie viele Jahrzehnte die Zunft dieses schon anbietet, das weiss niemand mehr so genau. «Jedenfalls lange», sagt Stalder und lacht. Der Erfolg gibt der Buurezunft recht: Der Most ist beliebt und die Verkäufe liefen gut, sagt Stalder. Der Erlös kommt wiederum der Zunft zugute. Damit will sie auch künftig Bestrebungen zur Erhaltung alter Bräuche und Sitten unterstützen. Und damit dürfte der Mosttag auch im nächsten Jahr gesichert sein.










