Spitteler-Gedenkabend in Wort und Klang

Anlässlich des Jubiläums zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Carl Spitteler fand am Freitag im Mischeli ein Gedenkabend mit Klavier und Gesang statt.

Transformation: Sharon Prushansky (links) und Jeanne Pascale Künzli verwandelten die Gedichte in Musik.  Foto: Caspar Reimer
Transformation: Sharon Prushansky (links) und Jeanne Pascale Künzli verwandelten die Gedichte in Musik. Foto: Caspar Reimer

Hundert Jahre ist es her, dass der Schweizer Dichter, Schriftsteller, Kritiker und Essayist Carl Spitteler den Nobelpreis für Literatur erhielt. Damit ist er der einzige gebürtige Schweizer, dem jemals diese Ehre zuteilwurde. In der ganzen Schweiz und insbesondere im Kanton Baselland, wo Spitteler 1845 in Liestal geboren wurde, wird dieses Ereignis mit einer Vielzahl von Veranstaltungen gewürdigt. So etwa am vergangenen Freitagabend, als die Reformierte Kirchgemeinde Reinach unter dem Titel «Carl Spitteler und Zeitgenossen» zu einem Gedenkabend in Wort und Musik einlud. Ueli Gisi, emeritierter Biologe und heute vielseitig engagierter Kulturvermittler, moderierte den Abend. Dem Wochenblatt gestand er: «Zu Spitteler bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind.» Anlässlich des Spitteler-Jubiläums hatte der Kanton Baselland eine Ausschreibung an alle Kulturvereine gemacht, sich mit Veranstaltungen zu bewerben. Als bis im vergangenen Juli amtierender Präsident des Sinfonieorchesters Gelterkinden machte sich Gisi auf die Suche nach Vertonungen von Spitteler-Gedichten, um für das Orchester ein Programm zusammenzustellen. Auch nach dem Konzert liess ihn Spitteler nicht mehr los: «Bei weiteren Recherchen entdeckte ich, dass Spitteler selbst Melodien verfasst hatte.» So fruchtete die Idee, einen Liederabend mit vertonten Spitteler-Gedichten und Spitteler-Melodien zu gestalten.


Doch lieber Komponist?

Für den musikalischen Part zeichneten am Freitag Sopranistin Jeanne Pascale Künzli und die in Orgel, Cembalo und Klavier ausgebildete Sharon Prushansky verantwortlich. Im ersten Teil des Abends wurden mehrere Vertonungen zu den vier Spitteler-Gedichten «Das bescheidene Wünschlein», «Glöckleins Klage», «Ein Jauchzer» und «Der Hufschmied» gesungen und gespielt. Die unterschiedlichen Vertonungen zu einem Gedicht waren jeweils nacheinander zu hören, was anschaulich zeigte, wie unterschiedlich Lyrik aufgefasst und in Melodie übersetzt werden kann. Vertont wurden die Gedichte unter anderem durch die Komponisten und Schriftsteller Justus Hermann Wetzel und Othmar Schoeck. Der zweite Teil des Programms widmete sich sodann Spitteler als Melodienschreiber: «Bevor Spitteler überhaupt etwas Literarisches geschrieben hatte, komponierte er Melodien zu Gedichten seines von ihm verehrten Zeitgenossen Heinrich Leuthold», so Gisi am vergangenen Freitag. Überhaupt fühlte sich der Nobelpreisträger von der Musik stark angezogen – so schrieb er: «Wenn ich im Elysium wäre und man mir sagte, da links stehen Goethe und Schiller, rechts Haydn, Beethoven, Mozart, ich würde nicht links, sondern rechts gehen.» Er haderte gar damit, ob er nun als Schriftsteller oder doch lieber als Komponist «etwas Grosses» schaffen wolle, entschied sich aber letztlich für das Schreiben. Zu hören waren am Freitag unter anderem die von Spitteler vertonten Leuthold-Gedichte «Meines Kindes Abendgebet», «Trost im Leide» oder «Ligurisches Volkslied». Zwischen den lyrisch-musikalischen Darbietungen erzählte Ueli Gisi Anekdoten aus Spittelers Leben, zeichnete seinen Werdegang nach und gewährte Einblick in die Welt der damaligen – meist männlichen – Schriftsteller, Komponisten und Künstler. Passend zum sinnlichen Ausklang des Abends wurde das Publikum noch mit einem kleinen Apéro verwöhnt.

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