Damit ’s schön klingt: Schräge Wände für akustische Highlights

Die Umbauarbeiten für das Haus der Musik an der Römerstrasse 50 sind voll im Gang. Die höchsten Ansprüche gibt es an die Akustik.

«Ein Glücksfall für Reinach»: Möglichst viel vom ehemaligen Gebäude der Firma Obrist soll wiederverwendet werden. Foto: Tobias Gfeller

Bauleiter Christoph Hauser von der Firma Burckhardt Architektur zeigt auf Details, die für das Funktionieren des neuen Zuhauses der Musikschule Reinach essenziell sind. Beispielhaft dafür stehen die Wände in den Übungsräumen, die keine 90-Grad-Winkel aufweisen. Die Abstände der Wände unterscheiden sich von Seite zu Seite um ein paar Zentimeter. Das sorge dafür, dass der Schall der Instrumente von den Wänden nicht gerade zurückkommt und dann von Wand zu Wand hin und her weiche, sondern leicht abgelenkt werde und so weniger störende Wirkung erziele.

Die Umbauarbeiten, um aus dem ehemaligen Bürogebäude der Firma Obrist ein Musikschulzentrum zu machen, sind voll im Gang. Die Gemeinde Reinach hat dafür die Firma Burckhardt Entwicklungen als Totalunternehmen beauftragt. Das Gebäude mit Baujahr 1987 befinde sich in einem guten Zustand, was die Umnutzung erst möglich macht, betonten die Verantwortlichen auf einem Baustellenrundgang am Dienstag. Die für das Ressort verantwortliche Gemeinderätin Béatrix von Sury (Die Mitte) sprach von einem «Glücksfall» für Reinach. Primäres Ziel ist es, möglichst viel vom bestehenden Gebäude weiterzunutzen. Damit werde verhindert, dass graue Energie verloren gehe, erklärt Stefan Haller, Geschäftsleiter Technische Verwaltung der Gemeinde Reinach. Wert auf Nachhaltigkeit werde auch in Sachen Material – viel eingesetzt wird unter anderem Lehm – und in der Wiederverwertung von Bauschutt gelegt. Mit diesem gezielten Vorgehen würden fast 50 Prozent des Abrissmaterials gespart, rechnete Andrea Landell, Leiterin Gestaltung und Nachhaltigkeit des Projekts, vor.

Raum-in-Raum-Prinzip

Die umfangreichsten baulichen Eingriffe werden dann auch aufgrund der hohen Ansprüche an die Akustik getätigt. Dafür wurde ein Fachspezialist Akustik engagiert. Als zentrales Element der Akustik nennt Stefan Haller das Prinzip, dass in die bestehenden Räume zusätzliche Räume hineingebaut werden. Dies sorge für die nötige Isolation auf die Seiten, gegen oben und unten. Selbst die Steckdosen und die Stromkabel sind speziell konzipiert und abgedichtet, damit kein Schall aus den Räumen entweicht.

Diese «Verdoppelung» der Räume wird sogar an den Fensterfronten umgesetzt, bei denen zusätzliche Kastenfenster eingebaut wurden. Das sei auch bei Wohnbauten an lauten Verkehrsachsen eine gängige Praxis, erinnert Stefan Haller. Im Erdgeschoss ist ein kleiner Konzertsaal mit Bühne vorgesehen. Im Untergeschoss wird es drei Bandräume geben, von denen zwei extern genutzt werden können.

Einzug nach der Fasnacht 2026

8,9 Millionen Franken haben Einwohnerrat und Stimmbevölkerung für den Kauf und den Umbau des Gebäudes gesprochen. «Wir sind finanziell und zeitlich im Fahrplan», betont Stefan Haller. Der Einzug ist für nach den Fasnachtsferien 2026 geplant. Gemeinderätin Béatrix von Sury ist vom grossen Nutzen für die Gemeinde und die Bevölkerung überzeugt. Dass eine Musikschule kaum genutzt werde, sei eine oft genannte «falsche Annahme», stellt Haller klar. «Es gibt schon vor­mittags Kurse, unter anderem für Erwachsene. Dann müssen sich die Lehrpersonen auch vorbereiten können. Von nachmittags bis abends findet Unterricht für Kinder und Jugendliche statt. Eine Musikschule wird fast mehr genutzt als ein gewöhnliches Primarschulhaus.»

Im neuen Haus der Musik wird die ganze Musikschule Reinach zusammengezogen. Dadurch werden Räumlichkeiten in mehreren Schulhäusern und Kindergärten frei gespielt, die wiederum für ihre eigentliche Aufgabe genutzt werden können, da Reinach Bedarf an zusätzlichem Schulraum hat.

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