Basteln, reparieren, erfinden

Die sogenannte Maker-Bewegung spielt weltweit eine Rolle und wächst stetig. Auch in Reinach gibt es inzwischen einen Makerspace – vorerst nur virtuell.

Freut sich auf machende Mitstreiter: Reto Probst. Foto: Axel Mannigel
Freut sich auf machende Mitstreiter: Reto Probst. Foto: Axel Mannigel

Die Szenerie ist beschaulich: Eine verkehrsberuhigte Strasse in Reinach mit spielenden Kindern und bodenständigen Reihenhäusern. Dass hier Zukunft ganz praktisch entworfen, kreiert und gestaltet wird, ist nicht zu erahnen. Reto Probst, 45-jähriger Programmierer und Familienvater, hat im vergangenen Jahr, sozusagen der Pandemie zum Trotz, den Makerspace Reinach geschaffen. Noch ist die Gruppe um Probst mit weniger als 20 Mitgliedern klein und wegen Corona tauschen sich diese bisher nur virtuell im Internet aus. Doch natürlich hofft Probst, dass die Gruppe weiterwächst, zu­sammen einen Raum mieten und sich dort – hoffentlich bald – zum Machen treffen kann. «Machen ist der eine Teil, der andere ist das Erfinden», beschreibt Probst die Absicht hinter dem Maker­space. Zu diesem Machen und Erfinden gehört für Probst zentral dazu, gemeinsam zu basteln, zu reparieren und sich auszutauschen. «Toll ist dabei, von anderen zu lernen und Wissen weiterzu­geben», freut sich der gelernte Elektromechaniker, der schon länger alleine in dieser Richtung unterwegs ist.

Werkstatt und Ideen für alle

Die Maker-Bewegung geht zurück auf das erste 2002 in den USA gegründete Fab­Lab (deutsch: Fabrikationslabor) und lebt das Konzept von offenen Werkstätten: einem Ort für alle Interessierten, die dort ihre handwerklichen Projekte und kreativen Ideen umsetzen können. Sehr oft kommen Hochtechnologien wie 3D-Drucker, Laser-Cutter und CNC-Maschinen zum Einsatz, und zwar je eine Maschine für alle. Denn für die Maker und Macher geht es darum, zu teilen, sowohl die Technologie als auch Ideen und Wissen. Probst: «So kann Altes repariert und ­Neues erfunden werden.»

Der Familienvater hat bereits in Jugendjahren gern gebastelt und getüftelt. Von Technologie ist er bis heute begeistert, denn «sie entwickelt sich fortlaufend weiter». Auch die eigenen Kinder, lacht Reto Probst, hätten ihn immer wieder zu Erfindungen inspiriert. Er steht auf und holt einen Karton, aus dem er kleine Spielzeuge und Roboter nimmt: «Die Möglichkeiten sind unendlich.» Ein Mitglied der Reinacher Gruppe habe sein Zuhause so programmiert, dass das Licht angehe, die Lieblingsmusik spiele und die Kaffeemaschine starte – wenn er den Laptop einsteckt.

Einsatzbereich Pandemie

Ein weiteres Beispiel für die Einsatzmöglichkeiten aus der Do-it-yourself-Produktion gibt die aktuelle Pandemie. Probst: «Weltweit haben die Maker Lösungen gesucht und umgesetzt. Es gibt zum Beispiel mittlerweile mehrere Modelle von Beatmungsgeräten aus dem 3D-Drucker.» Ein grosser Erfolg sei auch der 3D-Druck von Ventilen für die Beatmungsgeräte gewesen, welche in Italien dringend gebraucht wurden, aber nicht lieferbar waren. «Dadurch konnte vielen Menschen geholfen werden.»

Der Makerspace als Ort der Hilfe, in- und extern: «Der Makerspace soll ein generationenübergreifender Ort sein», wünscht sich der Programmierer. Auf der einen Seite stehe jahrelange Erfahrung, auf der anderen befänden sich ­junge, innovative Ideen. So könnten alle voneinander profitieren und spannende Lösungen entwickeln. Am liebsten natürlich live in einer gut eingerichteten Werkstatt, vorerst jedoch weiter via Videokonferenz, die nächste findet am 5. Mai um 20 Uhr statt.

Alle Infos: makerspace-reinach.ch

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