«Landsgemeinde» im Zelt

Die 125 Jahre junge Bürgergemeinde Reinach feierte ihr Jubiläum mit einer «Landsgemeinde» auf der Banntagswiese. Auch Petrus feierte mit, und wie!

Abstimmung unter dem Zeltdach: Impression aus der Jubiläumsversammlung der Bürgergemeinde Reinach.  Foto: Heiner Leuthardt
Abstimmung unter dem Zeltdach: Impression aus der Jubiläumsversammlung der Bürgergemeinde Reinach. Foto: Heiner Leuthardt

Drückend war das Klima am Donnerstag letzter Woche, die Wolkendecke zeigte sich bedrohlich dunkel. Es kam, wie es nicht hätte kommen müssen: Genau in der Zeit, als sich 130 Reinacher Bürger zur Banntagswiese aufmachten, um dort die 125-Jahr-Jubiläums-Bürgergemeindeversammlung abzuhalten, die in Form einer «Landsgemeinde» stattfinden sollte, begann es zu schütten. Bürgergemeindepräsident Peter J. Meier muss wohl ein Kribbeln in der Nase gehabt haben, weil er Kollege Petrus nicht traute. Er liess glücklicherweise ein Zelt aufstellen, sodass alle trocken blieben.


«Vorübergehend abwesend»

Der prasselnde Regen erinnerte Peter J. Meier aber auch an das eindringende Wasser im Keller des Bürgerhauses, das seit geraumer Zeit der Bürgergemeinde Probleme bereitet. Daher blickte er lieber zurück ins Jahr 1888, als die Bürgergemeinde Reinach gegründet wurde. «Damals gab es 129 bewohnte Häuser und 186 Haushaltungen und es lebten 992 Personen im Dorf.» Dabei seien bei der Zählung 5 Personen als «vorübergehend abwesend» registriert worden. Aufschlussreich ist, dass das Dorf von den Reinacher Bürgern dominiert worden ist, betrug ihr Anteil doch 686 Personen. Weiter lebten 40 Bürger anderer Baselbieter Gemeinden und 215 Schweizerbürger aus anderen Kantonen hier. Recht bescheiden war mit 51 Personen der Anteil an Ausländern. Spannend ist ebenfalls die Aufteilung nach Konfessionen. Demnach lebten vor 125 Jahren 87 Protestanten, 901 Katholiken und 4 Angehörige anderer Konfessionen in Reinach.


Im Archiv gestöbert

Peter J. Meier genoss das Stöbern in den damaligen Protokollen, zumal er allerhand «köstliche Berichte» entdeckte, wie etwa den Vermerk zur Bürgerratssitzung vom 9. Dezember 1938: «Vom Verlesen des Protokolls wird Umgang genommen, da der Schreiber sein Glas nicht bei sich hat.» Damit war nicht sein Trinkglas gemeint, bitte sehr! Dabei hätte der Schreiber das Malheur leicht vermeiden können, konstatierte der Bürgergemeindepräsident, weil es die Kontaktlinsen ebenfalls seit 125 Jahren gebe. Zum Glück hatte die heutige Schreiberin Kathrin Beck keine derartigen Probleme und konnte das Beschlussprotokoll der letzten Bürgergemeindeversammlung mit scharfem Blick verlesen.


Einbürgerungen, Ertragsüberschuss

Der sorgfältigen Prüfung standgehalten hatten 45 Einbürgerungskandidatinnen und -kandidaten, die Bürgerrat Jürg Feigenwinter vorstellte. Sie alle wurden mit grossem Mehr eingebürgert. Von einer erfreulichen Rechnung 2012 konnte Finanzchef Thomas Leimgruber berichten, schloss sie doch bei einem Gesamtertrag von 956 247 Franken mit einem Ertragsüberschuss von 7104 Franken ab. Gut verlief auch das erste Jahr der neuen Kulturverantwortlichen, Daniela Grieder.

Grund zum Strahlen hatte zudem Jasmin Amann, deren Ballon beim Ballon-Wettflug zur Eröffnung des Leyhuus am weitesten flog. Marianne Koch und Heidi Jeker folgten auf den weiteren Plätzen. Zum Ausklang genossen die Anwesenden den Apéro riche, begleitet vom Auftritt der Tympanic Jazzband. Ach ja, natürlich tröpfelte auch Petrus munter mit.

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