Ein Reinacher im unermüdlichen Einsatz gegen die Armut

Der Reinacher Claude Hodel ist ein Experte auf dem Gebiet der Armutsbekämpfung. Aktuell setzt er sich für eine Initiative zur Unterstützung einkommensschwacher Familien ein.

Auf Augenhöhe: Claude Hodel unterstützt Martina Ruf, Ursula Steiner und Gina Zaric (v. l.) bei der Bewältigung des Alltags und hat immer ein offenes Ohr für ein persönliches Gespräch..  Foto: Caspar Reimer
Auf Augenhöhe: Claude Hodel unterstützt Martina Ruf, Ursula Steiner und Gina Zaric (v. l.) bei der Bewältigung des Alltags und hat immer ein offenes Ohr für ein persönliches Gespräch.. Foto: Caspar Reimer

Heute Donnerstag ist UNO-Welttag zur Überwindung der Armut. Es ist ein Tag, der dem 72-jährigen Reinacher Claude Hodel besonders am Herzen liegt. Während 30 Jahren war er Sozialdiakon bei der Reformierten Kirche Reinach und seit anno 2002 engagiert er sich in der Organisation ATD Vierte Welt – einer Bewegung, die 1957 in einem Obdachlosenlager in einem Pariser Vorort von Père Joseph Wresinski gegründet wurde. Ihr Ziel: armutsbetroffenen Menschen eine Stimme zu geben und ihnen ein Leben in Würde zu ermöglichen – daher auch das Kürzel ATD: All together for Dignity – gemeinsam für die Menschenwürde. In der ATD-Regionalgruppe Basel unterstützt der Familienvater Menschen, die finanziell nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen: «In meiner Zeit als Sozialarbeiter habe ich Leute beraten, aber zwischen den Klienten und mir gab es immer auch eine gewisse Distanz. Bei ATD ist das anders – ich arbeite mit den betroffenen Menschen zusammen, lerne auch etwas von ihnen.» So ist die aktuelle kantonale Initiative «Ergänzungsleistungen für Familien mit geringem Einkommen», für die Hodel zusammen mit der Reinacher Gemeinderätin Béatrix von Sury im Komitee einsitzt, in Zusammenarbeit mit Betroffenen entstanden. Die Initiative will Familien mit geringem Einkommen unter die Arme greifen: «Es gibt Menschen, die arbeiten und trotzdem weniger Geld in der Tasche haben, als wenn sie Sozialhilfeempfänger wären. Gerade für betroffene Kinder kann hier ein Kreislauf einsetzen, aus dem sie nicht wieder herauskommen.» Es sind Menschen, die durch das soziale Netz fallen, weil sie ein Einkommen haben, das knapp über dem Existenzminimum der Sozialhilfe liegt, und die ansonsten kaum Vergünstigungen erhalten. Der Kanton hat zur Initiative einen Gegenvorschlag ausgearbeitet – dieser geht Hodel aber zu wenig weit: «Wir befürchten, dass das Thema dann einfach auf die lange Bank geschoben wird.»


Unbürokratisch helfen und zuhören


Hodel kennt unzählige Geschichten von Armutsbetroffenen. Er gilt daher als Experte auf diesem Gebiet. Aufgrund seiner Erfahrungen in der kirchlichen Sozialarbeit hat er das Buch «Der Mensch lebt nicht vom Wort allein» geschrieben. Heute mischt er sogar auf nationaler Ebene mit – so ist er etwa Delegierter der ATD Vierten Welt in der Arbeitsgruppe des Bundesamtes für Sozialversicherung zum Nationalen Programm gegen Armut. «Oft sind es Schicksalsschläge, welche Menschen aus der Bahn werfen und in die Armut treiben», erzählt er. So etwa Martina Ruf, Ursula Steiner und Gina Zaric (siehe Bild): Sie kommen regelmässig an den offenen Treffpunkt der ATD in Basel. Claude Hodel leistet ihnen unkompliziert und unbürokratisch Hilfe, hört ihnen zu. «Nicht selten leben diese Menschen isoliert. Deshalb bringt Armut auch oft psychische Folgen mit sich.»


Wieder in den Einwohnerrat


Weil ihm die sozialen Themen nach wie vor keine Ruhe lassen, will Hodel im kommenden Jahr wieder für den Reinacher Einwohnerrat kandidieren. Nach den Zerwürfnissen im Rahmen der sogenannten Asyl-Affäre hatte er sein SP-Einwohnerratsmandat im Jahr 2017 an den Nagel gehängt. «Die Wogen haben sich mittlerweile geglättet und ich würde mich gerne wieder als SP-Einwohnerrat für soziale Themen einsetzen.»Er attestiert der Sozialhilfeberatung in Reinach eine gute Arbeit, sieht in dem Thema aber nach wie vor Handlungsbedarf: «Separate Angebote für Armutsbetroffene, wie etwa die Lebensmittelabgabe in Reinach, sind zwar begrüssenswert. Doch sollte verstärkt etwas dafür unternommen werden, um der Separierung dieser Bevölkerungsgruppe entgegenzuwirken.» Hodels Kampf gegen die Armut in der Schweiz ist also noch längst nicht am Ende.

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