Reinachs Strassen sind digital auf dem neusten Stand

Während der Sommerferien kurvte ein Messfahrzeug durch Reinach und hat die Umgebung digital erfasst. Wozu eigentlich?

Mit Kameras ausgerüstet: Seit dem 19. Juli hat dieses Fahrzeug die Strassen neu aufgezeichnet. Foto: ZVG
Mit Kameras ausgerüstet: Seit dem 19. Juli hat dieses Fahrzeug die Strassen neu aufgezeichnet. Foto: ZVG

Will die Feuerwehr Zufahrtswege für ihre grossen Fahrzeuge eruieren oder schlicht wissen, ob Platz für eine grosse Leiter vorhanden ist, um im Brandfall ein höher gelegenes Fenster zu erreichen, braucht sie dafür nicht mehr vor Ort zu gehen, sondern kann dies bequem am Bildschirm – von zu Hause aus oder im Büro – erledigen. Dasselbe gilt für die Polizei, wenn sie etwa Analysen zur Verkehrssicherheit durchführt oder auch für das Steueramt, um Angaben zu Immobilien und Investitionen zu erhalten. Das Reinacher Strassennetz existiert nämlich auch digital – und zwar nicht nur bei Google Maps, sondern auch im sogenannten infra3D-Service der Badener Firma iNovitas AG. Im Unterschied zum bekannten und allerseits zugänglichen Street View sind die Bilder dort dreidimensional, hochaufgelöst und auf vielfältige Weise nutzbar, also smart. «Grundsätzlich verwendet die Gemeinde die 3D-Bilder für die Planung und Gestaltung des öffentlichen Raumes», sagt Fatos Drbaci, Marketingchef bei der Firma, die im Auftrag der Gemeinde die Aufzeichnungen durchgeführt hatte. Angesichts der vielen Quartierpläne, die in Reinach vor ihrer Realisierung stehen, ist und bleibt Raumplanung in Reinach ein brennendes Thema: «So könnten Strassenübergänge, Grünflächen oder Begegnungszonen geplant und visualisiert werden. Weiter kann man den Service für den Unterhalt der Infrastruktur, die Erhebung des Strassenzustands oder die Inventarisierung des Strassenmobiliars nutzen.»

Personen sind unkenntlich gemacht

In der vorletzten Juliwoche war das weisse, mit diversen Kameras ausgestattete Messfahrzeug in den Strassen Reinachs unterwegs, um neue Aufnahmen zu machen: «Alle Strassenaufnahmen, die während der Ersterfassung aufgezeichnet worden waren, wurden aktualisiert.» Personen und Autokennzeichen würden dabei automatisch unkenntlich gemacht. «Die erfassten Rohdaten werden dann zu intelligenten 3D-Bildern transformiert und so als digitaler Strassenzwilling webbasiert bereitgestellt. Der 3D-Service sei am Computer einfach zu bedienen, erzählt Drbaci: «Damit können ihn nicht nur Experten, sondern alle Mitarbeitenden der Verwaltung ohne Geo-Fachwissen nutzen.»

Die Aufnahmen werden nicht mit einem Programm geliefert, sondern auf einer Cloud im Netz abgelegt: «Der Zugriff ist passwortgeschützt und so nur Mitarbeitenden der Verwaltung möglich.»

Auf die Frage, was eine solche Aufzeichnung koste, sagt er: «Der Preis ist abhängig von der Strassenlänge, der Datenmenge, sowie der Komplexität des Projektes. Das Standard-Produkt ist für kleine Gemeinden ab 2500 Franken pro Jahr verfügbar.»

Schweizweit bekannt

Reinach ist mit dem infra3D-Service in guter Gesellschaft – viele Schweizer Kantone, Städte und Gemeinden nutzen ihn. Dazu zählen die Kantone Aargau und Thurgau, die Städte Basel, Bern, Baden, Schlieren und Zürich. Auch Bahn- und Trambetreiber haben dieses System für sich entdeckt.

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