Ohne Bürgerinnen und Bürger wäre die Gesellschaft ärmer

«Einen Moment bitte» – In seinem neusten Buch zeigt der Reinacher Historiker René Salathé auf, warum die vor über 125 Jahren von den Ur-Reinachern verurkundete Bürgergemeinde für Reinachs Zukunft wegweisend ist.

Hommage an die Bürgergemeinde: Bürgerrat Jürg Feigenwinter, Autor René Salathé, Gestalterin Ursula Stolzenburg und Bürgergemeindepräsident Peter J. Meier präsentieren die Geschichte der Bürgergemeinde Reinach.  Foto: Bea Asper
Hommage an die Bürgergemeinde: Bürgerrat Jürg Feigenwinter, Autor René Salathé, Gestalterin Ursula Stolzenburg und Bürgergemeindepräsident Peter J. Meier präsentieren die Geschichte der Bürgergemeinde Reinach. Foto: Bea Asper

Bea Asper

Die Bürgergemeinde, ein alter Zopf, also abschneiden? Vor über zwanzig Jahren hätte sich Peter J. Meier möglicherweise dazu bewegen lassen. Heute befürworte aber der Bürgerratspräsident mehr denn je den Erhalt der Bürgergemeinde, sagte Meier, der zusammen mit seinen Kollegen vom Bürgerrat vergangenen Samstagmorgen zur grossen Buchvernissage in den Zunftsaal des Heimatmuseums einlud. Zeitgleich war das Stadtfest bereits im Gang – im Festzelt nebenan etwa sang Bo Katzman mit dem Publikum schon ein erstes «Hallelujah» –, viele Reinacher erschienen trotzdem und geizten nicht mit Komplimenten für das Werk, das inhaltlich und gestalterisch alle Erwartungen übertrifft.

René Salathé, Historiker und Mitherausgeber der Baselbieter Kantonsgeschichte, ist es gelungen, das Interesse für die Errungenschaften der Bürgergemeinde zu wecken und ihre Bedeutung für die Gesellschaft aufzuzeigen. Die Bürgergemeinde hat alte Bräuche am Leben erhalten oder förderte früh das Fussballspiel: Mit einer Waldrodung schafften die Bürger vor hundert Jahren Platz für Reinachs erstes Fussballfeld. Doch auch das Häxehüüsli in der Reinacherheide oder in unmittelbarer Nähe der Campingplatz ist das Werk der Bürger.

In all diesen Taten, kommentierte Meier, widerspiegle sich der unbezahlbare Wert der Bürgergemeinde: «Sie ist Garant dafür, dass in echtem Sinn nachhaltig und nicht profitorientiert gewirtschaftet wird», führte Meier aus. «Bürgergemeinden sind lebensnotwendig, wenn wir langfristig unsere Gesellschaft und unsere Natur erhalten wollen.» Denn die Bürger fühlten sich verantwortlich für Güter, die weder allen noch dem anonymen Staat gehören, sondern einer überschaubaren Zahl.

Meier, Feigenwinter, Kury, Bieglin …
René Salathé ging zusammen mit dem Bürgerrat auf Spurensuche. Sie fanden die Ur-Reinacher Bürgerfamilien («Meier, Feigenwinter, Kury, Bieglin, Kilchherr, Grellinger, Schweizer …»), sie zeigen im Buch den Seltenheitswert von Ortsbürgern, die Bedeutung der Waldbewirtschaftung auf und schlagen den Bogen zum heutigen Einbürgerungsverfahren mit Statistik und in unterschiedlicher Optik. Autoren und Gestalterin Ursula Stolzenburg investierten ihren hohen Vorgaben entsprechend viel Zeit in das Buch. Alleine schon das Lesen aller Protokolle von mehr als einem Jahrhundert habe Zeit in Anspruch genommen, erklärte Salathé, und so erschien diese Hommage zwischen zwei Buchdeckeln erst zwei Jahre nach dem 125-Jahr-Jubiläum, das die Bürgergemeinde Reinach 2013 feiern konnte.

Partner, keine Rivalinnen
Anerkennende Worte bekommt die Bürgergemeinde auch mit dem Geleitwort des Präsidenten der Einwohnergemeinde Urs Hintermann: «Die Bürgergemeinde leistet heute einen unentbehrlichen Beitrag zur Attraktivität Reinachs.» Viele Einrichtungen für die Freizeitgestaltung sowie Anlässe hätten eines gemeinsam: «Sie sind auf Land der Bürgergemeinde errichtet worden, wurden von ihr initiiert oder auch heute noch von ihr organisiert und getragen.» Hintermann fügte an: «Bürgergemeinde und Einwohnergemeinde sind keine Rivalinnen, sondern ergänzen sich in ihren Aufgaben und Tätigkeiten.» Er sei froh um das Engagement der Bürgergemeinde. Ohne die Kulturveranstaltungen im Bürgerhaus etwa wäre Reinach «ein Stückchen ärmer».

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