Am Puls der Filmwelt

Mit dem Film «Die göttliche Ordnung», einem eingespielten Interview mit Schauspielerin Marie Leuenberger und Stargästen gingen die Filmtage Reinach in die 23. Runde.

Attraktives (Schein-)Live-Interview: Alexander Strohm befragt Marie Leuenberger, Hauptdarstellerin in «Die göttliche Ordnung». Rechts steht der durch den Film berühmt gewordene Opel Rekord.  Foto: Thomas Brunnschweiler
Attraktives (Schein-)Live-Interview: Alexander Strohm befragt Marie Leuenberger, Hauptdarstellerin in «Die göttliche Ordnung». Rechts steht der durch den Film berühmt gewordene Opel Rekord. Foto: Thomas Brunnschweiler

Um 20.40 Uhr schien es am letzten Freitag auf dem Platz vor dem kvBL so, als würde die Vorstellung buchstäblich ins Wasser fallen, denn erst wenige Leute waren anwesend. Doch als nach witzigen Kurzeinspielungen von ehemaligen Filmtage-Gästen und den Vorfilmen der Hauptfilm «Die göttliche Ordnung» anlief, zeigte sich, dass doch viele Filmbegeisterte dem Wetterbericht trauten. Fast mirakulöserweise blieb es während der Vorstellung trocken. Nach der Begrüssung durch Gemeinderat Melchior Buchs, der die Organisatoren lobte, trafen mit einem alten, im Film vorkommenden Opel Rekord die Ehrengäste ein: Jessica Levy vom Filmverleiher Filmcoopi, Nationalrätin Maya Graf, Jean Cotter, verantwortlich für Maske und Ausstattung, sowie Thomas Oser, der Reinacher Besitzer und Fahrer des Opel Rekord. Im Schein-Live-Interview mit Filmtage-Leiter Alexander Strohm plauderte Schauspielerin Marie Leuenberger aus dem Nähkästchen. Sie erzählte von ihrer Jugend in Basel, ihrer schauspielerischen Entwicklung und ihrer Rolle in «Die göttliche Ordnung». Vor allem den Ostschweizer Dialekt zu lernen, sei ihr schwergefallen, gestand die in Berlin lebende Schauspielerin und Mutter.


Der Film: Stark und berührend…

Das politische Filmdrama von Petra Biondina Volpe über die Einführung des Frauenstimm- und -wahlrechts im Jahre 1971 unterhält mit feinem Humor und grosser Authentizität in den Details. Die Filmkulisse gab das weitgehend intakte Dorf Trogen in Appenzell-Ausserrhoden ab. Viele Zuschauerinnen, die den Kampf um die Rechte der Frauen selbst erlebt hatten, waren emotional sehr berührt. Und mancher Mann wird sich innerlich an den Kopf gegriffen haben über die Arroganz männlicher Scheinüberlegenheit. Nach dem Film gaben die Ehrengäste Alexander Strohm bereitwillig Antwort. Jessica Levy plauderte über die Entstehung des Films. Jean Cotter sprach über die Schwierigkeiten, der Hauptdarstellerin eine Frisur zu verpassen, die sich rasch in eine biedere Haartracht verwandeln liess. Teilweise musste er bis 100 Leute am Tag frisieren. Cotter schwärmte von der Regisseurin Volpe, die es fertigbrachte, rund 20 ältere Frauen aus der Region in die richtige Atmosphäre zu bringen.


…und nach wie vor aktuell

Nationalrätin Maya Graf, die zugleich Co-Präsidentin der «Alliance F» ist, äusserte sich zum Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit. Die Lohngleichheit von Mann und Frau gebe es immer noch nicht, Frauen seien mit durchschnittlich 8 Prozent weniger Lohn für gleiche Leistung massiv benachteiligt. Es gehe, so Graf, im Film auch um Rollenklischees und die Befreiung der Menschen aus ihren Geschlechterrollen. Schliesslich wurde auch Chauffeur Thomas Oser gewürdigt, der sich mit seinem Opel erstmals auf ein Filmset gewagt hat. Am Samstag verfolgten rund 650 gebannte Augenpaare den aufwühlenden Film «Lion». Zuvor gab es ein Leinwand-Interview mit dem Filmmusiker Volker Bertelmann.

 

 «Hidden Figures» und «La La Land»
Die Filmtage Reinach finden dieses Wochenende ihren Abschluss. Am Freitag steht «Hidden Figures» auf dem Programm. Der Film erzählt von drei afroamerikanischen Mathematikerinnen, die massgeblich am Mercury- und am Apollo-Programm der US-Raumfahrtbehörde NASA beteiligt waren. Am Samstag wird das mit mehreren Oscar gekrönte US-Filmmusical «La La Land» gezeigt. Vorführungsbeginn ist jeweils 21.00 Uhr, Bar und Essen ab 19.30 Uhr.

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