Ein Profi für Alltagsgegenstände und Raritäten

Seit 2004 leitet Benjamin Singer die Blaukreuz-Brockenhallen Muttenz und Reinach. Im September begeht die Brockenhalle Reinach den 20. Geburtstag.

Wohlgeordnetes Reich: Benjamin Singer in der Brockenhalle Reinach.  Foto: Thomas Brunnschweiler
Wohlgeordnetes Reich: Benjamin Singer in der Brockenhalle Reinach. Foto: Thomas Brunnschweiler

Ein Besuch des Brocki Reinach ist ein Erlebnis. Im Gegensatz zu anderen Brockenstuben ist hier alles sorgfältig strukturiert und leicht auffindbar. Seit kurzem sind Bücher und andere Medien im ersten Stock neu eingeordnet worden. Hinter dieser Übersicht und dem guten Arbeitsklima des Teams und der Mitarbeitenden der Arbeitsintegration steht Benjamin Singer, der seit 13 Jahren die Geschicke der Brockenhallen Reinach und Muttenz lenkt. Der gelernte Schreiner studierte nach der Berufsmatur Soziale Arbeit, motiviert durch seine Arbeit im Jugendsozialwerk des Blauen Kreuzes. Zum Stellenbeschrieb gehörte der Aufbau einer Arbeitsintegration, die wirtschaftlich selbsttragend sein sollte. Das Jugendsozialwerk hat die Schwerpunkte offene Jugendarbeit, Arbeitsintegration und Wohnintegration. Das Team, bestehend aus 7 Mitarbeitenden, coacht 15 bis 20 stellenlose Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen den Anschluss an den ersten Arbeitsmarkt verloren haben. «Wir suchen für jede und jeden individuell eine Aufgabe», sagt Benjamin Singer, «wir gehen dabei ressourcenorientiert vor und setzen die Leute dort ein, wo ihre Fähigkeiten liegen.» Zu diesen Helfern kommen noch 3 bis 4 Ehrenamtliche.


Ein Erfolgsmodell

Der Reinerlös, der rund 20 Prozent des Umsatzes ausmacht, fliesst in die offene Jugendarbeit, die darüber hinaus auf Spenden angewiesen ist. Das seit drei Jahren geöffnete Brocki in Muttenz, dessen Fläche gleich gross ist wie in Reinach, erwirtschaftet nur die Hälfte des Umsatzes des Reinacher Brocki. Das zeigt, dass das Brocki Reinach ein Erfolgsmodell ist. Die Brockenhalle soll eine faire und günstige Einkaufsmöglichkeit für Menschen mit wenigen finanziellen Mitteln sein. Singer sagt: «30 Prozent der Kundschaft, viele davon mit Migrationshintergrund, sind auf das Brocki angewiesen. Daneben gibt es Sammler, Liebhaber und Schatzsucher.» Die Tatsache, dass auch Händler nach günstigen Kostbarkeiten Ausschau halten, mache die Preisgestaltung zu einer Gratwanderung. Bei den Möbeln haben aber nur Antiquitäten und Designerstücke höhere Preise.


Praktiker und Preisträger

Zwischen 100 und 120 Einkäufe werden im Brocki täglich getätigt, das meiste betreffe Kleinmaterial. Tendenziell seien die Preise in den letzten zehn Jahren gefallen und der Kampf darum, die Faszination des Brocki zu behalten, gehe weiter. Für Singer ist ein stabiles, motiviertes Team das Herz der Arbeitsintegration. «Alle müssen am gleichen Strick ziehen.» Mit seiner Bachelor-Arbeit zur Geschichte der Brockenstuben hat Benjamin Singer 2012 den ersten Prix Social der Avenir-Social-Sektion beider Basel gewonnen.
20 Jahre Brockenhalle Reinach: Brocki-Tag, Samstag, 23. September.

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