Instagram-Videos aus dem Krankenwagen: Rettungsdienst bietet ungewöhnliche Einblicke

Die Rettungsdienste Nordwestschweiz AG intensiviert ihr Engagement in den sozialen Medien und will damit einen fachlichen und persönlichen Bezug zur Öffentlichkeit schaffen. Das Interesse daran ist gross.

Ging viral: die passend zum Einsatzfahrzeug folierte Kaffeemaschine. Foto: Tobias Gfeller

Ging viral: die passend zum Einsatzfahrzeug folierte Kaffeemaschine. Foto: Tobias Gfeller

Taufe: Im vergangenen März wurden vier neue Krankenwagen der Rettungsdienste Nordwestschweiz AG eingeweiht. Foto: zVg

Taufe: Im vergangenen März wurden vier neue Krankenwagen der Rettungsdienste Nordwestschweiz AG eingeweiht. Foto: zVg

Fast 600000-mal wurde das Video über die Vorstellung des Einsatzleitfahrzeugs auf Instagram aufgerufen. Über 14000 Nutzerinnen und Nutzer gaben dem Video ein «gefällt mir». Mit Fotostorys und Videos bietet die Rettungsdienste Nordwestschweiz AG mit Hauptsitz in Reinach der Öffentlichkeit einen Blick hinter die Kulissen. Was zu Beginn der Corona-Zeit mit einem Post auf Facebook über das Innenleben eines Rettungswagens begann, ist mittlerweile ein viel genutzter Dienst in den sozialen Medien, der eine Verbindung zwischen Rettungsdienst und Bevölkerung herstellt.

Das Interesse der Öffentlichkeit an der Arbeit von Rettungsdiensten, Feuerwehren und Polizeicorps ist traditionell gross. Das zeigen die Besucherzahlen bei Übungen und Tagen der offenen Tür. Der zunehmenden Bedeutung des Internets und der sozialen Medien können sich auch diese Organisationen nicht entziehen, wenn sie einen noch intensiveren Kontakt zur Bevölkerung pflegen möchten. Bei der Rettungsdienste Nordwestschweiz AG sei der Input für einen Auftritt auf den Plattformen Facebook und Instagram von Mitarbeitenden gekommen und sei organisch gewachsen, erklärt Rettungsdienst-Leiter Pascal Frank. «Zwei Mitarbeiter, die zur jüngeren Generation gehören, haben sich dessen angenommen und unregelmässig Fotos und Videos veröffentlicht.»

Beiträge gemäss Zielgruppe

Aufgrund des grossen Interesses möchten die Verantwortlichen den Social-Media-Auftritt ausbauen und konzeptionell ein Stück weit professionalisieren. Die Aktivitäten sollen aber weiterhin organisch wachsen, versichert Frank. Anfang Jahr startete die Rettungsdienste Nordwestschweiz AG einen Account auf dem beruflichen Netzwerk LinkedIn. Ziel sei es, erklärt Benjamin Schmidlin, Bereichsleiter Support, die Beiträge den entsprechenden Zielgruppen der Plattformen anzupassen. Auf TikTok werde vorerst verzichtet, damit man sich nicht verzettle und weil die Ressourcen sorgfältig eingesetzt werden sollen. «Wir sind primär immer noch ein Rettungsdienst. Priorität haben unsere Patientinnen und Patienten, denen unsere ganze Aufmerksamkeit gehört», stellt Frank klar.

Nähe und Vertrauen schaffen

Mit den Beiträgen in den sozialen Medien wollen die Verantwortlichen einen noch direkteren Draht zur Bevölkerung schaffen und Einblicke in den Arbeitsalltag gewähren. «Wir möchten das Innenleben des Rettungsdienstes nach aussen tragen, fachlich und persönlich», beschreibt Frank. «Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber den Steuer- und Prämienzahlern und dem Kanton als Auftragsteller.» Für Schmidlin geht es auch darum, dem hohen Ansehen der Rettungsdienste gerecht zu werden. «Die Menschen möchten sich mit uns identifizieren können. Das ist auch uns wichtig.» Mit den Online-Auftritten könnten auch potenzielle Fachkräfte angesprochen werden, betont Schmidlin.

Die Beiträge sollen fachlich eine hohe Qualität haben, dürfen aber auch mit Humor versehen sein. Beim Video über das Einsatzleitfahrzeug gab die vom Hersteller eingebaute Kaffeemaschine in der Kommentarspalte zu reden. Das Video ging daraufhin viral, wovon selbst die Macher der Rettungsdienste Nordwestschweiz AG überrascht wurden.

Die online gepflegte Nähe zur Bevölkerung könne auch bei Einsätzen von Nutzen sein, ist Rettungsdienst-Leiter Frank überzeugt. «Der durch die Beiträge hergestellte persönliche Bezug kann Vertrauen schaffen, das für einen Patienten oder eine Patientin in einer Notlage positiv wirken kann.» Wie weit die Aktivitäten in den sozialen Medien gehen werden, wissen Frank und Schmidlin noch nicht. «Wir haben nicht die Ressourcen, um das so aufzuziehen, wie es grosse Sanitätsorganisationen bereits tun. Wir möchten einfach dem bestehenden Interesse in der Öffentlichkeit nachkommen.» Die beiden Mit-arbeiter, die die Auftritte pflegten, blieben hauptberuflich Rettungssanitäter, sagt Schmidlin schmunzelnd.

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