Ein neuer Wärmeverbund für weit über 100 Liegenschaften

Die Industriellen Werke Basel (IWB) planen in Reinach Süd einen Wärmeverbund. Die Wärme käme von einer neuen Holzheizzentrale beim Friedhof Fiechten.

Umzonung: Für die Heizzentrale müssten 16 Parzellen der Schrebergärten verschoben werden. Foto: Rüdisühli Architekten
Umzonung: Für die Heizzentrale müssten 16 Parzellen der Schrebergärten verschoben werden. Foto: Rüdisühli Architekten

Seit zweieinhalb Jahren hat die Gemeinde Reinach eine kommunale Energieplanung, die als Hauptziel die Steigerung der erneuerbaren Energieträger und der Abwärmenutzung von fünf Prozent im Jahr 2010 auf 40 Prozent bis im Jahr 2030 hat. In der Arbeitsgruppe, die die Energieplanung ausgearbeitet hat, sassen auch die beiden regionalen Energieversorger IWB und Primeo Energie.

Während Primeo Energie mit Abwärme von Uptown Basel in Arlesheim einen neuen Wärmeverbund in Planung hat, kamen die IWB mit der Idee eines Wärmeverbunds mitsamt Holzheizkraftwerk in Reinach Süd auf die Gemeinde zu. Erste Abklärungen der IWB hätten gezeigt, dass bei «vertretbaren Kosten» 80 Prozent der möglichen Schlüsselkunden in Reinach Süd an einer Verbundslösung interessiert sind. Das Einzugsgebiet des Wärmeverbunds würde das Gebiet südlich des Zentrums bis zum Industriegebiet Kägen umfassen. Am vergangenen Donnerstag stellten die IWB und die Gemeinde im Beisein von rund hundert Besucherinnen und Besuchern die Pläne der Öffentlichkeit vor.

Für Reinach sei der geplante Wärmeverbund ein «sehr wichtiges Projekt», betont die für das Ressort Umwelt, Ver- und Entsorgung zuständige Gemeinderätin Doris Vögeli (GLP). «Es hilft uns einerseits, die Dekarbonisierung voranzutreiben und so weg von fossilen Energieträgern zu kommen, andererseits mindern solche Wärmeproduktionen vor Ort die Abhängigkeit vom Ausland.»

Sind Holzfeuerungen nachhaltig?

Herzstück des neuen Wärmeverbunds ist die Heizzentrale neben dem Friedhof Fiechten. Als Energieträger sind regionale Holzschnitzel vorgesehen. Für den Bau der Heizzentrale ist eine Mutation des Zonenplans nötig. Ein Teil der Parzelle 2407 und die Parzelle 2408 müssen von einer Zone für öffentliche Werke und Anlagen «Friedhof» in eine Zone für öffentliche Werke und Anlagen «Heizzentrale» umgewandelt werden. Die öffentliche Mitwirkung hierfür dauert bis zum 10.  Dezember. Die Kosten für die Mutation und den Wärmeverbund würden gesamthaft durch die IWB übernommen.

Es stellt sich jedoch die Frage, ob Holzfeuerungen wirklich nachhaltig sind. Auf ihrer Website antworten die IWB dezidiert mit «Ja». «Holz gilt als klimaneutraler Energielieferant. Bei der Verbrennung wird zwar CO2 freigesetzt, dieses hat der Baum aber zuvor der Atmosphäre durch Fotosynthese entnommen.» Von einer Holzheizzentrale würden auch die regionale Waldwirtschaft profitieren, da sie durch die langfristigen Verträge mit den IWB einen gesicherten Absatzkanal für ihr Holz erhalten würde.

Ein Teil der Schrebergärten müsste  verschoben werden

Auch mit der Heizzentrale bestünde noch genügend Platz für eine Erweiterung des Friedhofs, versichert Doris Vögeli. Der Standort sei auch betreffend Erreichbarkeit ideal, da die Lastwagen mit den Holzschnitzeln nicht durchs Quartier fahren müssten. Für die Heizzentrale müssten aber 16 Parzellen der Schrebergärten verschoben werden. Die Gemeinde hat mit dem Obst- und Gartenbauverein früh das Gespräch gesucht. An einer Informationsveranstaltung wurden den betroffenen Pächterinnen und Pächtern Ersatzflächen rund 300 Meter weiter südlich angeboten. Neben der Heizzentrale soll angrenzend an die umgezonte Fläche auch der Gemeindewerkhof Platz für ein neues Lager erhalten.

Reinach Süd hat baulich einen älteren Bestand. Der Heizbedarf ist entsprechend gross. In einem Grossteil der Liegenschaften wird mit Öl oder Gas geheizt. In solchen Fällen seien Wärmeverbünde mit zentraler Produktion besonders geeignet, erklärt Marc Bayard, Leiter Umwelt und Energie bei der Gemeinde Reinach. Ziel müsse es sein, möglichst viele Liegenschaften an den Wärmeverbund anzuschliessen, damit sich dieser überhaupt lohnt.

Neben der Heizzentrale sind dafür auch neue Leitungen notwendig. Dafür können die Haushalte auf eigene Heizungen verzichten. Für den Anschluss braucht es lediglich eine sogenannte Übergabestation. Eine Anschlusspflicht an Wärmeverbünde gibt es im Kanton Baselland nicht.

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