Direkte Gespräche statt nur Lächeln auf Plakaten

Die von den Reinacher Ortsparteien organisierte Polit-Expo war ein voller Erfolg. Der Verzicht aufs wilde Plakatieren wird rundum begrüsst.

Besuch bei der Konkurrenz: Die SP lockt mit Gipfeli – da bedient sich auch SVP-Mann Paul Wenger. Foto: Tobias Gfeller

«Es ist ein Versuch für die Zukunft», meinte SVP-Einwohnerrat Olivier Baier hinter dem liebevoll gestalteten Stand seiner Partei. Alle Parteien hätten das gleiche Zielpublikum und wollten sich für die Reinacher Bevölkerung einsetzen. Deshalb sei die Polit-Expo eine gute Idee, die ganz ungezwungen umgesetzt werde. In der Tat: Die SVP warb mit einem dem Parteinamen entsprechend geformten Brot neben der SP, bei der es Gipfeli und Schokolade gab. Da bediente sich der ehemalige SVP-Gemeinderat und Landrat Paul Wenger für etwas Süsses auch mal bei der Konkurrenz am anderen Ende des politischen Spektrums. Bei den Grünen gab es Kresse, bei der Mitte der Parteifarbe entsprechend Orangen. An allen Ständen gab es Flyer mit den Gemeinderats- und Einwohnerratskandidierenden.

Zu Beginn hatte es zwar noch deutlich mehr Politikerinnen und Politiker als ­Besucherinnen und Besucher, doch für FDP-Gemeinderat Ferdinand Pulver war die Polit-Expo und der Verzicht aufs wilde Plakatieren bereits ein Erfolg. «Ich bin richtig stolz, dass wir das in Reinach hinbekommen haben.» Vor acht Jahren fand schon einmal ein Markt der Parteien statt, doch auf einen Verzicht aufs wilde Plakatieren konnten sich die Parteien erst auf diese Gemeindewahlen hin einigen. «Ich finde das Plakatieren doof. Deshalb begrüsse ich den Verzicht darauf sehr», betonte Sandra Hofer von Ins und sprach damit vielen aus dem Herzen. Ihr Mann Beat von Ins, der das SVP-Brot gebacken hatte, lobte die positive Atmosphäre im Gemeindesaal. Dass alle Parteien an einem Ort zusammenkämen, sei für die Bevölkerung ideal.

Plakatverzicht ein Nachteil für die Neuen?

Das Gemeindehaus füllte sich von Minute zu Minute mehr. Es war primär ein Informationsaustausch über Kandidierende und Programme, es war aber auch ein gesellschaftliches Zusammensein. «Ich finde es wichtig, dass die Parteien auf die Bevölkerung zugehen», lobte Lilly Senn, die einst die Reinacher Sozialhilfebehörde präsidierte und Mitglied der FDP ist. «Man kann hier Fragen stellen und eigene Anliegen anbringen. Es ist wie auf einem Markt, wo man hingehen und sich das herauspicken kann, was einen interessiert.»

Für die Parteien sei die Polit-Expo eine spezielle Herausforderung, gab der langjährige SP-Einwohnerrat Claude Hodel zu bedenken. «Normalerweise geht man als Politiker zu den Menschen. Heute hoffen wir, dass die Menschen zu uns kommen.» Er sei froh, dass sich die Parteien auf einen Verzicht auf das wilde Plakatieren einigen konnten. Hodel gibt zu, dass es für die SP mit zwei Bisherigen – Markus Huber und Christine Dollinger – weniger schwierig werde, ohne wilde Plakate auszukommen.

Herausfordernder ist dies für Birgit Kron, die für die FDP den Sitz des zurücktretenden Gemeindepräsidenten Melchior Buchs verteidigen möchte. Sie müsse den Bekanntheitsnachteil anderweitig kompensieren, meint die stellvertretende Geschäftsführerin des TCS Sektion beider Basel. SVP-Kandidat Rainer Rohrbach war überzeugt, dass ihn genügend Menschen in Reinach kennen. Er habe sich vorgenommen, mit allen zu reden, die da seien, verriet Rohrbach seine Strategie für die Polit-Expo.

Obwohl sie gegeneinander um den frei werdenden Sitz im Gemeinderat kämpfen, fanden Birgit Kron und Rainer Rohrbach schnell zueinander. Der 72-jährige SVP-Kandidat bot der 37-jährigen FDP-Kandidatin sogleich das Du an. Das gute Miteinander zwischen den Reinacher Ortsparteien wurde an der Expo augenscheinlich.

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