Zürcher Preise in der Basler Agglo: Reinachs Filetstück bricht Quadratmeterpreis-Rekord

Nach jahrelangem Rechtsstreit kam das Schönenbach-Areal unter den Hammer. Die Investoren boten für Reinachs bestes Bauland immense Summen.

Wildwuchs statt grosser Überbauung: Das Schönenbach-Areal liegt seit Jahren brach. Foto: Kenneth Nars
Wildwuchs statt grosser Überbauung: Das Schönenbach-Areal liegt seit Jahren brach. Foto: Kenneth Nars

Am Ende brandet Applaus durch das Elefantehuus in Liestal. Die Investoren beglückwünschen die Siegerin der Gant. Die UWP Sammelstiftung für Berufliche Vorsorge mit Sitz in Basel hat sich eben das vermutlich noch grösste brachliegende Baulandstück in der Agglomeration gesichert. Für sage und schreibe 60,5 Millionen Franken geht das brachliegende Baulandareal an neue Besitzer über.

Dass Baulandreserven öffentlich versteigert werden, kommt selten vor. Im vorliegenden Fall sorgte ein Entscheid des Bundesgerichts dafür, dass das Schönenbach-Areal unter den Hammer kam. Die Eigentümer des knapp zwei Fussballfelder grossen Areals hatten sich zerstritten. Ein Überbauungsprojekt, das Reinachs Bevölkerung noch 2018 gutgeheissen hatte, kam komplett zum Stillstand. In der Agglogemeinde bezeichneten deshalb viele das Areal als «Schandfleck».

Bei den Investoren ist es aufgrund der Lage jedoch höchst begehrt. Das zeigt die öffentliche Versteigerung am Dienstagnachmittag in Liestal, zu der der Kanton eingeladen hatte. Rund 50 Vertreterinnen und Vertreter von Pensionskassen, Banken und Immobilienfirmen sind in den Baselbieter Kantonshauptort gekommen, um mitzubieten. Dresscode: Business. Dunkle Anzüge und Blazer füllen den Raum.

Munteres Pingpong treibt Preis in die Höhe

Francois Roten, Leiter Liegenschaftsverwertungen beim Kanton Baselland, führt durch die Gant und gibt zuallererst die Spielregeln bekannt. Anfangsgebot: 26,4 Millionen Franken. Wer höher bieten will, muss mindestens 20 000 Franken über das vorausgehende Gebot gehen. Beim ersten Gebot zögern die Investoren noch – niemand wagt sich in die Offensive. Dann aber steigt der Preis rasant in die Höhe. 35 Millionen bietet die Schweizerische Mobiliar, ehe Sarasin den Preis auf 45 Millionen treibt und daraufhin mit der Zürcher Seraina Investment Foundation Pingpong spielt. «Geboten werden 56 Millionen Franken», verkündet Roten den neuen Höchstpreis. Nun schaltet sich die UBS‑Anlagestiftung ein. Nur noch die UWP Sammelstiftung hält dagegen und bietet munter mit. Der Basler Vorsorgeeinrichtung sind 630 Firmen angeschlossen, sie weist ein Anlagevermögen von 3,1 Milliarden Franken aus und lässt bis zuletzt nicht locker. Das UBS-Gebot von 60 Millionen Franken kontert Yvonne Turi im Namen der UWP Sammelstiftung mit 60,5 Millionen Franken. Der Hammerschlag hallt durch den Saal. Niedergeschlagen wirkt beim Hinausgehen niemand.

An der frischen Luft wird die Gant fleissig kommentiert. «So grosse Grundstücke sind selten auf dem Markt», sagt ein Mann. Die chic gekleideten Männer schütteln sich die Hände. Networking für künftige Aufträge im Baugeschäft.

Gemeindepräsident zeigt sich überrascht

Auch Reinachs Gemeindepräsident Ferdinand Pulver hat sich die Gant nicht entgehen lassen. «Es ist erstaunlich, wie hoch der Preis ging. Das ist ein Rekord für Reinach», sagt er. Er rechnete damit, dass der Verkaufspreis höchstens 50 Millionen Franken erreichen würde.

Die Statistik des Kantons Baselland zeigt: Nicht nur für Reinach ist es der höchste je für Bauland bezahlte Preis. Die UWP bezahlt pro Quadratmeter 4488 Franken – ein im Baselbiet noch nie erreichter Wert. Zum Vergleich: In der Stadt Zürich liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei rund 6700 Franken.

Das hohe Gebot zeige, dass Reinach sehr beliebt sei als Wohngemeinde, wertet Pulver die Gant als positives Zeichen. «Wir brauchen neuen Wohnraum.» Zugleich berge der hohe Preis auch einen Nachteil. «Diese Gant wird sich auch auf die Immobilienpreise auswirken.» Pulver ist froh, dass nun ein neues Kapitel auf dem Areal Schönenbach geschrieben wird und es vorwärtsgeht. «Im Idealfall könnte in drei Jahren der Bau beginnen», sagt Pulver. Der Quartierplan aus dem Jahr 2018 ist noch immer gültig.

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