Die Filmrollen sind bestellt

Seit 30 Jahren ist Reinach ein Mekka für Open-Air-­Kino-Fans. Was mit 50 Besuchenden begann, ist heute ein Event mit Stargästen und Hunderten Zuschauern.

Rekordjahr: Der Film «Bon Schuur Ticino» lockte 2024 so viele Menschen an, dass der Platz irgendwann gesperrt werden musste. Foto: zvg

Seit 30 Jahren werden die Open-Air-Filmtage Reinach ermöglicht. Nicht 30 Jahre, aber doch schon sehr lange dabei ist Raphael Joss. Er startete mit knapp 15 Jahren als Helfer hinter der Bar. Heute ist der 42-Jährige im Vorstand des Vereins, der sich um die Austragungen bemüht. Mit ihm ist auch der Anlass gewachsen. «Die Grundidee ist noch dieselbe», freut er sich: Damit auch sozial schwächer gestellte Menschen teilnehmen können, ist der Eintritt zu den Vorstellungen seit jeher gratis.

Anfangs wurden die Filme hinter dem Gemeindehaus im Garten des Wohnheims für Asylsuchende gezeigt. Von damals knapp 50 Zuschauern ging es hoch auf heute fast 1000 Personen. «Es wurde auch immer professioneller», sagt der Kassier, der heute ein Budget von insgesamt 100000 Franken verwalten darf. Ein Subventionsvertrag mit der Gemeinde Reinach war neben zahlreichen Sponsoren ein Meilenstein und erforderte zur Ab­sicherung die Gründung eines Vereins.

Für die Filmauswahl gehen die Organisatoren viel ins Kino. Ein Schweizer Film steht immer auf dem Programm. Die Auswahl wird schwieriger, weil meist Streifen gewählt werden, die oscar- oder Golden-Globe-würdig sind. Doch nun drängen auch Filme von Streaming-Diensten in diese Kategorie; diese haben keine Verleiher – das fordert die Organisatoren.

Beat Schlatter und Brian Cox – wieso kommen Stars nach Reinach?

Wer die Filmtage kennt, weiss: Vor Ort begleitet meist ein besonderer Gast die Filmvorführung. Letztes Jahr besuchte der Schweizer Schauspieler Beat Schlatter die Stadt vor der Stadt. Dieses Jahr lassen sich die Organisatoren noch nicht in die Karten blicken, aber es werde eine interessante Persönlichkeit bereitstehen – am wahrscheinlichsten beim Schweizer Film, der dieses Jahr «Friedas Fall» ist.

Die Begegnungen mit den Stars sind eine Besonderheit in Reinach. Finanzchef Raphael Joss hat über die Jahre einige Anekdoten gesammelt.

Überraschungsgast und Schauspieler Brian Cox etwa fand es bei seinem Besuch 2018 so gemütlich in Reinach, dass er zu den Letzten gehörte, die nach dem Filmgenuss aufgestanden sind. Cox reiste mit seiner Frau an, denn sie konnte so – nach 15 Jahren – die Nanny wiedersehen, die damals auf ihre Kinder aufgepasst hatte, eine Spanierin, die mittlerweile in Basel lebt. Zu Gast war letztes Jahr auch die deutsche Schauspielerin Aylin Tezel. Ihr wurde der Rückflug gestrichen, sodass sie spontan in Basel übernachten musste. Im Restaurant wurde ihr gesagt, dass sie einer «Tatort»-Kommissarin sehr ähnlich sehe. Ihre schlagfertige Antwort sorgte für Gelächter: «Das liegt wohl daran, dass ich es bin!»

Dass es den Organisatoren immer wieder gelingt, Regisseure, Schauspielerinnen oder Produzenten zu motivieren, nach Reinach zu kommen, habe verschiedene Gründe, so Joss. Sie seien mit einer gewissen Hartnäckigkeit daran, die Kontakte zu knüpfen. Zudem habe sich (zumindest im Schweizer Filmschaffen) herumgesprochen, wie das Konzept der Reinacher Filmtage aussehe. «Die Filmschaffenden sehen es als Chance, ihre Kultur näherzubringen», erklärt Joss.

Das Filmangebot ist auch dieses Jahr wie immer abwechslungsreich: Den Auftakt macht «September 5», ein Film, bei dem der Basler Tim Fehlbaum Regie führte, gefolgt von «We Live in Time». Es folgt der Schweizer Film «Friedas Fall». Den Abschluss macht ein Familienfilmabend: Die drei ??? ermitteln und suchen den Karpatenhund. Die Filmtage finden an den Wochenenden von 8./9. und 15./16. August statt.

Weitere Artikel zu «Reinach», die sie interessieren könnten

«Jetzt ist nicht mehr die Zeit für Schönwetterpolitik»: Gemeindepräsident Ferdinand Pulver zeigt auf, warum es die einschneidenden Sparmassnahmen braucht. Foto: Tobias Gfeller
Reinach27.08.2025

«Wir wollen Reinach nicht kaputtsparen»

Gemeindepräsident Ferdinand Pulver (FDP) äussert sich zu den Vorwürfen, der Gemeinderat würde erneut bei den Vereinen sparen, erklärt, weshalb ab 2027 das…
Bestnote: Seraina Meili wurde für ihre Bachelorarbeit ausgezeichnet. Foto: Tobias Gfeller
Reinach27.08.2025

Reinacherin plant Energiezukunft des Pilatus mit

Seraina Meili prüfte im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Hochschule Luzern gemeinsam mit einem Kommilitonen, wie die thermische Energieversorgung der Gebäude…
Soll der Einwohnerrat verkleinert werden?
Reinach27.08.2025

Soll der Einwohnerrat verkleinert werden?

Im Rahmen des Spardrucks der Gemeinde Reinach gibt es Forderungen, wonach das Ortsparlament verkleinert werden soll. Die Präsidentin des Einwohnerrats ist…