Reinach
21.07.2021

«Einige sind gerne bereit, etwas abzugeben»

Gut vernetzt: FDP-Einwohnerrat Lucio Sansano weiss, wo den Vereinen in Reinach der Schuh drückt. Bild: Caspar Reimer

Gut vernetzt: FDP-Einwohnerrat Lucio Sansano weiss, wo den Vereinen in Reinach der Schuh drückt. Bild: Caspar Reimer

Der jüngste Reinacher Einwohnerrat Lucio Sansano (FDP) hat eine ungewöhnliche Idee, wie Reinacher Vereinen in der Zeit des Sparens geholfen werden kann.

Von: Caspar Reimer

Reinacher Politiker und Amtsträger sollen mit einer freiwilligen Abgabe ihrer Sitzungsgelder Vereinen und Institutionen, die wegen der Sparmassnahmen in ihrer Existenz bedroht sind, unter die Arme greifen. Diesen ungewöhnlichen Vorschlag hat FDP-Einwohnerrat und Präsident der Jungfreisinnigen Baselland Lucio Sansano anlässlich der letzten Parlamentssitzung vor den Sommerferien als Postulat eingereicht. Das Sparpaket, das aufgrund der schwierigen finanziellen Lage Reinachs vom Gemeinderat ausgearbeitet wurde, sieht für Reinacher Vereine und Institutionen in der Bereichen Kultur, Sport, Freizeit und Soziales eine Barbeitragsreduktion von 20 Prozent vor: «Nicht alle von der Beitragsreduktion betroffenen Vereine und Angebote, die derzeit durch die Pandemie bereits eingeschränkt sind, werden diese Beitragsreduktion kompensieren können», so Sansano. Zwar sei es ihm als jüngsten Einwohnerrat wichtig, die Finanzen der Gemeinde ins Lot zu bringen: «Das Sparpaket ist notwendig und richtig. Andererseits tut es mir weh, wenn Reinacher Vereine, die in unserer Gesellschaft die soziale Interaktion fördern, die Lebensqualität heben und zu einem guten sozialen Klima beitragen, darunter leiden müssen.» Sein Postulat mache nun beides möglich – die Sparmassnahmen durchzuziehen und die Vereine zu unterstützen.

Freiwillig und unabhängig

Auf die Frage, ob sein Vorschlag nicht dem Credo der Eigenverantwortung seiner eigenen Partei zuwiderlaufe, sagt er: «Jeder Politiker oder Amtsträger kann in eigener Verantwortung und freiwillig entscheiden, ob er einen Teil seiner Einnahmen abgeben will. Die Freiwilligkeit ist dabei zentral.» Wichtig sei es zudem, dass der Fonds nicht der Verwaltung, sondern «einer unabhängigen und gut vernetzten Institution in Reinach, welche die Kompetenz hat, solche Gelder zu verteilen, angesiedelt ist.» Einmal im Jahr würde eben diese Institution vor Auszahlung der Sitzungsgelder eine Art Unterstützungsaufruf an alle Politiker und Amtsträger senden: «Dabei steht es jedem frei, null oder 100 Prozent seiner Sitzungsgelder abzugeben. Und das Ganze funktioniert selbstverständlich anonym.» Umgekehrt können Vereine, die wegen der Sparmassnahmen in ihrer Existenz bedroht sind, bei dieser noch unbekannten Institution einen Antrag stellen: «Das Komitee, das die Gelder spricht, müsste breit und mit allen wichtigen Playern Reinachs aufgestellt sein.» Für seinen Vorschlag hat der junge Politiker schon positive Signale bekommen: «Einwohnerräte aber auch Gemeinderäte sagten mir, sie wären gerne bereit, etwas abzugeben.»

Grosses Angebot erhalten.

Sansano hofft, dass der Gemeinderat bis im Herbst, wenn wahrscheinlich auch final die Sparmassnahmen vom Parlament verabschiedet werden, einen Vorschlag ausarbeiten wird: «So können wir den Vereinen trotz der Sparmassnahmen eine Sicherheit bieten.» Für ihn hat das Anliegen auch eine ganz persönliche Komponente: «Ich bin in Reinach aufgewachsen, habe im FC Reinach trainiert und im Jugendblasorchester Schlagzeug gespielt. Es ist mir ein Anliegen, dass auch in Zukunft Jugendliche von diesem reichhaltigen Angebot profitieren können.» Mit der Schaffung dieses Fonds könne sich die Reinacher Politik solidarisch mit den Reinacher Vereinen und ihrem grossen ehrenamtlichen Engagement zeigen.