AGLR-Jubiläum: Seit 50 Jahren engagiertgegen Reinach als Schlafstadt
Der Verein AGLR Lebendiges Reinach feiert sein 50‑Jahr-Jubiläum. Beim Tag der offenen Tür im Leimgruberhaus konnte ein Blick hinter dieKulissen des heutigen Engagements geworfen werden.

Ein goldener Ballon mit der Zahl 50 darauf liess schon vor dem Betreten des Leimgruberhauses erahnen, dass hier etwas Besonderes auf dem Programm stand. Dies war dann auch gleich bei den charakteristischen, zur Seite geöffneten Toren gross angeheftet: Von Bastelworkshops über Pilates bis zu Italienisch-Konversation herrschte fast schon Dichtestress auf dem Flyer.
Beim Rundgang durchs Haus fiel einem zuerst der grosse Tisch im Foyer ins Auge, auf dem sich nach Farben geordnete, knallige Blumengestecke befanden. Beim Floristikworkshop konnten unter fachkundiger Anleitung eigene Dekorationen zusammengestellt werden. Ging man die Treppe hoch in den ersten Stock, so wartete dort die Möglichkeit, einen Häkelkurs zu besuchen. Ob kleine Gadgets als Schlüsselanhänger oder verzierte Einladungskarten – es konnte alles probiert werden, was die Häkelnadeln hergaben. Einen Raum weiter konnte unter dem Titel «Kreatives Gestalten mit Papier» eben genau das gemacht werden – auffallend waren die sogenannten Blütenbäume, für die Buchseiten in der Mitte gefaltet und geschnitten wurden. Im Nähraum nebenan gab es die Möglichkeit, sich an selbst gemachten Handytaschen, Finken oder Umhängebeuteln zu versuchen, bevor man anschliessend noch einen Abstecher zur Englisch-Konversation machen konnte.
Kurse, Weihnachtsmarkt und Jazzweekend
Das sei nur eine kleine Auswahl des gesamten Angebots, das vom Verein AGLR Lebendiges Reinach auf die Beine gestellt werde, erklärt Vereinspräsident Lukas Schreier. Er ist gleichzeitig auch Präsident des Trägervereins Treffpunkt Leimgruberhaus, der sich um die Verwaltung und den Betrieb des Hauses kümmert. Im zweimal jährlich erscheinenden «Infomagazin Leimgruberhaus» wird das aktuelle Kurs- und Workshopangebot publiziert, wo sich neben vielen weiteren auch die vorhin beschriebenen Schnupperkurse am Tag der offenen Tür wiederfinden. Die Kurse lassen sich in «Sprachen», «Kreatives» und «Bewegung» unterteilen.
Seit der Gründung des Vereins im Jahr 1976, der aus dem damaligen «Konsumentenforum Reinach» entstanden ist, habe sich vieles verändert – doch der Kerngedanke sei gleich geblieben. In der Vereinschronik ist als Gründungszweck die «Reaktivierung des Ortskerns mittels privater Anti-Schlafstadt-Therapie» zu lesen. Als Logo wurde der Dorfbrunnen gewählt, da dieser das Einzige sei, was im Ortskern noch laufe.
Im letzten halben Jahrhundert seit der Gründung sei aber schon so einiges gegangen, meint die Leiterin Kursgruppe, Sibylle Menassé: «Neben dem möglichst vielfältigen Kursangebot sind es vor allem auch der Reinacher Weihnachtsmarkt und das Jazzweekend, die wir organisieren und die zu belebten Treffpunkten im Dorf geworden sind.» Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass das Durchschnittsalter der Kursbesuchenden tendenziell ins Pensionsalter fällt und darunter auch deutlich mehr Frauen als Männer sind. «Das würden wir uns sicherlich noch ein wenig breiter und diverser wünschen», meint Vereinspräsident Schreier, und Kursgruppenverantwortliche Menassé nennt gleich ein paar Punkte, an denen in der letzten Zeit gefeilt wurde: «Wir haben Workshops zu den Themen künstliche Intelligenz, Website-Design und Bildbearbeitung aufgegleist und versuchen damit, neue Leute anzusprechen.» Zudem sei man auch vermehrt bemüht, Kurse am Abend anzubieten, damit es für Berufstätige besser vereinbar sei.
Ankerpunkt für Zugezogene
Beide blicken aber grundsätzlich positiv in die Zukunft. Schreier ist seit fünf Jahren an Bord des Vereins, womit sich für ihn gewissermassen ein Kreis schliesst – denn seine Grosstante war Lina Leimgruber, weswegen er das Haus familienbedingt bestens kennt. Er sieht das Angebot des Vereins AGLR Lebendiges Reinach vor allem auch als Ankerpunkt für Zugezogene, die hier einfach und unkompliziert ersten Anschluss finden könnten.
Was Vorstandsmitglieder Menassé und Schreier bei ihrer vielen ehrenamtlichen Arbeit letztendlich antreibt, lässt sich laut den beiden mit einem Gefühl zusammenfassen, das sie nach kurzem Überlegen wie folgt beschreiben: «Wenn man dann am Rande des regen Treibens am Jazzweekend oder am Weihnachtsmarkt mal kurz innehält, die vielen Leute sieht und sich zufrieden denkt, dass wir hier auf jeden Fall nicht allzu viel falsch zu machen scheinen.»


