Reinach
21.10.2020

«Zentral ist die Verkündigung des Evangeliums»

Angekommen: Pfarrer Alex L. Maier freut sich auf seine neue Aufgabe.  Foto: Caspar Reimer

Angekommen: Pfarrer Alex L. Maier freut sich auf seine neue Aufgabe. Foto: Caspar Reimer

Am kommenden Sonntag wird der neue römisch-katholische Pfarrer Alex. L. Maier offiziell eingesetzt. Das «Wochenblatt» ging mit ihm auf Tuchfühlung.

Von: Caspar Reimer

Wochenblatt: Während 22 Jahren waren Sie als Pfarrer im Oberaargau tätig, zuvor an anderen Orten im Kanton Bern. Nun kommen Sie nach Reinach. Was hat Sie hierher verschlagen?
Alex Maier: Der Bischof hat es mir vorgeschlagen. Es standen noch andere Optionen zur Wahl, etwa im Thurgau. Da ich aber in Muttenz und Pratteln aufgewachsen bin, meine Eltern, Schwester, Nichten und Neffe noch hier in der Gegend leben, gefiel mir die Idee am besten, zurück ins Baselbiet zu kommen.

Seit dem 1. Oktober sind Sie in Reinach im Dienst. Was waren Ihre ersten Amtshandlungen?
Am ersten Abend meines ersten Diensttages gab es bereits einen Gottesdienst mit schönen Überraschungen – der Kirchenchor sang das «Baselbieter Lied» mit einer speziellen, selbst komponierten Zusatzstrophe, um mich willkommen zu heissen.

Wie erleben Sie die Menschen in Reinach?
Am vergangenen Sonntag fand auf dem Neuhof ein ökumenischer Gottesdienst anlässlich des Saat- und Erntefestes statt. Dort habe ich die Menschen als sehr offen und freundlich erlebt. Leider läuft das Kennenlernen wegen Corona nicht so, wie sonst üblich. Hausbesuche bei älteren oder kranken Menschen sind schwierig. Da müssen wir uns zurzeit mit einem Telefongespräch begnügen.

Das Amt des Pfarrers ist heute nicht mehr dasselbe wie vor 50 Jahren. Für viele Menschen hat die Kirche an Bedeutung verloren. Was lässt sich gegen den Mitgliederschwund unternehmen?
Es wäre schön, wenn es ein Rezept gäbe. Wichtig ist zu erkennen, dass die Menschen die Kirche heute, im Gegensatz zu früher, kaum mehr für ihre Freizeitgestaltung brauchen. Die Zeiten, in denen es etwa den katholischen Turnverein brauchte, sind vorbei. Ein Apéro nach dem Gottesdienst ist – in Zeiten ohne Corona – schön und nett, aber nicht zwingend notwendig. Ich plädiere dafür, den Fokus auf die Verkündigung des Evangeliums zu setzen. Das ist das Zentrale und daran sollten wir uns halten.

Es gibt Stimmen, die eine Modernisierung der Kirche fordern. Wie stehen Sie dazu?
Die Kirche muss vor allem dem Evangelium treu bleiben. Und sie muss Antworten geben auf die Nöte der Menschen in konkreten Situationen. Aber selbstverständlich ändert sich die Kirche immer, das hat sie auch früher getan. Ansonsten wäre sie nicht lebendig. Gut lässt sich das erkennen am Beispiel der Kirchenmusik mit ihrer wahnsinnig grossen Bandbreite.

Der Frauenstreik im vergangenen Jahr ging auch an der Kirche nicht ganz vorbei. Aus katholischen Kreisen kam die Forderung, dass auch Frauen das Priesteramt ausüben dürfen. Wie stehen Sie dazu?
Ich verstehe die Ungeduld. Ich als Pfarrer kann daran aber nichts ändern. Das Bistum Basel setzt die Grenzen insofern weit, dass alle, die in der Kirche tätig sind, ihr Mögliches machen können. Das ist mir auch hier wichtig.

Noch zu Ihnen persönlich: Was machen Sie, wenn Sie nicht als Pfarrer unterwegs sind?
Ein besonderes Hobby von mir ist Familienforschung. Zurück geht das auf die goldene Hochzeit meiner Eltern vor sechs Jahren. Als frisch Verheiratete sind die nach Sterzing im Südtirol gereist, weil der erste Meyer im
16. Jahrhundert von dort in die Schweiz eingewandert war. Dann begann ich mich, dafür zu interessieren, reiste selber hin und habe vor Ort und auch im Internet Forschung betrieben.

Ihre offizielle Amtseinsetzung ist am kommenden Wochenende in der Kirche St. Nikolaus. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher?
Am Samstag um 17.30 Uhr und am Sonntag um 10.30 finden die Gottesdienste statt. Der Apéro ist natürlich gestrichen. Der Kirchenchor wird jeweils in zwei getrennten Gruppen auftreten. Der Pastoralraumleiter Felix Terrier wird die Missio canonica, das Einsetzungsschreiben des Bischofs, verlesen und Vertreterinnen und Vertreter des katholischen Kirchgemeinderats, der reformierten Kirchgemeinde und der Einwohnergemeinde werden Grussworte überbringen. Trotz den coronabedingten Widrigkeiten freue ich mich auf die neue Aufgabe.