«Die Gemeindepolitik ist wie ein Restaurant»

Als Einwohnerrats­präsident ist Paul Meier (FDP) der neue höchste Reinacher. Er ist nicht nur engagierter Bürger, ­sondern auch leidenschaftlicher Koch.

Für Reinach aktiv: Der neue Einwohnerratspräsident Paul Meier lässt ­die Stadt vor der Stadt nicht im Regen stehen. Foto: Caspar Reimer

«Ich lese gerne Reglemente», sagt der frisch gewählte Einwohnerratspräsident Paul Meier (FDP) schmunzelnd. Folglich kennt er keinerlei Bammel angesichts komplizierter Geschäfte und Debatten, durch die er den Einwohnerrat im kommenden Parlamentsjahr allenfalls wird steuern müssen. Der 1958 geborene Reinacher sieht sich als Jungpolitiker – schliesslich sei er erst seit acht Jahren bei der FDP dabei. Er liess sich zur Wahl aufstellen und rückte vor sechs Jahren auf den durch den Rücktritt von Parteikol­legin Gerda Massüger frei gewordenen Platz im Einwohnerrat nach. Für die Geschäfte des Einwohnerrats hat sich Paul Meier schon immer interessiert. Er verfolgte die Debatten auf der Zuschauerbank und studierte dabei die Unterlagen.

Als Treffpunkt für das Interview hat sich Meier das brandneue Schulhaus Surbaum ausgesucht: «Das Schulhaus ist eine gute Investition in die Jugend. Bildung ist zwar teuer, aber ohne Bildung wird’s noch teurer», sagt Meier, der auch Vizepräsident der Sachkommission für Bildung, Soziales und Gesundheit (BSG) ist. Mit dem Neubau des Schulhauses sei aber noch nicht alles getan: «In der Mitte und im Süden Reinachs steht noch einiges in Sachen Schulraumkapazität an», so Meier. Eine weitere politische Herausforderung bestehe darin, komfortablen, aber auch bezahlbaren Wohnraum für ältere Menschen zu schaffen: «Reinach hat einen hohen Anteil an Menschen, die über 80 Jahre alt sind. Auch für die ­müssen wir sorgen.»

Für Reinach aktiv

Paul Meier ist Ehemann, Vater dreier Söhne und gelernter Radioelektroniker – so lautete die damalige Berufsbezeichnung. Heute hat er eine eigene Firma. Und er ist Reinacher mit Leib und Seele, sei es als Altherr der «Zunft zu Rebmessern» oder als Mitglied im Organisationskomitee «366×850 Joor Rynach». Er initiierte das Projekt «850 Bilder», bei dem die Bevölkerung eingeladen ist, 850 Bilder zu malen, die dann zu zwei grossen Bildern mit dem Titel «Dorf» und «Stadt» zusammengesetzt werden. Dazu finden öffentliche Maltermine statt – die nächste Gelegenheit bietet sich am 27. August im Heimatmuseum. Das Projekt finanziert sich über den Verkauf eines Jubiläums-Regenschirmes, den jeder Reinacher in diesem nassen Sommer bei sich tragen sollte – Paul Meier jedenfalls trägt ihn mit Stolz.

Leidenschaftlicher Hobbykoch

Auch kulinarisch hat der neue Einwohnerratspräsident etwas auf dem Kasten, ist er doch Obmann des 1993 gegründeten Hobby-Kochclub Rynach, der im Jubiläumsjahr vergünstigte Kochkurse für Reinacherinnen und Reinacher anbietet. Auf die Frage, was er am liebsten koche, lächelt er verschmitzt und sagt: «Das werden meine Kolleginnen und Kollegen vielleicht beim nächsten Einwohnerratsbummel erfahren.» Als Brotbäcker habe er zudem «einen eigenen Hermann und einen Bruno» – so nennt er seine Sauerteigansätze. «Regelmässig gefüttert lassen sich daraus immer wieder herrliche Teige herstellen und mit einer langen Teigführung geschmackvolle Sauerteigbrote backen.» Als Hobbykoch zeichnet er ein interessantes Bild der Politik: «Die Gemeindepolitik ist ein Restaurant mit dem Gemeinderat als Koch, dem Einwohnerrat als Rezeptschreiber und der Bevölkerung als Gast. Und der Gast soll sich wohlfühlen.» Dabei sei es wichtig, «dass die Zutaten frisch und von guter Qualität sind».

Immer in Reinach

Was Reinach auszeichne und von anderen Gemeinden unterscheide? «Reinach ist eine Stadt vor der Stadt mit einem Erholungsraum und vielen Vereinen», sagt er. Der Ort habe zwar keinen historischen Dorfkern wie etwa Arlesheim oder Muttenz, strahle aber trotzdem einen eigenen Charme aus. «Meine Familie ist seit Jahrhunderten in Reinach ansässig, und auch ich war zeit meines Lebens immer in Reinach – ausser die paar Tage nach meiner Geburt, während der Arbeit oder in den Ferien.»

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