reinach: Schülerinnen-Austausch
11.08.2016

Zurück mit einem Koffer voller Erlebnisse

Back home: Elisa Jörg verbrachte ein Jahr in Peru – jeder Pin auf ihrem Blazer ist von einem anderen Austauschstudenten und ein schönes Andenken.  Foto: Jay Altenbach

Back home: Elisa Jörg verbrachte ein Jahr in Peru – jeder Pin auf ihrem Blazer ist von einem anderen Austauschstudenten und ein schönes Andenken. Foto: Jay Altenbach

Vor einem Jahr bestieg die 17-jährige Elisa Jörg ein Flugzeug und flog für ein Austauschjahr mit dem Rotary Youth Exchange nach Peru. Vor ein paar Wochen ist Elisa wieder in die Schweiz zurückgekehrt.

Jay Altenbach

Wochenblatt: Elisa, was war dein erster Eindruck von Lima, der Hauptstadt von Peru, und deiner Gastfamilie?

Elisa Jörg: Ich war nach dem langen Flug völlig erledigt. Die Gastmutter hielt ein grosses Plakat in der Hand und als wir uns gefunden hatten, umarmte sie mich herzlich. Diese Herzlichkeit der Peruaner hat mich immer wieder überwältigt. Ihre jüngste Tochter war zu der Zeit in einem Austausch in Deutschland und nur die 25-jährige Tochter wohnte noch zu Hause. Das Thema «Essen» ist in Peru sehr wichtig. Sie kochen sehr gut und ständig. Ich habe ganz viel Neues kennen gelernt, was ich zu Hause nie gegessen hätte.

Und wie war es in der Schule?
Elisa Jörg: In der ersten Woche besuchten wir Austauschschülerinnen und -schüler einen Spanischkurs. Es waren noch zwei Mädchen aus Belgien und ein Mädchen aus Taiwan im Austausch und später auch mit mir in der gleichen Schule. Wir wurden schnell beste Freundinnen. Anfänglich unterhielten wir uns auf Englisch miteinander, dann wechselten wir zu Spanisch. Der erste Schultag war sehr eindrücklich. Nicht nur trugen die peruanischen Schulkinder eine Schuluniform, sondern es wurde zu Beginn jeder Woche Lieder auf die Fahne, die Schule und zum Schluss auf die Na-tionalhymne gesungen. Im Unterricht haben mir die Mitschüler anfänglich die Aufgaben auf Englisch übersetzt. Mit der Zeit habe ich aber alles verstanden und ich brauchte einfach noch etwas Zeit, bis ich mir zutraute, spanisch zu reden. Das zweite halbe Jahr war ich an der Universität und wir Gäste durften verschiedene Kurse besuchen.

Hast du auch Ausflüge gemacht?
Elisa Jörg: Alle Familien haben sich sehr bemüht, mir das Land und die Leute näherzubringen. Vom Rotary Club wurde eine Reise organisiert. Wir fuhren zum Titicacasee und zum Machu Picchu und nach Arequipa, eine Stadt ganz im Süden von Peru. Im Februar hatten wir einen Monat Ferien und den verbrachte ich in Pucallpa, das ist eine Stadt im Amazonasgebiet. Dort herrscht ein tropisches Klima und man ist ständig verschwitzt. Ich war dort häufig auf eigene Faust mit einem Schweizer und einem Jungen aus der Slowakei unterwegs.

Wie waren die Gasteltern?
Elisa Jörg: Es waren alle Gasteltern total nett. Im Januar wechselte ich die Familie und feierte meinen Geburtstag mit einem Tag am Strand, das war sehr schön. In der zweiten Familie war meine Gastschwester gleich alt wie ich und sie hat mich überall hin mitgenommen und mich ihren Freunden vorgestellt. Wir hatten es sehr gut zusammen.

Wie kommst du zu den vielen farbigen Pins auf deinem Rotary-Blazer?
Elisa Jörg: Den Rotary-Blazer tragen wir alle, wenn wir unterwegs sind oder an offiziellen Anlässen. Bei Treffen durch die jeweiligen Clubs in Peru haben wir ganz viele Austauschschülerinnen und -schüler kennen gelernt und alle tauschen dann Pins oder Abzeichen miteinander. Wir Schweizer mussten bei einem Treffen die Schweizer Nationalhymne vorsingen. Zum Glück haben wir drei Schweizer den Text im Internet gefunden. Im Gegensatz zu den anderen konnten wir den Text nicht.

Was ist dir in spezieller Erinnerung geblieben?
Elisa Jörg: Wir Austauschschülerinnen und -schüler wollten den gastfreundlichen Peruanern etwas zurückgeben. Wasser ist so ein kostbares Gut und die Leute trinken Wasser geradewegs aus dem Amazonas, wo alle Abwässer hineingeleitet werden. Wir haben in unseren Clubs in den Heimatländern um Spenden gebeten und haben so viel Geld erhalten, dass wir zwei Wassertürme bauen konnten und weitere fünf geplant wurden. In diesen Türmen stehen Tanks, wo das Wasser gefiltert wird. Einen Wasserturm haben wir zusammen mit einheimischen Handwerkern gebaut. Das war eine sehr eindrückliche Erfahrung. Die Bewohner in den Dörfern waren so dankbar, haben uns angestrahlt und für uns gekocht. Ich werde nicht so schnell wieder ein Mineralwasserfläschchen wegschmeissen, nur weil das Wasser nicht mehr ganz so frisch ist.

Was hat dich besonders geprägt?
Elisa Jörg: Die Leute sind dort mit so wenig zufrieden und bei uns gibt es
alles im Überfluss. Das vergessen wir – mir wurde es in diesem Jahr so richtig bewusst.

Würdest du wieder so einen Austausch machen?
Elisa Jörg: Sofort. Ich geh gleich packen! Meine Gastschwester kann es nicht erwarten, mich in der Schweiz zu besuchen, und ich habe jetzt Freunde auf der ganzen Welt. Über Facebook sind wir weiterhin fast täglich in Kontakt miteinander.