Mit viel Groove ins neue Jahr

Am letzten Sonntag war die Einwohnerschaft von Reinach zum traditionellen Neujahrsapéro geladen. Gemeindepräsident Urs Hintermann begrüsste vor allem die Neuzugezogenen. Eine Band heizte ein.

Funky: Die Musiker von «Brass Department» wussten den anwesenden Gästen des Neujahrsapéros zu gefallen.  Foto: Thomas Brunnschweiler
Funky: Die Musiker von «Brass Department» wussten den anwesenden Gästen des Neujahrsapéros zu gefallen. Foto: Thomas Brunnschweiler

Thomas Brunnschweiler

Zunächst fielen die weissen und blauen Luftballone ins Auge, welche den Gemeindesaal säumten. War das nur ein Symbol für das Stadtwappen oder gab es noch einen anderen Verwendungszweck? Urs Hintermann lüftete das Geheimnis erst am Schluss. Zuerst begrüsste er die Gemeindebehörden und stellte die Gruppe «Brass Department» vor, die für die musikalischen Intermezzi sorgte. Die seit 2011 existierende Brass Band, die normalerweise im Dutzend auftritt, brillierte mit Jazz-Standards, Funk, Hip-Hop und dem Dschungelbuch-Ohrwurm «Probiers mal mit Gemütlichkeit». Bei dem mitreissenden Groove wunderte man sich nicht, dass «Brass Department» neun Tage an der Expo in Mailand auftreten konnte.

Gute und verwirrende Zeiten

In seiner Neujahrsansprache überraschte Urs Hintermann wohl manchen, da er von 2015 als einem guten Jahr und «guten Zeiten» sprach. Es gebe heute wesentlich weniger Hunger als vor 25 Jahren, die Kindersterblichkeit und die Zahl der Malariaerkrankungen seien gesunken. Noch nie hätten so viele Kinder Zugang zur Bildung gehabt, auch für die Schweiz gebe es mit der sinkenden Jugendgewalt Positives zu berichten.

Diese Fakten stünden im Gegensatz zur allgemeinen Wahrnehmung, die von Terroranschlägen, Flüchtlingselend und einer verkehrten Wirtschaft geprägt sei. Hintermann sprach daher auch von «verwirrenden Zeiten». Gerade die Verunsicherung rufe Stimmungsmacher auf den Plan. «Wir lehnen aus Unsicherheit Neues und Fremdes reflexartig ab und verklären die Vergangenheit», so Hintermann.

Bleistift-Skizze statt Holzschnitt

Ändern müsse sich in der Politik die Darstellung der Probleme. Politik solle nicht holzschnittartig sein, sondern sich an Bleistift-Skizzen orientieren, die man ständig korrigieren und weiterentwickeln könne. «Dieses Denken ist wenig spektakulär», so Hintermann, «Kompromisse haben etwas Langweiliges … Alleswisser und Erlöser haben es da einfacher.» Hintermann plädierte für eine pragmatisch-konstruktive Politik und warnte vor ideologischen Lösungen. Es gelte, Eigenverantwortung und Selbstbestimmung zu fördern. Zudem müsse Politik Betroffene beteiligen statt ausgrenzen. Der politischen Kultur sei Sorge zu tragen, Wirkung müsse vor Effekt stehen. Er appellierte an die Anwesenden, ihre politischen Rechte zu nutzen und die Kandidierenden bei einer Wahl kritisch zu prüfen. Natürlich war dies ein allgemeiner Hinweis auf das Wahljahr 2016. Am Schluss konnte man die Luftballone mit individuellen Wünschen zum Jahr steigen lassen.

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