Mehr als einfach «Seiligumpe»: Drei Reinacherinnen wollen nach Norwegen
Drei junge Reinacher Sportlerinnen fahren an die Europameisterschaft im Rope-Skipping. Um das Ganze finanzieren zu können, haben sie ein Crowdfunding gestartet.

«Wir würden uns wünschen, dass der Sport in der Schweiz bekannter wird und es mehr Vereine gäbe», sagen Celia Tellenbach und Mailin Leuenberger. Die beiden fahren mit ihrer Kollegin Kaja Deiss im August an die Europameisterschaft im Rope-Skipping nach Norwegen. «Und wir wollen nicht immer erklären müssen, was es ist», ergänzen die beiden mit einem Schmunzeln. Zudem: «Es wäre schön, wenn dann nicht alle lachen, wenn wir es einfach mit ‹Seiligumpe› erklären», fügen sie an.
Denn wer diese Sportart mit den Hüpfversuchen auf dem Pausenplatz in seiner Schulzeit vergleicht, liegt komplett falsch. So treten die drei in der Disziplin «Double Dutch Single Freestyle» an. Zwei Schwingerinnen halten die Enden von zwei langen Seilen und schwingen sie gegengleich durch die Luft. Die Dritte, die Springerin, springt in der Mitte eine Choreografie, die zur gewählten Musik passt. Eine Minute und 15 Sekunden muss die Darbietung dauern. Wer nur schon mit dem gewöhnlichen «Seiligumpe» Mühe hat, kann sich vorstellen, was das an Koordination und Präzision benötigt. Daher sind die drei jungen Sportlerinnen schon fleissig am Trainieren.
Kreative Elemente undfliessende Übergänge
Sie wählen gemeinsam eine Musik aus und achten auf die Akzente der Lieder. «Wo passt welcher Trick?», fragen sie sich beim Choreografieren. Dabei nehmen sie kreative Elemente und kombinieren diese, damit fliessende Übergänge entstehen. «Wenn wir eine coole Idee haben, versuchen wir diese einzubauen», sagt Leuenberger. Dann wird so lange abgeändert, bis es passt.
«Wir sind ein eingespieltes Team und kennen die Stärken und die Schwächen der anderen», bestätigen die beiden unisono. Alle drei sind seit mehreren Jahren sowohl Athletinnen als auch Trainerinnen bei den Rynach Skippers. Die 22-jährige Tellenbach engagiert sich zusätzlich im nationalen Verband Rope Skipping Swiss und war 2023 bereits an der Weltmeisterschaft in den USA dabei. Für die beiden 17-Jährigen ist der internationale Wettkampf – die Europameisterschaft in Norwegen – Neuland, entsprechend aufgeregt blicken sie auf das, was auf sie zukommen wird. Die drei Reinacherinnen messen sich noch in drei weiteren Kategorien mit der europäischen Elite: Im «Double Dutch Speed Sprint» werden ebenfalls durch zwei Schwingerinnen die Seile geschwungen, die Springerin springt abwechselnd mit dem rechten und dem linken Bein 60 Sekunden lang. Dabei werden die Sprünge des rechten Beines gezählt – wer am meisten absolvieren kann, gewinnt.
Im «Single Rope Pair Freestyle» springen Leuenberger und Tellenbach mit je einem Einzelseil eine synchrone Choreografie zu Musik. Die Darbietung dauert ebenfalls eine Minute und 15 Sekunden. «Wir machen dabei Tricks mit den Armen unter den Beinen oder hinter dem Rücken. Ausserdem bauen wir akrobatische Elemente wie ein Rad, einen Rondat oder eine Rolle ein», erläutert Tellenbach.
Als Letztes treten Deiss und Leuenberger im Double Under Relay an: Beide springen dabei 30 Sekunden nacheinander und versuchen, so viele Doppelsprünge wie möglich zu erreichen. Während die Springerin aufspringt, schwingt das Drahtseil zweimal unter deren Füsse durch.
Um effektiv nach Norwegen zu gelangen, haben die Rope-Skippers ein Crowdfunding gestartet, um wenigstens die Kosten für Unterkunft, Reise und Startgelder finanzieren zu können. Einen kleinen Wunsch hätten sie schon noch: Rope-Skipping soll olympisch werden. Aber erst steht mal noch die EM an.


