Temporär Tempo 60 als Lösung?

Als Kompromiss zu einer generellen Geschwindigkeitsreduktion schlägt die «IG Respektvoll unterwegs Dorneckberg» auf der Gempenstrasse Tempo 60 an schönen Tagen nach Feierabend und an den Wochenenden vor.

Zankapfel: Die neuen Schilder sorgen bei der «IG Respektvoll unterwegs Dorneckberg» für Unverständnis. Foto: zVg
Zankapfel: Die neuen Schilder sorgen bei der «IG Respektvoll unterwegs Dorneckberg» für Unverständnis. Foto: zVg

Die «IG Respektvoll unterwegs Dorneckberg» hat seit ihrer Gründung Anfang Jahr bereits viel bewegen können. Die Themen Sicherheit und Lärmbelastung auf der Gempenstrasse zwischen Dornach und Gempen fanden sogar den Weg in grosse Schweizer Tageszeitungen. Eine generelle Geschwindigkeitsreduktion von 80 auf 60 Stundenkilometer lehnt der Kanton Solothurn ab. Das Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT) erweiterte als Alternative die Bodenmarkierungen und stellte über 50 Schilder in den Kurven auf. Dadurch soll die Gempenstrasse übersichtlicher werden.

Die ergriffenen Massnahmen kommen nicht überall gut an. Gemäss den beiden IG-Initianten Jacqueline Ehrsam und Lorenzo Vasella wurde die Gempenstrasse durch die Markierungen zu einer Rennstrecke. «Die teilweise übergrossen Schilder zeigen genau an, wann eine enge Kurve kommt. Dadurch muss man gar nicht mehr aufmerksam sein. Zur perfekten Rennstrecke fehlt nur noch die Start- und Ziellinie», moniert Vasella. Zudem würden die Schilder das Sonnenlicht und in der Nacht die Autolichter reflektieren. «Meines Erachtens machen die Schilder die Strasse noch gefährlicher, wenn es bei einem Unfall zu einem harten Aufprall kommen sollte», kritisiert Ehrsam.

Michael Suter, Abteilungsleiter Strassenbau beim AVT, sieht dies nicht so. «Die Massnahmen wurden mit dem Ziel umgesetzt, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und die Lesbarkeit der Strecke zu verbessern. Eine frühzeitige und klare Erkennbarkeit des Strassenverlaufs hilft den Verkehrsteilnehmenden, ihre Geschwindigkeit den Verhältnissen anzupassen.» Die Infrastruktur könne die Eigenverantwortung der Verkehrsteilnehmenden nie ersetzen, stellt Suter auf Anfrage klar. Erste Rückmeldungen würden zeigen, dass die verbesserte optische Führung und die bessere Erkennbarkeit des Strassenverlaufs wahrgenommen werden. Für ein generelles Fazit sei es noch zu früh, gibt Suter zu bedenken.

Runder Tisch nur mit den Gemeinden

Die Initianten der «IG Respektvoll unterwegs Dorneckberg» stören sich auch daran, dass das AVT offenbar keine Rücksprache vor Ort mit unter anderem Anwohnenden und Waldbesitzern genommen hat. «Man bekommt beim Kanton Solothurn das Gefühl, dass aus der Distanz über die Köpfe der betroffenen Menschen entschieden wird», sagt Ehrsam.

Die IG suchte proaktiv das Gespräch mit dem AVT. Doch dieses wollte von einem Austausch nichts wissen und verwies an die Gemeinden. Ehrsam und Vasella können diese «Gesprächsverweigerung» nicht nachvollziehen und haben sich direkt an die zuständige Regierungsrätin Sandra Kolly (Die Mitte) gewandt, um doch noch ein Gespräch mit dem Amt zu erhalten.

Von einer Gesprächsverweigerung will Suter nichts wissen. «Selbstverständlich sind wir bereit, uns mit Vertretern der IG auszutauschen. Es fand auch ein telefonischer Austausch statt, indem die vorgesehenen Massnahmen erläutert wurden.» Der nun von der «IG Respektvoll unterwegs Dorneckberg» verlangte runde Tisch sei aber nur dann zielführend, wenn die relevanten Akteure bereit seien, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und den Prozess konstruktiv zu begleiten.

«Die Standortgemeinden nehmen dabei eine zentrale Rolle ein. Als demokratisch legitimierte Behörden vertreten sie die Gemeinde gegenüber dem Kanton und bringen die Anliegen der Bevölkerung in den Prozess ein», betont Suter. Entsprechend erachte das AVT den Einbezug der Standortgemeinden als wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen und breit abgestützten Dialog. Das habe man der IG mitgeteilt. Doch gerade die Gemeinde Gempen gab sich bisher beim Thema Gempenstrasse zurückhaltend.

Keine fachliche Grundlage für temporär Tempo 60

Offen zeigte sich die Kantonspolizei Solothurn. Im Wissen, dass nicht alle Einwohnerinnen und Einwohner eine generelle Geschwindigkeitsreduktion begrüssen würden, schlugen Ehrsam und Vasella bei einem Gespräch in Solothurn eine temporärere Einführung von Tempo 60 auf der Gempenstrasse vor. «Wir möchten auch nicht, dass alle für das Fehlverhalten von Einzelnen bestraft werden. Wir sehen es als Kompromissvorschlag, dass bei schönem Wetter nach Feierabend und am Wochenende, wenn besonders viele Töfffahrer unterwegs sind, Tempo 60 gilt.» Die Kantonspolizei habe sich offen für den Vorschlag gezeigt. Mit digitalen Geschwindigkeitsanzeigen wäre dies umsetzbar, sind Ehrsam und Vasella überzeugt.

Auch damit kann Suter nur wenig anfangen. «Für eine temporäre Reduktion der Höchstgeschwindigkeit auf 60 Stundenkilometer auf diesem Streckenabschnitt besteht derzeit keine hinreichende fachliche Grundlage.» Es sei nicht das Ziel, wegen einzelner Fehlverhalten die grosse Mehrheit der Verkehrsteilnehmenden mit zusätzlichen Einschränkungen zu belasten. Zunächst würden deshalb die bereits umgesetzten Massnahmen beobachtet und ausgewertet.

Treffpunkt der Töfffahrer umgestalten?

Die «IG Respektvoll unterwegs Dorneckberg» schlägt insgesamt sieben Massnahmen vor, um die Situation auf der Gempenstrasse zu verbessern. Zuhanden der Gempner Gemeindeversammlung haben Vasella und ein weiteres IG-Mitglied einen Antrag zur Umgestaltung des bei Töfffahrern beliebten Treffpunkts «Dreieck» neben der Bushaltestelle Steinacker eingereicht. Der Treffpunkt soll so umgestaltet werden, dass es schwieriger wird, dort mit dem Motorrad zu wenden. Auch möchte die IG mit einer Plakatkampagne Töff- und Autofahrer für die Probleme Lärm und Sicherheit sensibilisieren. Am vergangenen Samstag suchten Mitglieder der IG proaktiv das Gespräch mit Töfffahrern, um direkt mit ihnen über die Themen zu sprechen.

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