Trotz leerer Kassen: Reinach kriegt einen neuen Stadtpark

Der alte Friedhof im Ortskern wird zur Erholungsfläche für alle, gemäss den Wünschen der Bevölkerung. Dafür muss die Gemeinde keinen Steuerrappen ausgeben.

Wird zum Stadtpark umgebaut: Der alte Friedhof im Reinacher Dorfkern. Foto: Archiv / Kenneth Nars
Wird zum Stadtpark umgebaut: Der alte Friedhof im Reinacher Dorfkern. Foto: Archiv / Kenneth Nars

Reinach hat kein Geld. Seit einigen Jahren schreibt die Grossgemeinde tiefrote Zahlen, die Aussichten sind trotz Steuererhöhung nicht rosig. Daher ist seit einiger Zeit eisernes Sparen angesagt. Akribisch überprüft der Gemeinderat jede Ausgabe auf ihre Notwendigkeit. Nur etwas gönnt sich Reinach jetzt trotz aller Sparanstrengungen: einen neuen Stadtpark. Aus dem alten Friedhof soll ein öffentliches Naherholungsgebiet werden.

Die Grünanlage mit alten Bäumen und Mauern ist sehr zentral gelegen, aber etwas versteckt. In Zukunft soll sie der Bevölkerung zur Erholung zur Verfügung stehen. Gleichzeitig soll sie angesichts des Klimawandels für Frische sorgen, zudem will man die Biodiversität pflegen. Diese drei Ziele entsprechen den Wünschen der Bevölkerung, die die Gemeinde in einer ausführlichen Mitwirkung eruiert hat. Eigentlich ist ein solches Vorhaben typisch «nice to have», eine klamme Gemeinde müsste selbstredend darauf verzichten.

Kompotoi statt WC

Das Besondere am Reinacher Stadtpark ist aber: Es braucht dafür kein Steuergeld. «Keinen einzigen Rappen», wie Gemeindepräsident Ferdinand Pulver (FDP) betont. Finanziert wird die Umgestaltung nämlich über den Fonds für Infrastrukturbeiträge. Dieser wird angehäuft durch Abgaben von Bauherren, die Quartierpläne erstellt haben. Sie sollen damit die Aufgaben abgelten, die der Gemeinde durch die zusätzliche Verdichtung entstehen. Im Reinacher Fonds befinden sich derzeit über 2,8 Millionen Franken.

Wie viel der Stadtpark kosten soll, ist noch unklar. «Auch das Geld aus dem Infrastrukturfonds ist Cash, auch hier ist Sparsamkeit angesagt», betont Pulver. Deshalb sollen die allermeisten Arbeiten so weit möglich von Mitarbeitenden der Gemeinde übernommen werden. Weil diese nicht permanent zur Verfügung stehen, dauert die Umgestaltung zwei Jahre – länger, als wenn durchgehend daran gearbeitet würde. Positiv wirkt sich zudem aus, dass die Bevölkerung sich eine «behutsame Umgestaltung» wünscht, wie Pulver sagt. Die vielen alten Bäume, die ökologisch wertvollen Wiesenflächen, schützende Mauern, gepflasterte Wege, Brunnen und Skulpturen sollen erhalten bleiben. Und was stehen bleibt, verursacht kaum Kosten.

Um weiter zu sparen, verzichtet man auf kostspielige Infrastruktur wie ein festes WC, das 17000 Franken kosten würde. Ein Kompotoi muss reichen. Und vor allem möchte der Gemeinderat die Möblierung fremdfinanzieren lassen. Für die Sitzbänke, Liegen, Tisch-Bank-Kombination und den Bücherschrank sucht er derzeit Sponsoren. Mit einigen tausend Franken fällt das finanziell nicht gross ins Gewicht, hat aber vor allem symbolischen Charakter.

«Reinach braucht jetzt diesen Park»

«Es gibt in Reinach Firmen und Private, die sich verdankenswerterweise mitverantwortlich fühlen dafür, was im öffentlichen Raum geschieht», erklärt Pulver. Bei der Gestaltung des Feigenwinterplatzes hat die Gemeinde neulich positive Erfahrungen mit Sponsoring gemacht. Im Stadtpark hat sich bereits eine Bank bereit erklärt, das Erstellen einer Boule-Bahn zu unterstützen.

Dass der alte Friedhof zum Park werden soll, steht seit vielen Jahren im kommunalen Zonenplan. Dabei wäre die zentrale Lage eigentlich ideal zum Überbauen, etwa mit Wohnungen. Doch dieser Versuchung erlag in Reinach niemand – trotz angespannter Finanzlage. «Reinach braucht jetzt diesen Park, ich habe auch in der Mitwirkung nie etwas anderes gehört», sagt Pulver. Für ihn ist der umgestaltete Friedhof nicht zuletzt eine Antwort auf den Verdichtungsschub, den Reinach in den vergangenen Jahren durchgemacht hat. Insbesondere im Zentrum würden öffentliche Grünflächen fehlen. «Dort jetzt zu roden und zu bauen, dafür fände man keine Mehrheiten.»

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