Der letzte Stein ist noch nicht geschliffen

Es gibt Bedenken, dass die Verbundsteine beim Schulhaus Surbaum nicht optimal für Rollstuhlfahrer seien. Die Gemeinde verspricht Abhilfe.

Zu grosse Rillen: Personen im Rollstuhl oder mit Rollator weichen lieber auf die Strasse aus.Foto: Nicolas Blust

Beim Schulhaus Surbaum schwitzen noch die Bauarbeiter. Die Stockackerstrasse ist mit dem ersten Belag geteert, und auf dem Trottoir sind Verbundsteine sauber verlegt. Eine Mutter und ein Vater unterhalten sich vor dem Schulhaus über die neu gestaltete Strasse. Ein abschliessendes Fazit wollen die beiden nicht ­ziehen, denn: «Es ist ja noch nicht fertig.»

Die Stockackerstrasse erweist sich neu als schmal. Immer wieder ragen frisch gestaltete Flächen für Anpflanzungen in den Strassenraum. Das Konzept mit vermehrten Grünstreifen nennt sich Schwammstadt. So kann das Regenwasser versickern, was im Sommer mehr Kühlung bringen soll. Auch dort, wo keine Rabatten in die Strasse ragen, ist die Fahrbahn nicht gerade als breit zu bezeichnen. Für eine verkehrsberuhigte Strasse ist das sicher gewünscht.

Nichts für Rollatoren und Rollstühle?

Die grauen Steine, die das Trottoir bilden, sind nicht wie gewöhnliche Strassenplatten nur in Fugenabstand nebeneinander platziert. Sie haben rund um die aufliegende Fläche jeweils breite Zwischenräume. Diese sind beim Gehen deutlich durch die Schuhe spürbar. Der Reinacher Einwohner Thomas Thurnherr ist nicht begeistert über die Verbundsteine mit Rillen, wie er sie nennt. «Personen im Rollstuhl oder mit Rollator können darauf nicht verkehren», stellt er fest. Gerade für diese Personengruppe sollte mitgeplant werden. «Sie gehen nun auf der Strasse», beobachtet er. Und er befürchtet: «Es ist absehbar, dass es ‹klöpft›.» Er fordert eine Nachbesserung der Situation im Sinne der allgemeinen Sicherheit und fragt: «Welche Planer denken sich eine Verkehrsberuhigung aus, die für alle Verkehrsbeteiligten mehr Gefahr und Risiken mit sich bringt?»

Dies führe zu einer absolut verkehrten Welt und stelle die Verkehrsberuhigung vollends in Frage, schreibt er. Zu beachten ist aktuell, dass das Niveau der Steine und jenes der Fahrbahn noch nicht auf der gleichen Höhe liegen. Das dürfte mit dem Einbau des letzten Deckbelags noch geschehen.

«Wir zahlen noch Lehrgeld»

Die neue verkehrsberuhigte Strasse bietet mehr Versickerungsfläche nach dem Vorbild einer Schwammstadt. Dazu werden auch mehr Bäume gepflanzt, die im Sommer Schatten spenden und für etwas Kühle sorgen werden. Gemeinderat Markus Huber (SP) rechnet vor: «Mehr Versickerungsflächen bedeuten weniger Verkehrsflächen und somit ein engeres Miteinander.» Daher sei auch die Strasse in eine Begegnungszone mit Tempo 20 umgewandelt worden: «Die Fussgänger haben Vortritt», betont er. Daher sei es gut möglich, auf die Strassenfläche auszuweichen. «Reinach hat noch nicht ­viele Begegnungszonen gebaut. Daher zahlen wir noch etwas Lehrgeld», räumt er ein und versichert, dass die Gemeinde bereit sei, Anpassungen vorzunehmen. So sollen beispielsweise Steine abgeschliffen werden, damit auch Rollstühle besser verkehren können. «Das geht nicht sofort, die Arbeiten müssen in einem Ablauf gemacht werden, das braucht etwas Geduld», erklärt Huber. Schlussendlich sei das Ganze immer auch ein Abwägen der Bedürfnisse.

Noch in diesem Jahr, 2026 oder wenn die etwas schmalere Finanzlage Reinachs es zulässt, soll auch auf der anderen Seite des Schulhauses eine Begegnungszone entstehen.

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