Caroline Mall will das Parteipräsidium – und dann plötzlich doch nicht mehr

Die Reinacher Landrätin Caroline Mall möchte Präsidentin der SVP Baselland werden. So liess sie es im Gespräch mit dem Wochenblatt verlauten. Am Mittwochmorgen dann die Kehrtwende.

Hü und hott: Caroline Mall hat ihre Kandidatur überraschend zurückgezogen. Foto: Tobias Gfeller

Am Donnerstagmorgen vor einer Woche hat Aufregung im Regierungsprovisorium in Liestal geherrscht. Soeben hat die Landratsfraktion der SVP ihren Vorstand abgesetzt. Es ist die nächste Eskalationsstufe im Richtungsstreit innerhalb der Baselbieter SVP. Zum Fraktionsvorstand gehört als zweite Vizepräsidentin auch Caroline Mall. Sie trat aus Verärgerung freiwillig zurück.

Trotzdem will die Reinacherin Präsidentin der Kantonalsektion werden. Der aktuelle Präsident Dominik Straumann tritt ab. Er empfiehlt seinen heutigen Vize Johannes Sutter aus Arboldswil zur Wahl. Am 25.  April entscheiden die Parteimitglieder am Parteitag in Aesch, in welche Richtung es gehen soll. Für Caroline Mall geht es aber gar nicht um eine Richtungswahl: Dass sie eine Hardlinerin sei und die Partei mit ihr an der Spitze weiter nach rechts rücken würde, sei «klar nicht der Fall». «Schaut man sich den Smartspider an oder aber die erfolgreich eingereichten Vorstösse im Landrat, erkennt man, dass ich moderater bin als Dominik Straumann.» Was sich mit ihr ändern würde, wäre die Kommunikation und das Auftreten des Parteipräsidiums, zu dem auch Nationalrat Thomas de Courten als Vizepräsident zählen würde, ist Mall überzeugt. «Klar in der Aussage, klar in der Kommunikation», kündigt sie an. Der aktuellen Parteiführung mangle es am Auftreten, kritisiert die 56-Jährige. «Man muss wissen, wofür die SVP steht. Dafür braucht es klare Stellungnahmen, die auch mal laut, aber vor allem klar sein dürfen.» Das bedeute aber nicht, dass die Partei inhaltlich nach rechts rücken würde. «All diese Darstellungen sind falsch», meint Mall.

Daneben ortet die Reinacherin den grössten Nachholbedarf in der Sektionsarbeit. Als Präsidentin will sie die Arbeit in und mit den Sektionen, die auch als Knochenarbeit bezeichnet wird, stärken. Als ehemalige Sektionspräsidentin der SVP Reinach bringe sie beste Voraussetzungen dafür mit. «Sektionsarbeit kenne ich aus dem Effeff und war dabei sehr erfolgreich.»

Kritik aus der eigenen Sektion

Caroline Mall trat 2008 der SVP-Sektion Reinach bei und wurde auf Anhieb in den Einwohnerrat gewählt. Dort machte sie 2019 Csaba Zvekan Platz, damit der heutige Sektionspräsident nachrücken konnte. Für sie sei dies gelebte Parteiarbeit. Dankbar zeigt sich Zvekan aktuell aber gar nicht – er unterstützt öffentlich ­Johannes Sutter. Dass sich gemäss bz auch der ehemalige Reinacher SVP-­Regierungsrat Jörg Krähenbühl für ­Johannes Sutter als Kantonalpräsident ausspricht, überrascht Mall nicht. «Ich kenne meine Parteifreunde», meint sie mit einem Lächeln.

Ab dem 1. Juli wird Caroline Mall wieder dem Reinacher Einwohnerrat angehören. Mit einem guten Resultat – sie holte mehr Stimmen als Csaba Zvekan – wurde sie am 3. März ins Gemeindepar­lament «zurückgewählt». Nach dem Bekanntwerden von Zvekans und Krähenbühls Haltung habe sie viele positive Zuschriften von Mitgliedern der Reinacher, aber auch anderer Sektionen der SVP erhalten.

Mall sieht das Führen einer Partei als Teamarbeit. Immer wieder spricht sie von «wir», wenn sie über ihre Pläne als Parteipräsidentin spricht. «Es geht nicht um mich, es geht um die Partei», wiederholt sie mehrfach. Gesucht habe sie das Amt nicht. «Ich wurde angefragt. Vor einem Jahr hätte ich mir nicht vorstellen können, für das Parteipräsidium zu kandidieren. Heute ist die Situation bekanntlich eine andere.»

Last-minute-Wechsel

Caroline Malls Aussagen in diesem Artikel galten bis Mittwochmorgen um 9 Uhr, als kurz vor Redaktionsschluss des Wochenblattes bekannt wurde, dass sie ihre Kandidatur überraschend zurückzieht. An ihrer Stelle tritt nun ausgerechnet Peter Riebli an – der vergangene Woche von der eigenen Landratsfraktion abgesetzte Fraktionspräsident. Der Machtkampf erreicht damit eine neue Dimension. Dass nun ausgerechnet Riebli so kurz vor den parteiinternen Wahlen den Spitzenposten anpeilt, ist ausserordentlich. Vor allem, weil er bislang die Kandidatur Mall unterstützte und ihr auch sehr gute Chancen für eine Wahl zur Präsidentin attestierte. Es wirkt fast so, als hätte Riebli Mall in letzter Minute ausgebootet.

Mall führt in ihrer Mitteilung die Absetzung Rieblis als Fraktionspräsident als Grund für ihren Entscheid an: «Diese Abwahl erfolgte ohne substanzielle inhaltliche Begründung und führte auch an der Parteibasis zu Unverständnis», heisst es. «Caroline Mall hat sich daher im Gesamtinteresse entschieden, ihre Kandidatur für das Kantonalpräsidium zugunsten von Landrat Peter Riebli zurückzuziehen.» Im Baselbieter SVP-Krimi ist ein weiteres Kapitel aufgeschlagen.

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