Wiederverwenden statt verschwenden

Seit zehn Jahren ver- kauft Offcut Restmaterial zu niedrigen Preisen. Das organisierte Chaos auf dem Dreispitzareal hat viel zu bieten.

Schrauben, Nägel und mehr: In vielen Kisten findet man hier jede Menge Kleinkram. Fotos: Nicole Nars-Zimmer

Schrauben, Nägel und mehr: In vielen Kisten findet man hier jede Menge Kleinkram. Fotos: Nicole Nars-Zimmer

Mit viel Ehrenamt: «Das Ziel ist es, in Zukunft selbsttragend zu werden», 
meint Co-Leiterin Simone Steinegger.

Mit viel Ehrenamt: «Das Ziel ist es, in Zukunft selbsttragend zu werden», meint Co-Leiterin Simone Steinegger.

Fundgrube für Bastler und Fasnächtler: Allerlei – auch kuriose – Restmaterialien 
lagern im Offcut.

Fundgrube für Bastler und Fasnächtler: Allerlei – auch kuriose – Restmaterialien lagern im Offcut.

Stoffe aller Sorten, ungenutzte Labor­pipetten und Buchbinderpapier: Im Offcut werden alle Kreativköpfe fündig. Der Materialmarkt für kreative Wiederverwertung wurde 2013 in Basel gegründet und hat seither schweizweit weitere sieben Lokale eröffnet. Am Samstag feierte die Genossenschaft ihr 10-Jahr-Jubiläum: Mit einer Ansprache von Regierungspräsident Beat Jans, Kunstausstellungen und Musik ging es auf dem Dreispitzareal lebhaft zu und her.

Restmaterial von Unternehmen, Vereinen oder Privatpersonen wird gespendet, sorgfältig sortiert und im Offcut verkauft  – für maximal die Hälfte des Marktpreises. Die Regeln lauten: keine Kleidung und keine fertigen Produkte. Auch Grossfirmen werden ihre Resten hier los. Das Outdoor-Unternehmen Mammut hat in den vergangenen Wochen vielen Menschen mit seinen hochwertigen Outdoor-Stoffen eine Freude gemacht.

Austauschplattform für Kunst und Nachhaltigkeit

Offcut befindet sich in einer alten Lagerhalle im Herzen des Dreispitzareals, die mit einer hohen Decke und veralteten Holzleisten noch ihr industrielles Flair behalten konnte. In Kisten, Schubladen und Regalen findet man viel Kleinkram, aber auch grossflächiges Holz. Ein Besuch im Offcut setzt zwei Dinge zwingend voraus: Zeit zum Stöbern und Neugier. Das grosse, aber organisierte Chaos hat viel zu bieten, solange man Zeit dafür hat.

Im Offcut trifft man eine grosse Bandbreite an Kundinnen und Kunden an: Unter anderem Kostümhersteller von Fasnachtscliquen, Lehrpersonen, Kunstschaffende und Eltern bastelbegeisterter Kinder. Eine Mutter durchstöbert die Regale gemeinsam mit ihrem Sohn: «Er bastelt gerne Papierflugzeuge, aber Papier war irgendwann nicht mehr genug», sagt sie lachend. In ihrem Ein­kaufswagen befinden sich Holzleisten, Perlen und farbiges Papier. Ein anderer Kunde legt alle Bilderrahmen, die er nur finden kann, in seinen Einkaufwagen: Diese waren am selben Morgen erst angekommen. Der Materialmarkt finanziert sich neben dem Verkauf mit Stiftungsgeldern und buchbaren Formaten wie Workshops. «Das Bestehen kleiner Unternehmen ist auch bei anderen Materialinitiativen wie beispielsweise in Deutschland ein zentrales Thema», meint Simone Steinegger, Co-Leiterin von Offcut. Dazu gehöre auch ein ehrenamtliches Engagement, das zusätzlich zum Arbeitspensum geleistet werde. Ebenso unterstützten Freiwillige den Betrieb. «Das Ziel ist es, in Zukunft selbsttragend zu werden.»

Am Jubiläumsfest feierten alle: Stammkundinnen und Stammkunden des Restmaterialmarkts konnten ihre Werke ausstellen und verkaufen. Steinegger: «Wir wollen nicht nur die zehn Jahre Offcut feiern, sondern auch die Leute, die unsere Materialien wiederverwenden.»

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