Eine Familie prägt die Reinacher Fasnacht

Dorforiginal René Oser hat die Oserclique gegründet. 75 Jahre später fahren die Nachkommen die Fasnachtsroute mit demselben Traktor ab.

Hat die Reinacher Fasnacht geprägt: René Oser (†). Foto: zVg

Hat die Reinacher Fasnacht geprägt: René Oser (†). Foto: zVg

Fast seit Anbeginn dabei: Die Oserclique, hier bei ihrem 60-Jahr-Jubiläum. Foto: Nicole Nars-Zimmer

Fast seit Anbeginn dabei: Die Oserclique, hier bei ihrem 60-Jahr-Jubiläum. Foto: Nicole Nars-Zimmer

Eine Familienclique gibt es immer mal wieder an einer Fasnacht. Meist ein «Schissdräggziigli», das, solange die Kinder jung sind, existiert. Dass eine Familienclique einen Traktor mit Wagen führt, ist seltener, und noch aussergewöhnlicher ist, dass sie bereits 75 Jahre alt ist. Damals machte sich René Oser zum ersten Mal auf, um zu intrigieren. «1949 war er noch als Einzelmaske unterwegs», erzählt sein Sohn Markus Oser. Ein Jahr später gewann er einen Intrigierwettbewerb, und das unerlaubterweise gleich zweimal. Er hatte am ersten Abend gesiegt und durfte daher am zweiten Abend nicht mitmachen. Er holte ein anderes Kostüm und eine weitere Larve hervor und schlich sich nochmals ein. Er intrigierte sich so zum zweiten Sieg. Später zog René Oser mit seinem Bruder Marcel mit und sie machten mit ihren Handorgeln im Dorf in verschiedenen Beizen Stimmung.

Die Geschichte, die das Dorforiginal René Oser zur Legende machte, dürfte aus dem Jahr 1987 stammen: Ein Basler Lokalradio meldete in seinen Nachrichten, dass die Reinacher Fasnacht «gestorben» sei. Oser reagierte wütend, griff zum Telefon und machte den Redaktoren im Radio klar, dass «wir in Reinach weiter Fasnacht machen». Dem liess er auch Taten folgen. Er rief Gleichgesinnte zusammen, gründete das «Neue Rynacher Fasnachtskomitee» und kurbelte das Fasnachtsgeschehen im Dorf wieder an. Innert einem Monat soll er so die Fasnacht gerettet haben. «Er sammelte Spendengelder, montierte die beliebten Puppen an den Bäumen und motivierte andere zum Mithelfen», schrieb die «Reinacher Zeitung» in einem Porträt über René Oser. Unter anderem war auch ein Plaketten-Graveur begeistert und offerierte dem neuen Komitee die erste Plakette.

Für erfolgreiche Reinacher Fasnachten könnte eine Idee den entscheidenden Ausschlag gegeben haben: Die Strassenfasnacht wurde vom Sonntag auf den Samstag vorverlegt, um die anderen Fasnachten in den umliegenden Gemeinden nicht zu konkurrenzieren. So konnte sich die Strassenfasnacht halten und entwickeln. René Oser wurde darauf zum Ehren­obmann gewählt. Er starb im Januar 2010, also kurz vor seiner geliebten Fasnacht.

Fasnacht im Blut

Sohn Markus Oser hat mit Familie und Freunden den Aufbau des Wagens für dieses Jahr gestartet. «Wir bauen ihn jedes Jahr aus Fertigelementen neu zusammen», erklärt er. Selbstverständlich ist das Jubiläum ein Thema. Bereits macht die dritte Generation mit, dazu kommen Kollegen mit ihren Kindern. Ganz traditionell wird vorne der grüne Bührer-Traktor mit Jahrgang 1953 eingespannt. Markus Oser wird wie sein Vater den Traktor über die Route lenken. «Zwei Eltern machen noch einen Vortrab», freut er sich über Verstärkung. «Mein Vater fährt wie immer auf einem Foto auf dem Wagen mit», ergänzt Oser eine Familientradi­tion.

Apropos Tradition: Zusammen mit seinem Bruder geht Markus Oser am Sonntag nach der Strassenfasnacht ins Altersheim und verteilt Orangen. Dazu spielen sie mit ihren «Örgeli» Musik, wie es auch der Vater schon getan hat. Das Personal sowie auch die Bewohnerschaft im Altersheim hätten eine grosse Freude an der kurzweiligen Unterhaltung. «Damit endet für mich die Fasnacht», meint Markus Oser. Er engagiert sich wie sein Vater im Fasnachtskomitee von Reinach. Dieses hatte vor einem Jahr ebenfalls eine Personalkrise und Oser bot sich zusammen mit sieben anderen Personen an. Er amtet dort als Vizeobmann und führt damit eine weitere Familientradition fort. Denn nochmals eine Meldung über den angeblichen Tod der Reinacher Fasnacht will ein Oser nicht hören oder lesen.

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