Neue Lösung für die Kunststoffsammlung

Nach dem Postversuch können die Plastiksäcke ab Juni neu zu Jost Trans- port AG gebracht werden.

Entsteht beim Recycling: Granulat aus Plastikabfall. Foto: zVg
Entsteht beim Recycling: Granulat aus Plastikabfall. Foto: zVg

Postboten, die nicht nur Pakete bringen, sondern auch Kunststoffflaschen und Getränkekartons abholen – dieser Pilotversuch sorgte im Frühling 2021 über Reinach hinaus für Aufsehen. Wie die Gemeinde Reinach diese Woche mitteilt, endet dieses Pilotprojekt mit dem laufenden Monat – die Säcke können aber noch bis Ende Juni der Post mitgegeben werden. ob und in welcher Form diese bequeme Dienstleistung in Zukunft angeboten wird, ist noch offen.

Das vorläufige Ende des Plastikboten bedeutet jedoch nicht, dass die Reina­-che­rinnen und Reinacher auf ihrem Kunststoff sitzen bleiben: «Eine private Anschlusslösung wurde mit der Jost Transport AG, dem Betreiber des Recycling-Parks Reinach, gefunden», sagt Marc Briand, Geschäftsführer der Inno Recycling AG. Das Unternehmen hat sich schweizweit öffentlichkeitswirksam auf die Sammlung von Kunststoff spezialisiert und auch das Politprojekt mit der Post lanciert.

Ab dem 1. Juni kann die Bevölkerung die kostenpflichtigen Sammelsäcke «Bring Plastic back» bei der Jost Transport AG beziehen – eine 10er-Rolle 35-Liter-Säcke kostet 18.80 Franken. «In diesen Säcken können zusätzlich zu den Flaschen und Getränkekartons, die im Recycling-Bag gesammelt werden konnten, auch sämtliche Haushaltskunststoffe wie Joghurtbecher, Folien aber auch Eimer und Blumentöpfe gesammelt und im Recycling-Park abgegeben werden», so Briand. Bei «Bring Plastic back» handle es sich um ein «nachhaltiges, nationales Sammelsystem, das bereits in 17 Kantonen vertreten ist.» Dabei arbeitet die Inno Recycling AG mit lokalen Partnern zusammen, damit «die Wertschöpfung in der Region bleibt».

In den letzten 40 Jahren hat sich der Kunststoffverbrauch weltweit verzehnfacht, hierzulande wird eine Million Tonnen Plastik pro Jahr verbraucht. Die Schweiz ist zwar Weltmeisterin im Recycling von PET, doch bei den restlichen Kunststoffen sieht die Bilanz mager aus – 80 Prozent davon landen noch immer im Abfall.

Damit sind längst nicht nur Getränkeflaschen gemeint, denn fast jedes Produkt ist in Kunststoff verpackt – vom Jog­hurtbecher über den Salatbeutel bis zur Kosmetikflasche.

Geschäfte mit Abfall

Unternehmen wie die Inno Recycling AG rennen bei Gemeinden und Bevölkerung offene Türen ein: «Kunststoff ist in unserer Gesellschaft ein notwendiges Übel und viele Menschen sind froh, wenn der Kunststoff nicht verbrannt, sondern recyclelt wird», sagt Briand. Anfang dieses Monats sorgte allerdings der im Schweizer Fernsehen ausgestrahlte «DOK»-Film «Das Recycling-Märchen» für Aufruhr: Demnach handle es sich beim «Recycling» um ein grünes Mäntelchen der Industrie. In Wahrheit würden Plastikabfälle durch Europa verschifft und in armen Ländern entsorgt – so die Kurzform. Die Inno Recycling AG hat sich bereits zum Dokumentarfilm geäussert: «Auch wir sind betroffen über die Vorgänge und distanzieren uns klar von solchen Geschäften. Der Bericht stellt keinen Bezug zur Kunststoffsammlung in der Schweiz her, trotzdem möchten wir klar Stellung beziehen: Solche Vorgänge sind in der Schweiz unvorstellbar. Es ist gesetzlich verboten, Siedlungsabfall ins Ausland zu exportieren.»

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