Mischeli-Center: Negativspirale dreht sich weiter – Ausweg wird gesucht

Als eines der ersten Einkaufszentren der Schweiz erlebte das Mischeli-Center goldene Zeiten, heute aber kämpft es um Anerkennung und Kundschaft.

Der nächste Abgang: Die Sutter-Begg-Filiale im Mischeli-Center schliesst im Juni seine Türen.  Foto: Heiner Leuthardt
Der nächste Abgang: Die Sutter-Begg-Filiale im Mischeli-Center schliesst im Juni seine Türen. Foto: Heiner Leuthardt

Heiner Leuthardt

Vielleicht haben Sie es schon bemerkt: Das Mischeli – eines der ältesten Einkaufs-Center in der Schweiz – erhielt eine Verjüngungskur!» Dieser Satz steht auf der Website des Mischeli-Centers (www.mischeli.ch). Doch die baulichen Massnahmen, wie etwa die Schliessung der Mall mit Glaswänden, so dass im Winter dem Besucher der kalte Wind nicht mehr um die Ohren pfeift, wurden kaum bemerkt. Einen Besucherandrang wie zu Gründerzeiten, als an Wochenenden die Securitas den Verkehr regelte und bei der Portierloge ein Angestellter für Ordnung sorgte, sind Geschichte. Heute ist das Portenfenster durch Blech ersetzt, Verkehrsregler braucht es keine mehr, obwohl der Migros, Denner die Apotheke Liechti, ein Coiffeurgeschäft mit Nagelstudio, ein Kiosk sowie ein Gastronomiebetrieb im Mischeli tätig sind.

Erstaunt, enttäuscht
In der Krise steckt das Center schon länger. Die Reihe von Geschäftseröffnungen und Schliessungen ist lang. Ein Beispiel: Ein kurzes Gastspiel gab 2013 die NKD-Kette. Kaum eingerichtet, war schon wieder Schlussverkauf. Im Juni dieses Jahres wird auch der Sutter Begg seine Mischeli-Filiale schliessen.

Erstaunt und enttäuscht, dass sie schon bald kein Brot und keine Backwaren mehr beim Sutter Begg kaufen kann, ist Ute Gasser, Präsidentin von kmu Reinach. «Ich bedaure die Entwicklung. Der Sutter Begg ist kmu-Mitglied und gehört zu uns nach Reinach.» Früher habe das Geschäft noch herausgestuhlt. Da hätten sich die Leute getroffen, einen Kaffee getrunken, ein solcher Treffpunkt im Mischeli fehle heute, so Gasser. Das benachbarte Restaurant lade kaum zum Verweilen ein.

Die Schliessung der Sutter-Begg-Filiale bedauert auch die Präsidentin der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde, Bianca Maag. Von einem rege genutzten Center würde das ganze Quartier und die Kirchgemeinde mit ihrem neuen Kirchgemeindehaus profitieren – und umgekehrt. «Mehr Leute im Mischeli bringen auch mehr Leute in unser Begegnungszentrum.»

Suche nach dem optimalen Mix
Die Besitzerin der Liegenschaft, die Realstone SA aus Lausanne, kennt die Problematik und will das Mischeli attraktiver gestalten. «Derzeit laufen Gespräche und Planungen, die 2014 abgeschlossen werden sollen», erklärt Hans- Peter Jacobi von der H&B Real Estate AG, der die Liegenschaft verwaltet. Vor allem bestehe die Absicht, einen optimalen Mix an Läden und Gastronomie zu erreichen. Die aktuellen Anbieter, allen voran Migros und Denner, wolle man halten. Mit der Umgestaltung der Verkaufsfläche, unter Einbezug der neu gestalteten Niederbergstrasse, sollen für alle gute Rahmenbedingungen geschaffen werden. Wo nötig, in Zusammenarbeit mit der Gemeinde.

Reinach hat viel mehr Potenzial
Dies bestätigt Gemeindepräsident Urs Hintermann. «Die Neugestaltung der Niederbergstrasse wird umgesetzt, sobald die Baustelle der Kirchgemeinde beendet ist.» Zugleich betont er, dass die aktuellen und früheren Liegenschaftsbesitzer vieles für das Mischeli gemacht hätten. Den Wegzug des Sutter Beggs bedauert auch er. «Jeder Laden, der weggeht, macht es für die anderen noch schwieriger. Grundsätzlich setzt sich die Gemeinde für möglichst ideale Rahmenbedingungen für die Geschäfte ein.» Damit stösst sie aber an Grenzen. «Viele Reinacher kaufen nicht hier ein. Aber wenn ein Angebot verschwindet, klagen sie», stellt Urs Hintermann fest.

Und: Rekordtief sei, gemessen nach dem Bevölkerungspotenzial, der erzielte Umsatz, den der Detailhandel in ganz Reinach erwirtschaftet. Eine Studie zeige, dass vom Detailhandel rund 200 Millionen Franken jährlich umgesetzt werden könnten, effektiv seien es aber nur 90 Millionen Franken. «Den Grund dafür kennen wir nicht», rätselt Urs Hintermann.

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