Eine Erfolgsgeschichte für Natur und Mensch

Nach fast 40 Jahren brütete 2023 in der Nordwestschweiz erstmals wieder ein Steinkauzpaar. Für die erfolgreiche Rückkehr wurde viel investiert –gerade auch im Birseck.

Guter Indikator für eine artenreiche Kulturlandschaft: der Steinkauz. Foto: Martin Becker / BirdLife.ch
Guter Indikator für eine artenreiche Kulturlandschaft: der Steinkauz. Foto: Martin Becker / BirdLife.ch

Der Steinkauz ist ein Sympathieträger. Das war vor gut zwei Jahren zu spüren, als BirdLife Schweiz die Rückkehr des seltenen Vogels in die Nordwestschweiz bekannt gab. Das Echo war nicht nur bei Fachpersonen gross. Die Webcam, die im Frühjahr 2025 bei einem Nistplatz installiert wurde, stiess auf reges Interesse.

Mitte des letzten Jahrhunderts war der Steinkauz in der Schweiz in Tieflagen rund um die Dörfer noch weit verbreitet. Insbesondere die intensive Landwirtschaft und die bauliche Verdichtung und Ausdehnung setzten dem Steinkauz derart zu, dass er in den 1990er-Jahren in der ganzen Schweiz als kurz vor dem Aussterben galt.

Während über 25 Jahren haben Fachpersonen im Rahmen des trinationalen BirdLife-Steinkauzprogramms auf Schweizer, französischem und deutschem Boden Anstrengungen unternommen, um den Steinkauz zu fördern und zur Ausbreitung zu bewegen, damit er sich wieder dort ansiedelt, wo er einst heimisch war. Die Co-Leitung des Projekts hat seit Jahren der Therwiler Naturschutzbiologe Lukas Merkelbach. Am kommenden Montag berichtet er auf Einladung des Vereins für Natur- und Vogelschutz Reinach im Fiechtenschulhaus über den langen Weg bis zur erfolgreichen Wiederansiedlung und was nötig ist, damit der Steinkauz nachhaltig in der Nordwestschweiz heimisch bleibt.

Steinkäuze sind soziale Lebewesen

2024 und 2025 wurden in der Nordwestschweiz je drei Steinkauz-Brutpaare gezählt. Dass die Ausbreitung nur langsam vorangeht, beweise, dass die Wiederbesiedelung eine grosse Herausforderung war und bleibt, betont Lukas Merkelbach. «Steinkäuze sind soziale Lebewesen, die gerne andere Steinkäuze in der Nachbarschaft haben und deshalb nur selten in unbesiedelte Lebensräume vordringen. Sie bleiben oft in vertrauter Nachbarschaft. Es braucht etwas Glück, dass sich zwei Steinkäuze – ein Männchen und ein Weibchen – an einem neuen Ort treffen und dort gemeinsam ein Revier gründen.» Das langsame Ausbreitungsverhalten vermindere die Dynamik im Raum, erklärt Merkelbach.

Die Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Aargau und Solothurn haben in den über 20 Jahren gemeinsam mit privaten Geldgebern weit über drei Millionen Franken für die Rückkehr des Steinkauzes ausgegeben. Eingesetzt wurden die Gelder vorwiegend für die landschaftliche Aufwertung und Verbesserung möglicher Habitate. Der Steinkauz fühlt sich besonders in Landschaften mit vielen Obstbäumen, Hecken und Tierweiden wohl. «Er braucht Räume, wo er sich verstecken kann», sagt Merkelbach.

Das ganze Jahr heimisch

Von den Anstrengungen für den Steinkauz profitieren gemäss Merkelbach auch andere Tierarten: Der Steinkauz sei ein guter Indikator für eine artenreiche Kulturlandschaft. Schmetterlinge, Fledermäuse, aber auch seltene Vogelarten wie Neuntöter, Gartenrotschwanz, Schwarzkehlchen, Wiedehopf und Dorngrasmücke fühlen sich im Beisein des Steinkauzes wohl. Der Steinkauz bleibt das ganze Jahr hindurch am gleichen Ort. «Er weiss im Winter, wo die letzte Maus wohnt», schmunzelt Merkelbach. Dazu fressen die seltenen Vögel Mäuse, Regenwürmer, grosse Heuschrecken und auch mal einen anderen Vogel.

Mehrere tausend Menschen im Dreiland seien in den vergangenen gut 25 Jahren in irgendeiner Form mit Massnahmen für den Steinkauz in Berührung gekommen, so Merkelbach, der Projektleiter des trinationalen BirdLife-Steinkauzprogramms ist. Um die nötigen Massnahmen in der Landschaft umsetzen zu können, brauche es ein gutes Einvernehmen mit der Landwirtschaft, privaten Landbesitzern, Behörden und Geldgebern. Für jeden Standort werden Konzepte formuliert. Im Birseck seien mehrere Standorte ideal für den Steinkauz. Als Beispiele nennt der Biologe das Gebiet um den Predigerhof auf dem Bruderholz, die Areale Rüttenen in Reinach, zwischen dem Leyhuus und dem Schlatthof in Reinach, wo unter anderem junge Obstbäume gepflanzt wurden, Schürhof/Hollenrain in Aesch und Asp in Dornach. Die bestehenden Brutplätze werden zum Schutz der Steinkäuze geheim gehalten. Merkelbach unterstreicht, dass es weitere Anstrengungen brauche, um den Steinkauz nachhaltig in der Nordwestschweiz wieder heimisch werden zu lassen.

«Steinkauz zurück in der Nordwestschweiz». Vortrag von Lukas Merkelbach. Mo, 17. November, 19 Uhr, Aula Fiechten.

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