Hoher Besuch in der WMS Reinach
Der Baselbieter Bildungsdirektor Markus Eigenmann (FDP) stattete am Montag der Wirtschaftsmittelschule (WMS) einen Besuch ab. Ein grosses Thema war die künstliche Intelligenz.

Die Schülerinnen und Schüler der ersten Klasse im Fach Wirtschaft und Recht müssen Vorschläge entwickeln, wie das Absenzenwesen digitalisiert werden könnte. Ausgerüstet mit den eigenen Laptops müssen sie in Gruppen schriftlich Antworten auf die vom Lehrer gestellten Fragen liefern und diese vor der Klasse vortragen. Eine weitere Klasse analysiert im Fach Mathematik quadratische Funktionen anhand der grafischen und schriftlichen Darstellungen. Auch hier findet der Unterricht digital statt. Der Lehrer setzt dabei künstliche Intelligenz (KI) ein. Auch die Schülerinnen und Schüler dürfen und sollen dies gemäss Aufforderung des Lehrers tun.
Regierungsrat Markus Eigenmann hört und sieht in den beiden Unterrichtslektionen gespannt zu. Während die Schülerinnen und Schüler eigenständig Aufgaben lösen, geht der Vorsteher der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) im Schulzimmer umher und blickt den Schülerinnen und Schülern über die Schultern.
Praxis aus der Nähe erleben
Seit seinem Amtsantritt am 1. Januar besucht Eigenmann regelmässig Schulen im ganzen Kanton. Der Schwerpunkt liege auf den Volksschulen, erklärt der ehemalige Arlesheimer Gemeindepräsident im Gespräch mit WMS-Schulleiterin Yvonne Neuenschwander. «Ich versuche bewusst, auch die Schulen auf der Sekundarstufe 2 einzuplanen.» Zu denen gehören neben der WMS die Gymnasien, die Fachmittelschulen (FMS) und die Berufsschulen.
Es sei für ihn wichtig, vor Ort zu sehen, wie der Alltag funktioniert und wo die Befindlichkeiten und Probleme liegen. Eigenmann möchte als Regierungsrat die Praxis aus der Nähe erleben. Dabei wird er unter anderem von Natalie Breitenstein, Leiterin der Dienststelle Berufsbildung, Mittelschulen und Hochschulen in der BKSD, Urs Hofmann, Präsident des KV-Verbands Baselland (kvBL), und Ramon Wartak, Leiter Schulen kvBL, begleitet. Schulleiterin Neuenschwander stellt in einer kurzen Einführung die Wirtschaftsmittelschule vor.
Die WMS ist eine Kombination aus Berufsfachschule und Vollzeitschule. Nach drei Jahren Unterricht folgt ein Praktikumsjahr in einem Betrieb. Nach vier Jahren haben die Schülerinnen und Schüler einen doppelten Abschluss in der Tasche: das eidgenössische Fähigkeitszeugnis (EFZ) Kauffrau/Kaufmann und die Berufsmaturität Typ Wirtschaft. Aktuell besuchen rund 400 Schülerinnen und Schüler die WMS in Reinach.
KI: wo und wie ist der Einsatz sinnvoll?
Neuenschwander schätzt es, dass sich der Regierungsrat für die WMS Zeit nahm. «Ich möchte Markus Eigenmann mitgeben, dass man eine Berufsausbildung auch auf schulischem Weg absolvieren kann, wie das funktioniert und wie wir es erfolgreich umsetzen.» Die WMS sei eine kleine Schule im ganzen System, betonte die Schulleiterin.
Nach der Lektion unterhält sich Eigenmann mit dem Mathematiklehrer über den sinnvollen Einsatz von KI. Das Thema sei zurzeit allgegenwärtig und für die Lehrpersonen auch eine Frage der Identität, erklärte Silvia Roth, Mitglied der WMS-Schulleitung, der Delegation des Kantons. Auch in Gesprächen im Lehrpersonenzimmer in der grossen Pause ist das Thema KI präsent. Wo und wie der Einsatz digitaler Instrumente sinnvoll ist und wo nicht, sei eine Frage, die sich auf jeder Schulstufe stelle, meint Eigenmann. Gerade kaufmännische Berufe seien davon stark betroffen. «Mich beschäftigt die Zukunft des Berufsbildes und welche Tätigkeiten es in Zukunft noch geben wird. Nicht nur beim KV, auch bei Juristen und Ökonomen.»
Teurer, aber gefragt bei den Betrieben
In den vergangenen Jahren geriet die Wirtschaftsmittelschule unter Druck. Vertreter der Wirtschaftskammer Baselland forderten mehrfach eine Schwächung der WMS, indem unter anderem der Zugang eingeschränkt wird. Die WMS als weiterführende Schule sei mitschuldig an der sinkenden Lehrquote. Es finde zurzeit eine Analyse statt zwischen den geleisteten Abschlüssen aus der Berufslehre und der WMS, um Vergleiche und Fakten auf den Tisch zu bekommen und die politische Diskussion zu versachlichen, räumt Eigenmann ein.
«Als Kanton geht es um die Frage, wo man den Bildungsfranken am effektivsten einsetzt.» Für den Staat sei die WMS die teurere Abschlussform im Vergleich zur Lehre, gibt Eigenmann zu bedenken. Bei den Betrieben seien WMS-Abgängerinnen und -abgänger gefragt, bekräftigt der BKSD-Vorsteher die Argumente pro WMS.


