«Auch das eigene Haus war mal eine Baustelle»

Einige Quartierpläne befinden sich aktuell in der Umsetzung. Das sorgt für Unmut in der Bevölkerung.

Im Bau: An der Ecke Bruggstrasse/Hauptstrasse entsteht eine neue Siedlung – weitere werden folgen. Foto: Caspar Reimer
Im Bau: An der Ecke Bruggstrasse/Hauptstrasse entsteht eine neue Siedlung – weitere werden folgen. Foto: Caspar Reimer

Baustellen geniessen einen schlechten Ruf. Insbesondere dann, wenn die Bagger gleich neben dem eigenen Haus ­anrollen und mit infernalem Lärm die beschauliche, über Jahre angesparte heimische Idylle zunichtemachen. Gerade in Reinach sorgen Bauprojekte derzeit wieder für Unmut in der Bevölkerung, in den sozialen Netzwerken brodelt es. Ein Posting in der Facebook-Gruppe «Leben in Reinach» hat vergangene Woche für eine hitzige virtuelle Debatte gesorgt: Jede grüne Fläche werde zugepflastert, schrieb der User, Einfamilienhäuser würden abgerissen und durch zwei- bis dreigeschossige Mehrfamilienhäuser ersetzt, der Verkehr stehe kurz vor dem Kollaps und überhaupt: «Ich finde es einfach nur noch schlimm.»

Der Beitrag hatte eine Welle der Zustimmung ausgelöst. Insbesondere die hohe Anzahl an Bauvorhaben stösst mancher Reinacherin und manchem Rein­acher vor den Kopf. Tatsächlich wurde in den vergangenen Jahren eine beachtliche Anzahl an Quartierplänen angestossen. «Deshalb haben wir jetzt eine hohe Dichte an Umsetzungen», so Gemeindepräsident Melchior Buchs (FDP). Hinzukomme, dass auch «ausserhalb von Quartierplänen Häuser abgerissen und neu gebaut werden, weil sie sich nicht mehr in einem guten Zustand befinden». Die Gemeinde hätte keinen Einfluss auf den Zeitpunkt, an dem die Eigentümer ihre Bauvorhaben umsetzen. «Sicher ist es nicht einfach, wenn in der Nachbarschaft gebaut wird. Aber auch das eigene Haus war irgendwann mal eine Baustelle. Das sollte man bedenken», so Buchs.

Verdichtung nach innen

Gebaut wird in Reinach schon lange. Insbesondere in den 1960er-Jahren ist das ehemalige Dorf in seiner Fläche sehr stark gewachsen und zu einer aus­gedehnten Agglomerationsgemeinde mutiert. Da Reinach aus raumplanungsrechtlichen Gründen nicht mehr wesentlich in die Breite oder Länge wachsen kann, bleibt einzig die Möglichkeit, nach innen und in die Höhe zu verdichten. Die Schweizer Stimmbevölkerung hatte sich im Rahmen der Änderung des Raum­planungsgesetzes 2013 für diese Strategie ausgesprochen. Damit sollte eine weitere Zersiedelung der Schweiz verhindert werden. Die Kehrseite davon: In den urbanen Gebieten wird es enger. Hinzukommt, dass die Ansprüche an die Infrastruktur einer modernen Gemeinde stetig wachsen und die Kosten steigen. Mit dem Zuzug guter Steuerzahler hofft man, diesen Kosten besser Herr zu werden.

Sorgenkind Verkehr

Fast abgeschlossen ist die Überbauung Stockacker ganz im Norden Reinachs. In der Umsetzung befinden sich der ebenfalls im Norden gelegene Quartierplan Oerin und der südlich des Dorfzentrums gelegene Quartierplan Bruggstrasse. Für Jupiterstrasse, Hinterkirch und Stöcklin-Areal läuft derzeit das Baubewilligungsverfahren und für die Quartierplanung Dornacherweg wird das Baugesuch zeitnah eingereicht. Für die nahe Zukunft stehen weitere Bauprojekte, insbesondere die vier Quartierpläne Im Zentrum, Angensteinerplatz, Landererstrasse und Stadthof im Ortskern Reinachs an. Topaktuell ist der Quartierplan Angensteinerplatz, für welchen derzeit das öffentliche Mitwirkungsverfahren läuft: Das bestehende Kantonalbank-Hochaus soll durch ein neues Hochhaus und einen sogenannten Punktbau ersetzt werden. Der heutige oberirdische Parkplatz wird zum öffentlichen Begegnungsort. Videos der Gemeinde bewerben das Bauvor­haben und am 7. April findet eine Fragerunde via Livechat statt. Die Sorge darüber, wie die Gemeinde mit dem zu ­erwartenden Mehrverkehr fertig wird, beschäftigt immer mal wieder den Rein­acher Einwohnerrat. Sogar der Bau ­einer Hochbahn wurde schon einmal vorgeschlagen.

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